Video

In diesem Beitrag erfährst du, was man unter Free Cash Flow versteht, wie man ihn indirekt und direkt berechnet und wie er in der Praxis angewendet wird.

Du willst das Thema schneller verstehen? Dann schau dir unser kostenloses Video zu Free Cash Flow an.

Inhaltsübersicht

Free Cash Flow Definition

Der „Free Cash Flow“ (kurz: FCF) beschreibt die liquiden Mittel, die einem Unternehmen z.B. für Ausschüttungen (Dividende) oder Tilgungen zur Verfügung stehen.

Der Free Cash Flow wird manchmal auch freier Cashflow oder freier Geldstrom genannt.

Free Cash Flow Berechnung

Der Free Cash Flow definiert sich aus der Differenz aus operativer Geschäftstätigkeit (Operating Cash Flow) und dem Cashflow aus Investitionstätigkeit (Netto-Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen bzw. Investitionskosten):

Operating Cashflow (Operative Geschäftstätigkeit) – Cashflow aus Investitionstätigkeit = Free Cash Flow 

Ein freier Cashflow kann also genutzt werden, um Fremdkapital zurückzuführen oder Aktien zurück zu kaufen und ist deshalb auch ein Indikator für die Rückzahlungsfähigkeit von Krediten. Oft wird diese Kennzahl deswegen als Berechnungsgrundlage der Finanzierungskapazität verwendet. Der Free Cash Flow kann quasi nicht manipuliert werden, da es sich bei der Berechnung um tatsächliche Geldmittel handelt, die nicht aus der Bilanz kommen.

Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich

Free Cash Flow Berechnung: Indirekte Ermittlung

Um den FCF zu berechnen, gibt es zwei Methoden: die direkte und die indirekte Methode.

Bei der indirekten Methode gehst du vom Jahresüberschuss aus und rechnest sozusagen „zurück“. Du addierst dazu zuerst alle nicht zahlungswirksamen Aufwendungen, wie z.B. Abschreibungen und Rückstellungen und subtrahierst alle nicht zahlungswirksamen Erträge (z.B. Zuschreibungen), um den operativen Cash Flow zu ermitteln.

Jahresüberschuss – nicht zahlungswirksame Erträge + nicht zahlungswirksame Aufwendungen = Operativer Cash Flow

Erst dann ziehst du den Cash Flow aus Investitionstätigkeit ab. Das Ergebnis ist dann der Free Cashflow.

Free Cash Flow Berechnung Free Cashflow
direkt ins Video springen
Free Cash Flow Berechnung

Nach Beantwortung speichern wir deine Antwort, um Studyflix zu verbessern. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

Free Cash Flow berechnen: Beispiel

Stell dir vor, dein Unternehmen hat einen Jahresüberschuss von 300.000€ erzielt. Du musst Abschreibungen in Höhe von 150.000€ berücksichtigen und die sonstigen Erträge betragen durch den Verkauf einer Maschine 100.000€. Außerdem hat dein Unternehmen eine neue Maschine für 200.000€ gekauft. Die Berechnung des Free Cashflow sieht nach der Tabelle oben also so aus:

Jahresüberschuss 300.000 €
+ Abschreibungen
– Sonstige Erträge
+ Zinsaufwendungen
150.000 €
100.000 €
1.000 €
OPERATIVER CASH FLOW 351.000 €
– Cashflow aus Investitionstätigkeit 200.000 €
FREE CASH FLOW 151.000 €

Freier Cashflow: Direkte Ermittlung

Bei der direkten Berechnung betrachtest du zuerst nur die zahlungswirksamen Vorgänge im Unternehmen, um den operativen Cash Flow zu berechnen. Du ziehst also von den Erträgen die Aufwendungen ab.

Zahlungswirksame Erträge – Zahlungswirksame Aufwendungen = Operativer Cash Flow

Dann subtrahierst du wie gewohnt den Cash Flow aus Investitionstätigkeit und erhältst als Ergebnis wieder den Free Cash Flow. Das Ganze sieht dann so aus:

Free Cashflow Berechnung Free cash Flow Berechnung Operativer Cashflow
direkt ins Video springen
Free Cashflow Berechnung

Die direkte Methode wird in der Praxis allerdings eher seltener verwendet, da sie für Außenstehende weniger gut nachzuvollziehen ist.

Anwendung des Free Cashflows (FCF) in der Praxis

Der Free Cash Flow wird als eine Art Erwartungswert gesehen, wie viel Kapital dem Unternehmen für die Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber, also für Ausschüttungen (Dividende) oder Tilgungen, am Ende des Geschäftsjahres zur Verfügung steht. Hierbei sind im Vergleich zum Operativen Cash Flow die Investitionskosten schon berücksichtigt.

Der Free Cash Flow wird dabei meist aufgrund vergangener Perioden abgeschätzt.

Auch spielt der FCF eine Rolle für die Berechnung des Werts von Finanzanlagen. Bei Aktien berechnet sich dieser Wert durch die ausschüttbaren Zinsen (Dividende) und den Verkaufswert der Anlagepapiere (Aktienkurs). Der Free Cash Flow ist hierbei die Berechnungsgrundlage für den Wert, zu dem die Anteile des Unternehmens in Zukunft verkauft werden könnten.

