Was sind eigentlich Edelgase, welche Eigenschaften haben sie und woher haben sie ihren Namen? Das alles erfährst du in unserem Beitrag oder im kurzen Video .
Inhaltsübersicht
Was sind Edelgase?
Edelgase sind alle Elemente aus der 8. Hauptgruppe des Periodensystems, also: Helium (He), Neon (Ne), Argon (Ar), Krypton (Kr), Xenon (Xe), Radon (Rn) und das künstlich erzeugte Oganesson (Og). Du findest sie im Periodensystem ganz rechts außen neben den Halogenen.
Alle sieben Edelgase haben ähnliche Eigenschaften: So sind sie bei Raumtemperatur gasförmig und kommen als Atome und nicht als Moleküle vor. Das liegt daran, dass sie sehr reaktionsträge sind und sich daher kaum mit anderen chemischen Elementen verbinden. Ihre äußere Elektronenschale ist nämlich vollständig mit Elektronen gefüllt. Deshalb müssen sie auch keine Bindungen mit anderen Elementen eingehen. Den stabilen Zustand nennst du auch Edelgaskonfiguration.
Übrigens: Der Name ‚Edelgas‘ stammt von den Edelmetallen — auch sie gehen kaum Reaktionen ein.
Edelgase Eigenschaften
Edelgase haben relativ einheitliche Eigenschaften. Hier bekommst du die wichtigsten auf einen Blick:
- farb-, geschmacks- und geruchlos
- sehr niedrige Schmelz- und Siedepunkte
- reaktionsträge
Da sie so wenig reaktiv sind, nennst du sie auch inerte Gase. Ihre geringe Reaktivität liegt daran, dass ihre äußeren Elektronenschalen bzw. Atomorbitale bereits komplett mit Elektronen besetzt sind. Das sind in der Regel acht Elektronen.
Helium ist eine Ausnahme, denn es hat nur zwei Elektronen auf seiner Außenschale. Allerdings kann die Schale nicht mehr als 2 Elektronen aufnehmen. Deshalb ist auch sie vollständig besetzt.
Anmerkung: Wie die Eigenschaften vom künstlichen Oganesson lauten, kann derzeit noch nicht vorausgesagt werden.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Edelgaskonfiguration
Jedes Atom ‚möchte‘ eine vollbesetzte äußere Elektronenschale haben. Das versucht es beispielsweise zu erreichen, indem es kovalente Bindungen mit anderen Atomen eingeht. Die Edelgase haben den angestrebten Zustand bereits: die sogenannte Edelgaskonfiguration . Ein Edelgas liegt also einatomig vor, anstatt wie andere Elemente Bindungen einzugehen.
Da die Edelgase bereits eine stabile Elektronenkonfiguration besitzen, haben sie damit auch eine hohe Ionisierungsenergie . Das bedeutet, dass du viel Energie aufwenden musst, um Elektronen aus den Schalen zu lösen. Innerhalb einer Gruppe im Periodensystem sinkt die Ionisierungsenergie von oben nach unten. Dadurch werden die Edelgase mit höheren Ordnungszahlen auch etwas reaktiver.
Trotzdem ist das Edelgas Xenon am reaktivsten. Das liegt daran, dass Radon radioaktiv ist und nur eine kurze Halbwertszeit besitzt. Generell kannst du aber sagen, dass die Edelgase, bis auf das radioaktive Radon, ungefährlich für uns Menschen sind.
Physikalische Eigenschaften Edelgase
Schauen wir uns nun die physikalischen Eigenschaften der Edelgase etwas genauer an:
Schmelz und Siedepunkte
Ihre Schmelz- und Siedepunkte sind insgesamt sehr niedrig. Sie steigen aber innerhalb der 8. Hauptgruppe von oben nach unten an. Eine Besonderheit ist Helium: Kühlst du das Edelgas bis fast zum absoluten Nullpunkt, dann ist es immer noch flüssig. Helium ist damit das einzige Element, das unter Atmosphärendruck nicht erstarrt. Es geht stattdessen in einen speziellen Aggregatzustand über, die sogenannte Suprafluidität.
