Auswendig lernen
Wie du schnell und möglichst stressfrei auswendig lernen kannst, zeigen wir dir hier und in diesem Video mit vielen Tipps und einem 14-Tage-Lernplan!
Inhaltsübersicht
So startest du mit dem Auswendiglernen
Beim Auswendiglernen kann es sein, dass der Stoff auf den ersten Blick einschüchternd und demotivierend wirkt. Mit einer klaren Strategie schaffst du es aber, dich richtig vorzubereiten!
Auswendiglernen klappt besser, wenn du Stoff aktiv abrufst (Testing) und kurz verteilt wiederholst (Spaced Repetition).
Du kannst heute mit nur 30 Minuten direkt starten!
Minute 0–10:
- Scanne 5 bis 10 Minuten lang dein Material.
- Markiere dir nur Definitionen, Fakten mit fester Reihenfolge und Formeln. Erklärtexte und Beispiele lässt du weg.
- Davon schreibst du 10 bis 20 Muss-sitzen-Items auf. Das sind Inhalte wie Definitionen oder Formeln, die du auf jeden Fall wissen musst, weil sie sehr wahrscheinlich abgefragt werden.
- Zu jedem Item notierst du eine kurze Zielantwort mit den exakten Schlüsselwörtern.
Minute 10–20:
Schreibe 5 bis 10 Items auf Karten oder in Frage-Antwort-Notizen auf. Formuliere hier am besten die Frage auf der Vorder- und die Antwort auf der Rückseite.
Minute 20–30:
Frage diese Items heute noch aktiv ab und markiere es, wenn du Fehler machst. Schreibe dazu mit einem Bleistift ein F neben die Stelle, die noch nicht ganz sitzt.
Tipp: Führe eine Mini-Liste mit den Spalten Offen, In Arbeit und Sitzt. Sitzt heißt: Du schaffst drei fehlerfreie Abrufe an getrennten Zeitpunkten. Plane morgen oder später am Tag direkt die nächsten 10 Minuten ein, in denen du dich mit den Karten abfragst.
Arbeite mit kurzen Zeitblöcken und einem Timer. Wenn die Zeit um ist, hörst du auf — keine Verlängerung! Sobald die wichtigsten Inhalte sitzen, kannst du mehr ins Detail gehen und Hintergrundinformationen lernen.
Lernzettel fürs Auswendiglernen erstellen
Ein Lernzettel hilft dir, dass du in deiner Lernphase nicht den Überblick verlierst. Er enthält die wichtigsten Überpunkte aus deinem Lernstoff. Du erstellst ihn am Anfang und nutzt ihn dann täglich als Orientierung.
So gehst du vor:
Ordne alles klar:
- Hauptbegriff → Unterpunkte eingerückt
- Reihenfolgen sichtbar nummerieren (1–n)
- pro Punkt nur ein Stichwort oder Fakt
| ➡️ Beispiele: Mathe – Reihenfolge der Rechenarten Reihenfolge Oder als Aufzählung:
|
Halte den Zettel bewusst einfach:
- Erklärungen deiner Items so kurz wie möglich halten, sodass sie später beim Lernen kompakter und verständlicher sind
- Bullets statt Fließtext, maximal eine Zeile pro Punkt
- maximal zwei Farben für Struktur und Markierungen
- feste Kürzel nutzen (z. B. Def. für Definition)
- kleine Beispiele oder Merkhilfen nur am Rand
| ➡️ Beispiele: Mathe – Ableitung Def. Ableitung → Änderungsrate → f'(x) = Steigung → Beispiel: x² → 2x |
Merke: Der Lernzettel ist kein Lesetext, sondern ein Abrufanker. Vor jeder Lerneinheit gehst du ihn 5 Minuten durch und liest die Hauptpunkte und ihre Reihenfolge.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Karteikarten fürs Auswendiglernen erstellen
Mit Karteikarten kannst du dich beim Lernen selbst abfragen. Auf ihrer Vorderseite steht meist eine klare Frage und auf der Rückseite die Antwort dazu.
Die wichtigste Regel: Eine Karte = ein Fakt.
Sobald mehr drauf steht, teilst du sie auf.
So gehst du vor:
- Formuliere deine Muss-sitzen-Items als Frage oder Lückentext.
- Halte die Antwort kurz (maximal 1–2 Zeilen) mit den wichtigen Fachbegriffen.
- Teste dich sofort. Wenn du etwas nicht verstehst, dann vereinfache die Frage.
Je nachdem, was du lernen musst, kannst du die Karten anpassen:
- Definitionen: kurze Kerndefinition mit den entscheidenden Merkmalen
- Listen: Reihenfolge aktiv abfragen (Schritt 1 → 2 → 3)
- Formeln: einzelne Teile gezielt abfragen (z. B. eine Variable)
Wichtig: Wenn du einen Begriff nicht verstehst, dann übernimm ihn nicht einfach auf deine Karte. Kläre erst kurz, was er bedeutet, und schreibe das dazu.
