Philosophen
Philosophen haben über Jahrtausende hinweg Fragen gestellt, die unser Denken bis heute prägen. Hier bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Philosophen und deren Ideen!
Inhaltsübersicht
Was ist Philosophie?
In der Philosophie geht es darum, grundlegende Fragen zu stellen: Wie führe ich ein gutes Leben? Was kann der Mensch wissen? Was ist gerecht? Auf solche Fragen gibt es selten eine einzige „richtige“ Antwort. Darauf zielt die Philosophie auch überhaupt nicht ab. Es geht viel mehr darum, gründlich über solche Fragen nachzudenken. Die Philosophie lehrt dich also, wie du kritisch denkst und dich intensiv mit dir selbst auseinandersetzt.
Und auch wenn sich die Philosophie im Laufe der Jahrhunderte immer weiterentwickelt hat, lernst du noch heute etwas von den Philosophen aus der Vergangenheit. Deshalb stellen wir dir jetzt ein paar der einflussreichsten Denker der Vergangenheit vor.
Philosophen der Antike
In der Antike legten Philosophen das Fundament für viele Themen, die heute noch diskutiert werden: von Ethik über Politik bis zur Logik.
Protagoras (ca. 490 — 411 v. Chr.)
Protagoras war ein Vertreter des Relativismus. Das bedeutet, er glaubte, dass Wahrheit immer vom Standpunkt des Einzelnen abhängt. Einer seiner berühmtesten Sätze war: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“ Damit stellte er die Idee einer objektiven Wahrheit infrage.
Sokrates
(ca. 470 — 399 v. Chr.)
Unter seinen Mitbürgern war Sokrates war dafür bekannt, ständig Fragen, um Widersprüche in Argumenten aufzudecken. Diese Methode heißt „sokratischer Dialog“. Alles was wir von ihm wissen, kommt von seinen Schülern, vor allem Platon. Sein bekanntester Satz war: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“
Platon
(ca. 427 — 347 v. Chr.)
Als Schüler von Sokrates schrieb Platon viele philosophische Dialoge. In ihnen geht es oft um Gerechtigkeit oder den idealen Staat, wie in seinem Werk „Politeia“. Eine seiner wichtigsten Ideen war, dass es eine Art geistige Welt gibt, in der die „wahren“ Formen aller Dinge existieren.
Aristoteles
(384 — 322 v. Chr.)
Aristoteles war wiederum Platons Schüler. Er beobachtete die Welt und ordnete sie systematisch ein. Dabei behandelte er eine Vielzahl von Themen, die bis heute die Wissenschaft beeinflussen: Logik, Ethik, Biologie, Metaphysik, Theologie und vieles mehr.
Unser Beitrag konzentriert sich bewusst auf Philosophen aus Europa und der westlichen Welt. Der Grund dafür ist einfach: Diese Denker haben das westliche Denken, unsere Wissenschaften, unsere Politik und viele moralische Vorstellungen besonders stark geprägt.
Das bedeutet aber nicht, dass Philosophie nur in Europa entstanden ist. Auch außerhalb des Westens gibt es bedeutende philosophische Traditionen. So prägten in Indien Buddha, Nagarjuna oder Shankara das philosophische Denken. In China waren es Konfuzius, Laozi und Zhuangzi. Und in der islamischen Welt wirkten Avicenna, Averroes oder Al-Farabi.
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Philosophen im Mittelalter
Im Mittelalter standen Religion und Philosophie in enger Verbindung. Viele Philosophen waren gleichzeitig Theologen und versuchten, Glauben und Denken miteinander zu vereinen. Diese Verbindung heißt Scholastik.
Augustinus von Hippo (354 — 430)
Augustinus stellte sich Fragen wie: Woher kommt das Böse? Und warum lässt Gott es zu? Er meinte, dass das Böse nicht durch Gott, sondern durch den freien Willen des Menschen entstand. Seine Gedanken beeinflussten die christliche Philosophie über Jahrhunderte hinweg.
Dante Alighieri (1265 — 1321)
Dante war nicht nur Philosoph, sondern auch ein Dichter. In seinem Hauptwerk „Die Göttliche Komödie“ verbindet er religiöse Vorstellungen mit ethischen und politischen Ideen seiner Zeit. Dabei zeigt er, wie stark menschliches Handeln mit Moral und Glauben und verknüpft ist.
Thomas von Aquin (1225 — 1274)
Einer der bekanntesten Vertreter der Scholastik war Thomas von Aquin. Er versuchte zu zeigen, dass philosophisches Denken und christlicher Glaube zusammengehören. In seinem Hauptwerk „Summa Theologiae“ bringt er die Lehren von Aristoteles mit der christlichen Theologie in Einklang.
Wilhelm von Ockham (1288 — 1347)
In Ockhams Augen sollte jemand in der Philosophie nur das annehmen, was wirklich notwendig ist. Diese Methode ist heute als „Occham’s Razor“ (Ockhams Rasiermesser) bekannt. Er war außerdem davon überzeugt, dass Logik und Sprache zentrale Werkzeuge seien, um religiöse Fragen klarer zu durchdenken.
Philosophen der frühen Neuzeit
In der frühen Neuzeit veränderte sich das Denken grundlegend. Der Mensch begann, die Welt nicht mehr nur durch Religion zu erklären, sondern durch Vernunft und Erfahrung.