Dichte
Die Dichte steigt ebenfalls innerhalb der 8. Hauptgruppe von oben nach unten mit zunehmender Atommasse an. Helium und Neon besitzen eine geringere Dichte als Luft. Die von Argon, Krypton, Xenon und Radon ist hingegen größer.
Kristallstruktur
Helium zeigt eine hexagonale Kristallstruktur, während die anderen Edelgase kubisch kristallisieren.
Edelgase Eigenschaften Übersicht
In der Liste findest du die Edelgase Helium bis Radon mit ihren Eigenschaften auf einen Blick:
| Helium | Neon | Argon | Krypton | Xenon | Radon | |
| Ordnungszahl | 2 | 10 | 18 | 36 | 54 | 86 |
| Atommasse [u] | 4.00 | 20,18 | 39,95 | 83,80 | 131,29 | 222,00 |
| Dichte [g/cm3] | 0,14 | 0,70 | 1,38 | 2,89 | 4,51 | 8,07 |
| Schmelzpunkt [K] / [°C] | 1 / -272 | 24 / -249 | 84 / -189 | 116 / -157 | 161 / -112 | 202 / -71 |
| Siedepunkt [K] / [°C] | 4 / -269 | 27 / -246 | 87 / -186 | 119 / -154 | 165 / -108 | 211 / -62 |
| Ionisierungsenergie [eV] | 24,59 | 21,56 | 15,76 | 14,00 | 12,13 | 10,75 |
| Kristallstruktur | hexagonal | kubisch | kubisch | kubisch | kubisch | kubisch |
| Gasentladung | weiß-rosa | rot | violett | weiß | blau | (rot) |
Edelgase Vorkommen
Edelgase sind Bestandteile der Luft, also der Erdatmosphäre. Zu einem geringen Anteil findest du sie auch in der Erdkruste.
Generell kannst du sagen, dass Argon das am häufigsten vorkommende Edelgas auf der Erde ist. Dagegen zählen Krypton, Xenon und Radon zu den seltensten Elementen auf unserem Planeten.
Das am häufigsten vorkommende Edelgas im gesamten Universum ist Helium. Direkt nach Wasserstoff ist es sogar das zweithäufigste Element überhaupt.
Das liegt daran, dass Helium durch radioaktive Zerfallsprozesse zum Beispiel aus Uran entsteht. Durch radioaktiven Zerfall von Uran oder Thorium kann sich außerdem auch Radon bilden.
Schon gewusst? Du könntest Radon tatsächlich in deinem Keller finden, weil es aus dem Erdreich in die Häuser eindringen kann.
Edelgase Verwendung
Edelgase finden in vielen Bereichen Verwendung:
- in Leuchtstoffröhren wie Neon-Leuchtstoffröhren, Kryptonlampen, Xenon-Straßenlampen und –Autoscheinwerfer
- als Oxidations- sowie Kühlmittel,
- als Schutzgas, da sie reaktionsträge sind.
- Helium kennst du durch die Verwendung in Ballons und Luftschiffen.
Reaktionsverhalten Edelgase
Allgemein sind die Elemente der 8. Hauptgruppe reaktionsträge und bilden nur wenige Verbindungen aus. Durch ihre hohen Ionisierungsenergien gestaltet es sich nämlich äußerst schwierig, Helium oder Neon zu ionisieren. Derzeit gibt es kein geeignetes Oxidationsmittel (Stoff, der Elektronen aufnimmt) dafür.
Da die Ionisierungsenergie allerdings von oben nach unten in der 8. Hauptgruppe abnimmt, können die Edelgase Argon und Krypton Verbindungen eingehen. Radonverbindungen sind allerdings nicht wirklich stabil. Das liegt daran, dass Radon radioaktiv ist und somit eine geringe Halbwertszeit besitzt.
Die meisten Verbindungen geht das Edelgas Xenon ein.
Xenonverbindungen
1962 hat der Chemiker Neil Bartlett die ersten Edelgasverbindungen hergestellt: Xenonfluoride. Das sind Verbindungen, die aus den Elementen Xenon und Fluor bestehen, wie beispielsweise XeF2, XeF4, XeF6.
