Stockwerke des Waldes
Unsere heimischen Wälder bestehen aus mehreren Stockwerken, die zusammen ein einzigartiges Zuhause für viele Lebewesen bilden. Erfahre hier und im Video, was die einzelnen Schichten ausmacht und wer dort lebt.
Inhaltsübersicht
Was sind die Stockwerke des Waldes?
Wären alle Pflanzen im Wald gleich hoch, käme kaum Licht bis zum Boden — und nur wenige könnten dort wachsen. Damit jede Pflanze genug Sonne bekommt, wachsen sie unterschiedlich hoch.
Dadurch entstehen fünf Stockwerke, wie bei einem Haus. Von unten nach oben heißen sie: Wurzelschicht, Bodenschicht, Krautschicht, Strauchschicht und Baumschicht.
In jedem Stockwerk leben andere Pflanzen und Tiere:
- Keller — Wurzelschicht: Hier liegen die Wurzeln der Pflanzen tief in der Erde. Regenwürmer fühlen sich dort wohl.
- Erdgeschoss — Bodenschicht: Hier wachsen Moose, Pilze und kleine Blumen. Schnecken leben in dieser Schicht.
- 1. Stock — Krautschicht: Du findest hier Gräser, Farne und Kräuter. Darin verstecken sich Wildkaninchen.
- 2. Stock — Strauchschicht: Hier wachsen Sträucher und junge Bäume. Rehe sind hier zu Hause.
- Dachgeschoss — Baumschicht: Ganz oben ragen die großen Bäume mit ihren Kronen. Dort findest du zum Beispiel Eulen.
Die Wurzelschicht — Der Keller des Waldes
Die Wurzelschicht ist der „Keller“ des Waldes. Hier wachsen die Wurzeln der Bäume bis zu fünf Meter tief in den Boden. Sie geben Halt und sorgen dafür, dass die Bäume auch bei starkem Wind feststehen. Auch kleinere Pflanzen wie Blumen und Pilze haben ihre Wurzeln in dieser Schicht. Sie reichen aber nur ein paar Zentimeter unter die Erde.
Zwischen den Wurzeln leben viele Tiere. Regenwürmer und Maulwürfe graben sich durch das Erdreich. Füchse und Hasen bauen Höhlen, in denen sie sich verstecken oder schlafen. Wenn es kalt wird, ziehen sich auch Tiere aus höheren Schichten in den Boden zurück — zum Beispiel Kröten. Sie verbringen dort den Winter in einer Art Kältestarre.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Die Bodenschicht — Das Erdgeschoss des Waldes
Direkt über dem Waldboden beginnt die Bodenschicht. Sie ist nur etwa zehn Zentimeter hoch und besteht aus Pflanzen, die ganz flach wachsen — zum Beispiel Moose. Pilze findest du hier ebenfalls. Die Wurzeln der Pilze stecken in der Krautschicht. Aber den oberen Teil — den runden Pilzhut — siehst du in der Bodenschicht. Diese Pflanzen brauchen nicht viel Licht und fühlen sich auch im Schatten großer Bäume wohl.
Zwischen den Pflanzen raschelt es: Überall liegen Blätter und kleine Äste, die von den Bäumen gefallen sind. Dazwischen krabbeln Spinnen und Käfer durchs Laub. Sie knabbern an alten Pflanzenteilen und machen daraus neue, fruchtbare Erde — den Humus. Wenn du genau hinschaust, entdeckst du vielleicht sogar einen Igel, der sich gemütlich in einem Laubhaufen versteckt hat.
Die Krautschicht — Der erste Stock des Waldes
Die Krautschicht ist der erste Stock im Waldhaus. Hier wachsen Pflanzen, die höher sind als Moose und Flechten, aber noch kein Holz haben. Dazu gehören Gräser, Farne und Waldkräuter wie der Waldmeister. Manche von ihnen werden fast einen Meter hoch!
In der Krautschicht ist richtig was los: Schmetterlinge fliegen von Blüte zu Blüte und Rehe streifen auf der Suche nach Futter durch dieses Stockwerk. Wegen ihrer Vielfalt ist die Krautschicht besonders wichtig. Sie bietet Nahrung für viele Tiere und hilft dabei, das Leben im Wald im Gleichgewicht zu halten.
Wie viele Pflanzen in der Krautschicht wachsen, hängt davon ab, wie viel Licht durch die Baumkronen kommt.