Auswendiglern-Plan für 14 Tage
Wenn nur noch wenig Zeit bis zu den Prüfungen übrig ist, geraten viele in Stress. Damit dir das nicht passiert, hilft dir ein klarer 14-Tage-Lernplan. Er nimmt dir die Unsicherheit, was du jeden Tag tun sollst und teilt die Arbeit in einfachere Stücke auf. So schaffst du deine Prüfungen, ohne zu stark gestresst zu sein!
Tage 1–3: Die Grundlage aufbauen
In den ersten drei Tagen legst du den Kern fest, den du später Schritt für Schritt erweiterst.
Tag 1 – Kern festlegen und starten
- Wähle ein Unterthema aus deinem Skript.
- Markiere daraus 10–20 prüfungsrelevante Inhalte (Definitionen, Listen, Formeln).
- Erstelle deinen Lernzettel aus dem Gedächtnis, gleiche kurz ab und ergänze nur Lücken.
- Formuliere 5–10 Karten daraus (eine Karte = ein Fakt).
- Rufe diese Karten direkt aktiv aus dem Kopf ab.
- Abends: 3–5 schwierige Karten wiederholen.
Tag 2 – erweitern und festigen
- Wiederhole alle bisherigen Karten aktiv.
- Korrigiere Fehler sofort: kürze oder formuliere klarer.
- Ergänze weitere 5–10 Punkte aus demselben Thema und erstelle Karten dazu.
- Lernzettel kurz nachschärfen (nur Stichworte).
- Abends: wieder 3–5 schwierige Karten.
Tag 3 – komplett abrufen und sortieren
- Rufe jetzt alle bisherigen Items einmal komplett ab.
- Prüfe gezielt, ob alles vollständig und richtig ist.
- Sortiere deine Karten:
- sicher → beiseite
- unsicher → weiter üben
- Entscheide danach:
→ bleibst du im gleichen Thema oder nimmst du ein neues dazu? - Abends: kurzer Review wie an den Vortagen.
Tage 4–7: Auswendigwissen festigen
Jetzt wird aus „halb gelernt“ wirklich sicher. Du wiederholst gezielt und sortierst konsequent aus.
Tag 4 – gezielt wiederholen
- Wiederhole alle Karten, die du in den letzten Tagen erstellt hast.
- Antworte immer aus dem Kopf, dann kurz prüfen.
- Für Listen: Reihenfolge mehrmals sauber durchgehen.
- Karten, die jetzt schon sicher laufen, legst du beiseite.
Tag 5 – Fehler beheben
- Nimm dir nur die Karten vor, bei denen du unsicher warst.
- Wenn eine Karte zweimal hintereinander nicht klappt:
→ aufteilen, kürzen oder Frage klarer machen
Tag 6 – Mini-Test
- Ziehe 10 gemischte Karten und teste dich ohne Vorbereitung.
- Antworte zügig und vollständig.
- Alles, was nicht sitzt, wird direkt überarbeitet.
Tag 7 – erneut komplett durchgehen
- Wiederhole alle noch unsicheren Karten.
- Fokus auf die schwierigen Inhalte.
- Alles, was du jetzt mehrfach fehlerfrei abrufst, kommt aus deinem täglichen Lernstoff raus.
Neuen Stoff richtig einbauen
- Wenn dein bisheriger Stoff halbwegs sitzt, nimm täglich 5–10 neue Inhalte dazu.
- Bleib dabei im gleichen Tempo und überlade dich nicht.
- Wenn du merkst, dass vieles noch unsicher ist: erst festigen, dann erweitern.
Halte deinen Fortschritt sichtbar:
- Offen → In Arbeit → Sitzt
- „Sitzt“ = dreimal fehlerfrei abgerufen
Abends machst du immer das gleiche:
3–5 schwierige Karten kurz abrufen und den Lernzettel einmal überfliegen.
Wichtig: Bleib dabei pragmatisch, die Zettel brauchen keine Verzierungen und du musst sie nicht jeden Tag umschreiben. Konzentriere dich nur aufs Abrufen und Verbessern.
Tage 8–14: Abruftempo steigern
Jetzt geht es darum, dass die Antworten sofort kommen. Du arbeitest fast nur noch mit den Karten, die dir schwerfallen.
Ziel dieser Phase: Du kommst bei den meisten Karten direkt auf die Antwort und musst kaum noch nachdenken
Tag 8–13 – Fokus auf schwierige Karten
- Starte mit den schwierigsten Karten und gehe sie zügig durch:
- wenn dir die Antwort nicht direkt einfällt → als Fehler markieren
- Danach 1–2 kurze Durchgänge, bei denen du versuchst, schneller zu werden
- Direkt im Anschluss:
- Fehlerkarten überarbeiten (kürzen, klarer formulieren)
- diese Karten nochmal testen
- Neue Inhalte nur, wenn du meist sicher antwortest
→ Wenn du noch oft hängst: bleib bei den bestehenden Karten
Zwischentest (Tag 10 oder 11)
- Mische deine Karten und teste dich ohne Vorbereitung
- Achte darauf: Kommst du direkt auf die Antworten oder musst du überlegen?