Diesen Unternehmenswert berechnest du mit dem sogenannten „Discounted Cash Flow (DCF)-Verfahren“. Die Formel dafür sieht so aus:

Unternehmenswert=\frac{\emptyset Free Cash Flow}{risikoad\"aquater Zinssatz}

Der risikoadäquate Zinssatz zeigt hierbei das Risiko, welches ein Investor beim Kauf der Aktien eines Unternehmens eingeht.

Negativer Cash Flow

Ein negativer Cash Flow liegt dann vor, wenn die Ausgaben eines Unternehmens die Einnahmen übersteigen. Man spricht auch von Cash-Drain oder Cash-Loss, umgangssprachlich auch Geldverbrennung genannt. Es wurde in dieser Periode kein Geld erwirtschaftet.

Da der Cash Flow auf die Liquidität eines Unternehmens hinweist, bedeutet ein negativer Cashflow einen Liquiditätsengpass. Häufig liegt dies an zu hohen Produktionskosten oder einem zu niedrigen Verkaufsvolumen. Das Geld steckt somit in den Vorräten.

Ein langfristig negativer Cash Flow kann zu Insolvenz führen, wenn das Unternehmen nicht vorher Maßnahmen ergreift, um dem entgegen zu wirken, zum Beispiel durch Umstrukturierungen oder Kündigungen.

Liegt ein negativer Free Cash Flow vor, bleibt einem Unternehmen kein Geld für Dividenden oder Kredittilgungen übrig. Oft muss bei einem negativen Free Cash Flow das Unternehmen zusätzlich Kredite aufnehmen.

Zusammenfassung: Free Cash Flow einfach erklärt

  • Der Free Cashflow beschreibt die liquiden Mittel, die einem Unternehmen z.B. für Dividende oder Tilgungen zur Verfügung stehen. Der FCF ist deshalb auch ein Indikator für die Rückzahlungsfähigkeit von Krediten.
  • Free Cash Flow Berechnung:

Operating Cashflow (Operative Geschäftstätigkeit) – Cashflow aus Investitionstätigkeit = Free Cash Flow

  • Um den Free Cashflow zu ermitteln, kannst du in indirekte Methode, ausgehend vom Jahresüberschuss, verwenden. Möglich ist auch die direkte Methode, welche zunächst die zahlungswirksamen Erträge und Aufwendungen berücksichtigt.

Free Cash Flow (FCF) — häufigste Fragen

(ausklappen)
  • Was ist der Unterschied zwischen operativem Cashflow und Free Cash Flow?
    Der operative Cashflow zeigt, wie viel Geld aus der laufenden Geschäftstätigkeit entsteht, bevor Investitionen berücksichtigt werden. Der Free Cash Flow ergibt sich, wenn man vom operativen Cashflow den Cashflow aus Investitionstätigkeit abzieht. Dadurch bleibt der Betrag, der zum Beispiel für Dividenden oder Tilgungen verfügbar ist.
  • Zählt der Kauf von Maschinen zum operativen Cashflow oder zum Cashflow aus Investitionstätigkeit?
    Der Kauf von Maschinen zählt zum Cashflow aus Investitionstätigkeit, weil dabei Geld für Sachanlagen ausgegeben wird. Der operative Cashflow umfasst dagegen die zahlungswirksamen Vorgänge aus dem laufenden Geschäft. Ein Maschinenkauf wird deshalb beim Free Cash Flow als Investitionsauszahlung abgezogen.
  • Warum rechnet man Abschreibungen und Rückstellungen im indirekten Verfahren zum Jahresüberschuss wieder dazu?
    Abschreibungen und Rückstellungen rechnet man im indirekten Verfahren wieder dazu, weil sie den Jahresüberschuss mindern, aber zunächst keine Auszahlung auslösen. Der Jahresüberschuss soll damit von erfolgswirksamen, nicht zahlungswirksamen Effekten bereinigt werden. So gelangt man vom Gewinn zu einem cash-basierten operativen Cashflow.
  • Wie nutzt man den Free Cash Flow im Discounted-Cash-Flow-Verfahren zur Unternehmensbewertung?
    Den Free Cash Flow nutzt man im Discounted-Cash-Flow-Verfahren, indem man aus ihm den Unternehmenswert als Barwert ableitet. Dafür wird ein erwarteter Free Cash Flow mit einem risikoadäquaten Zinssatz abgezinst, im einfachen Ansatz als Verhältnis von durchschnittlichem Free Cash Flow zum risikoadäquaten Zinssatz. Der Zinssatz bildet das Risiko für Investoren ab.

Kennzahlen verstehen

Der Free Cash Flow ist eine wichtige Kennzahl im Finanzbereich eines Unternehmens. Du vergleichst in diesem Themenfeld Kennzahlen aus Bilanz, GuV und Kapitalflussrechnung und ordnest sie richtig ein. So wird klar, wie Unternehmen ihre Liquidität steuern, Investitionen finanzieren und ihren wirtschaftlichen Spielraum einschätzen. Im Wirtschaftsbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.

Was ist dein nächster Schritt?
Nächstes Video anschauen
Cashflow
Cashflow
BWL Kennzahlen
Text zum aktuellen Video lesen
Lernen lohnt sich! Entdecke hier deine Chancen.