- In einem Lichtwald mit Kiefern oder Lärchen scheint die Sonne bis zum Boden. Deshalb wachsen hier viele lichtliebende Pflanzen wie Himbeeren oder Scharbockskraut.
- Ein Schattenwald mit Buchen oder Ahorn ist dichter — es kommt kaum Licht durch. Hier wachsen vor allem Pflanzen wie Farne oder Moose, die mit wenig Sonne auskommen.
Schon gewusst? Einige Pflanzen haben einen Trick, um auch im Schattenwald genug Licht zu bekommen. Frühblüher wachsen im Frühling, wenn die Bäume noch keine Blätter haben und Sonnenlicht den Boden erreicht. Im Sommer, wenn es dunkler wird, ziehen sie sich in ihre Zwiebeln oder Wurzeln zurück — bis zum nächsten Frühling. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Schneeglöckchen — das kannst du manchmal schon sehen, wenn der Schnee noch liegt!
Die Strauchschicht — Der zweite Stock des Waldes
Über der Krautschicht wächst die Strauchschicht. Sie reicht etwa ein bis drei Meter in die Höhe — so hoch wie ein großer Busch oder ein kleiner Baum.
In der Strauchschicht wächst zum Beispiel der Haselnussstrauch. Mit seinen vielen Zweigen ist er ein gutes Versteck. Rehe oder Wildkaninchen schlüpfen hier ins dichte Gestrüpp, wenn sie sich ausruhen oder vor Feinden schützen wollen. Vögel wie Rotkehlchen bauen ihre Nester — gut geschützt zwischen Dornen oder Zweigen.
Gleichzeitig finden Tiere hier auch Nahrung: Im Sommer wachsen in der Strauchschicht viele Beeren wie Himbeeren. In den Blüten steckt süßer Nektar für Insekten. Auch Blätter und Samen sind für viele Waldbewohner eine wichtige Futterquelle.
Gut zu wissen: Am Waldrand ist die Strauchschicht besonders stark ausgeprägt, weil hier viel Licht auf den Boden fällt. Das lockt Tiere aus Wald und Wiese an: Igel, Feldhasen, Schmetterlinge und Vögel finden zwischen Blüten und Früchten ein echtes Naturparadies.
Die Baumschicht — Das Dachgeschoss des Waldes
Ganz oben im Wald beginnt die Baumschicht — das Dachgeschoss des Waldes. Hier reichen die Kronen der Bäume bis zu 40 Meter hoch in den Himmel und bilden ein dichtes Blätterdach. Es schützt die unteren Schichten vor starkem Regen, Wind und zu viel Sonne.
In dieser Schicht wachsen die größten Bäume. Dazu gehören Laubbäume wie Eichen, Buchen und Ahornbäume, aber auch Nadelbäume wie Fichten, Tannen und Kiefern. Zwischen ihren Ästen und Blättern leben Tiere, die fliegen oder gut klettern können. Eichhörnchen und Spechte fühlen sich hier genauso wohl wie Eulen oder Bussarde, die von oben den ganzen Wald überblicken.
Manche Tiere leben sogar im Inneren der Baumstämme. Spechte klopfen mit ihrem Schnabel Löcher ins Holz und bauen darin ihre Nester. In alten Baumhöhlen kuscheln sich auch Fledermäuse ein. Ganz oben in den Baumkronen flattern Vögel umher — ein richtiges Zuhause hoch über dem Waldboden!
Waldarten und ihre Besonderheiten
Nicht jeder Wald ist gleich. Es gibt verschiedene Waldarten — und die Stockwerke sehen überall etwas anders aus.
- In Laub- und Mischwäldern kannst du die Schichten besonders gut erkennen — von den hohen Baumkronen bis zum Moos am Boden.
- Im Nadelwald dagegen wachsen wegen des dichten Schattens weniger Pflanzen. Du kannst die Stockwerke deshalb nicht so leicht sehen.
- In einem Regenwald gibt es sogar noch mehr Schichten, weil dort viele Pflanzen in verschiedenen Höhen wachsen.
- Und in Auwäldern, die oft überschwemmt werden, verändern sich die Schichten je nach Wasserstand. So hat jede Waldart ihre eigene Struktur.
Ökosystem Wald
Jetzt kennst du die Stockwerke des Waldes und ihre Bewohner. Wenn du wissen willst, wie das alles zusammenwirkt und den Wald am Leben hält, findest du die Antwort hier.