- Alles, was nicht flüssig klappt, übst du danach gezielt
Tag 14 – Probe unter Klausurbedingungen
- Gehe alle wichtigen Inhalte einmal unter leichtem Zeitdruck durch
- Ziel: Antworten kommen direkt und vollständig
- Alles, bei dem du noch stockst, wiederholst du direkt im Anschluss
Frage kurz vor dem Schlafen 3–5 schwierige Karten aktiv ab, um sie zu festigen. Dein Gehirn ist ist nämlich auch nachts aktiv und überträgt das Wissen in dein Langzeitgedächtnis.
- Nur schwierige oder neue Karten
- Aus dem Kopf antworten, dann kurz prüfen
- Fehler für morgen merken
Überfliege zum Schluss die Hauptpunkte auf deinem Lernzettel einmal kurz.
Mnemotechniken anwenden
Wenn dir etwas trotz Wiederholen nicht hängen bleibt, nutze gezielte Merkhilfen — aber nur dort, wo du wirklich stockst. Besonders hilfreich sind:
- Die Loci-Methode
- Kettenbilder
- Merksätze
Diese Mnemotechniken werden sogar von Gedächtnissportlern eingesetzt und sind sehr wirksam.
Loci-Methode anwenden
Stell dir einen Ort vor, den du gut kennst, zum Beispiel dein Zuhause.
Lege eine feste Reihenfolge fest: z. B. Tür → Flur → Küche → Bad → Schlafzimmer.
Jetzt verbindest du jeden Punkt auf deiner Liste mit einem dieser Orte:
- Erster Punkt → an die Tür
- Zweiter Punkt → in den Flur
- …
Denk dir zu jedem Punkt ein auffälliges Bild an diesem Ort.
Wenn du die Liste abrufen willst, gehst du den Weg im Kopf ab und nennst dabei die Punkte der Reihe nach.
🧾 Die Loci-Methode eignet sich vor allem, wenn du feste Reihenfolgen und Abläufe lernen musst.
Kettenbilder nutzen
Bei dieser Mnemotechnik verbindest du immer zwei Punkte miteinander, wie eine Kette.
Beispiel:
Herz → Lunge → Blut → Zelle
Dann denkst du dir Bilder für:
- Herz + Lunge → Herz pustet Luft in eine Lunge
- Lunge + Blut → Lunge drückt Blut raus
- Blut + Zelle → Blut fließt in eine Zelle
Absurde Bilder kannst du dir oft besser merken. Beim Abrufen gehst du die Bilder dann der Reihe nach durch. Weil sich immer ein Begriff wiederholt, kommst du automatisch zum nächsten.
Tipp: Teste die Reihenfolge der Begriffe auch mal rückwärts. So festigt sie sich noch mehr.
🔗 Kettenbilder sind besonders passend, wenn du dir Listen und Inhalte merken musst, bei denen die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Punkten wichtig sind.
Merksätze formulieren
Wenn du dir einzelne Begriffe merken musst, kannst du dir auch einen Merksatz bauen.
Variante 1: Anfangsbuchstaben nutzen
Hier nimmst du den Anfangsbuchstaben von jedem Wort und baust damit einen Satz, der gerne auch etwas absurd sein darf.
Beispiel:
Anfang – Ablauf – Ziel
→ „Alle Affen zittern“
Variante 2: Inhaltlicher Satz
Du kannst aber auch alle Wörter in einem Satz zusammenfügen.
→ „Ein Prozess besteht aus Anfang, Ablauf und Ziel“
Hier merkst du dir direkt die Bedeutung, nicht nur die Buchstaben.
🧱 Merksätze sind besonders geeignet für Definitionen und Aufzählungen, bei denen du alle Punkte vollständig nennen musst.
Deshalb funktionieren die Methoden
Wenn du den Stoff in kleine Teile aufteilst, auf Karten schreibst und dich aktiv abfragst, sprichst du damit beim Lernen gleich mehrere Sinne an.
So bleiben die Inhalte besonders gut in deinem Kopf. Wenn du den Stoff nur liest, merkst du dir etwa 30 % davon. Kombinierst du aber Hören, Sehen, Sprechen und Fühlen, dann sind es sogar rund 92 %.
Lernplan erstellen
Jetzt weißt du, wie du beim Auswendig-Lernen richtig vorgehst! Noch mehr dazu, wie du richtig einen Lernplan erstellst, erfährst du hier!