Er kam auf die Idee, weil Xenon und Sauerstoff fast dieselbe Ionisierungsenergie haben. Deshalb müssten neben Sauerstofffluorid (OF2) auch Xenonfluoride möglich sein. Xenon(di)fluorid XeF2 wird als starkes Oxidationsmittel in der organischen Chemie eingesetzt.
Reagieren die Xenonfluoride mit Wasser (Hydrolyse ) können außerdem Sauerstoff-Verbindungen entstehen. So konnten zum Beispiel XeO3 und XeO4 hergestellt werden. Diese Xenonoxide sind allerdings instabil und explosiv.
Zudem können Übergangsmetalle wie Gold (Au) als Ligand nutzen. Die Edelgase sind also hier um das Zentralatom wie Gold gruppiert. Daneben gibt es noch einige weitere Xenonverbindungen.
Weitere Edelgas Verbindungen
Neben Xenon-Verbindungen gibt es noch weitere Edelgasverbindungen:
- Krypton: Unter niedrigen Temperaturen und elektrischer Entladung auf ein Kr/F2-Gemisch kann Krypton(II)-fluorid KrF2 entstehen. Krypton(II)-fluorid bildet dann die Grundlage für weitere Kryptonverbindungen. Es wird wie das Xenonfluorid XeF2 als Oxidationsmittel verwendet.
- Argon: Argonfluorohydrid ist die bisher einzige hergestellte Argonverbindung, die allerdings äußerst instabil ist.
- Helium: Das Edelgas wurde bisher nur unter hohem Druck in Verbindungen erzeugt.
- Neon: Neonverbindungen konnten bisher überhaupt nicht synthetisiert werden.
Die Edelgase Argon, Krypton und Xenon können zudem Einschlussverbindungen bilden, sogenannte Clathrate. Es handelt sich dabei um Verbindungen, bei denen Gase von einem Feststoff eingeschlossen werden. Ein Edelgas-Hydrat kann zum Beispiel in Eis eingeschlossen werden.
Edelgase — häufigste Fragen
(ausklappen)
Edelgase — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Was ist eine Edelgaskonfiguration?Eine Edelgaskonfiguration ist eine Elektronenverteilung, bei der die äußere Elektronenschale eines Atoms vollständig besetzt ist. Dadurch ist das Atom besonders stabil und geht kaum Bindungen mit anderen Atomen ein. Meistens sind das acht Außenelektronen, bei Helium sind es zwei.
-
Warum werden Edelgase nach unten in der 8. Hauptgruppe reaktiver?Edelgase werden nach unten in der 8. Hauptgruppe reaktiver, weil ihre Ionisierungsenergie abnimmt. Das heißt, die äußeren Elektronen lassen sich bei den schwereren Edelgasen leichter aus der Hülle lösen. Dadurch können zum Beispiel Argon, Krypton und besonders Xenon eher Verbindungen bilden als Helium oder Neon.
-
Warum steht Helium in der 8. Hauptgruppe?Helium steht in der 8. Hauptgruppe, weil es wie die anderen Edelgase eine vollständig gefüllte Außenschale besitzt. Bei Helium ist die erste Schale die Außenschale und sie kann maximal zwei Elektronen aufnehmen. Deshalb ist Helium trotz nur zwei Außenelektronen genauso stabil und reaktionsträge.
-
Wofür werden Edelgase verwendet?Edelgase werden zum Beispiel in Leuchtstoffröhren und Lampen eingesetzt, etwa bei Neonröhren oder Xenon-Straßenlampen und Autoscheinwerfern. Außerdem nutzt man sie als Schutzgas, weil sie kaum mit anderen Stoffen reagieren. Helium wird wegen seiner geringen Dichte auch für Ballons und Luftschiffe verwendet.
Elementgruppen verstehen
Edelgase gehören zu den Elementgruppen im Periodensystem und stehen in der 8. Hauptgruppe ganz rechts. Wer sich mit Elementgruppen beschäftigt, vergleicht ihre Stellung im Periodensystem und ihre typischen Eigenschaften. So erkennst du, wie der Aufbau der Außenschale mit dem chemischen Verhalten von Stoffen zusammenhängt. Weitere Videos dazu findest du in unserem Chemiebereich.