Niccolò Machiavelli (1469 — 1527)
Bekanntheit erlangte Machiavelli durch seine radikale Neuauslegung der Politik. In „Der Fürst“ beschreibt er, wie Macht entsteht und gesichert werden kann. Dabei trennte er bewusst Moral und Politik. Entscheidend war für ihn nicht, was gut gemeint ist, sondern was in der Realität funktioniert.
René Descartes (1596 — 1650)
Descartes gilt als Begründer des Rationalismus. Das ist die Auffassung, dass sich Wissen vor allem durch klares Denken und Logik gewinnen lässt. Um das zu beweisen, stellte er die Realität um sich herum oder seinen eigenen Körper radikal infrage. Daraus entstand sein berühmter Satz: „Ich denke, also bin ich“.
Baruch de Spinoza (1632 — 1677)
Der Philosoph Spinoza entwickelte ein geschlossenes philosophisches System, in dem Gott, Natur und Vernunft eng miteinander verbunden sind. Für ihn folgte alles festen Gesetzen, auch der Mensch. Seine Ethik beeinflusst bis heute Diskussionen über Moral und Selbstbestimmung.
John Locke (1632 — 1704)
Eine gegenteilige Position zu Descartes vertrat Locke. Er meinte Wissen entsteht durch Erfahrung. Der Mensch kommt als „leeres Blatt“ (tabula rasa) auf die Welt. Mit der Zeit eignen sich Menschen dann verschiedene Ideen an. Diese Sicht heißt Empirismus.
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 — 1716)
Leibniz war ein Universalgelehrter. Das bedeutet, dass er in sehr vielen wissenschaftlichen Gebieten forschte. So war er nicht nur Philosoph, sondern auch Mathematiker, Physiker, Jurist, Historiker und politischer Berater. In der Philosophie ist er unter anderem für seine Ideen der Metaphysik
bekannt.
Philosophen im 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert stand die Philosophie ganz im Zeichen der Aufklärung. Vernunft und Freiheit wurden zu den wichtigsten Werten. Entsprechend beschäftigten sich die Philosophen intensiv damit.
Voltaire (1694 — 1778)
Voltaire war ein scharfer Kritiker von Kirche oder der Ungerechtigkeit. Mit Witz und Ironie kämpfte er für Meinungsfreiheit und Toleranz. In seinen Schriften, insbesondere im Roman „Candide“, zeigt er die Absurdität religiöser Vorschriften. Dort argumentiert er zudem für eine aufgeklärte Gesellschaft.
Jean-Jacques Rousseau
(1712 — 1778)
Freiheit und Gleichheit waren für Rousseau besonders wichtig. Gleichzeitig sah er in der Zivilisation auch eine Gefahr für die moralische Entwicklung des Menschen. Sein berühmter Satz „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“ bringt sein Denken auf den Punkt.
Immanuel Kant
(1724 — 1804)
Bei Kant handelt es sich um einen der einflussreichsten Philosophen überhaupt. In der „Kritik der reinen Vernunft“ untersucht er, was der Mensch überhaupt wissen kann. Außerdem formulierte er mit dem kategorischen Imperativ
eine universelle Moralregel: Handle so, dass deine Handlung als allgemeines Gesetz gelten könnte. Seine Ideen und Werke prägen bis heute das Verständnis der Philosophie.
David Hume (1711 — 1776)
Hume war ein radikaler Empirist. Er zweifelte also daran, dass wir mit Sicherheit etwas über die Welt wissen können. Die Ausnahme dafür bilden unsere direkten Erfahrungen. Besonders kritisch sah er auch die Idee von Ursache und Wirkung. Damit legte er den Grundstein für Erkenntnistheorie.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 — 1831)
Der Philosoph Hegel entwickelte eine komplexe Geschichtsphilosophie, in der sich die Welt durch Widersprüche und deren Auflösung weiterentwickelt. Diesen Prozess nannte er Dialektik.
Dabei entsteht aus einer These eine Gegenthese, und aus ihrem Konflikt eine neue Synthese.
Philosophen im 19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert weitete den Blick der Philosophie. Viele Denker setzten sich kritisch mit der Aufklärung auseinander und fragten, was es bedeutet, Mensch in dieser sich schnell ändernden Welt zu sein.
Karl Marx
(1818 — 1883)
Inspirirert durch Hegel, analysiert Marx die Gesellschaft aus einem wirtschaftlichen Blickwinkel. Beispielsweise untersucht er in „Das Kapital“ wie Arbeit, Klassenverhältnisse und Ausbeutung zusammenhängen. Sein Ziel war es eine gerechte Gesellschaft ohne Unterdrückung zu erreichen.
Arthur Schopenhauer (1788 — 1860)
Für Schopenhauer ist der Wille die treibende Kraft hinter allem. Dabei handelt es sich um eine Art Antrieb, der nie zur Ruhe kommt und das Leben bestimmt. In „Die Welt als Wille und Vorstellung“ beschreibt er, wie unsere Wahrnehmung die Welt formt und warum daraus oft Unzufriedenheit entsteht.
Søren Kierkegaard (1813 — 1855)
Kierkegaard gilt als Vorläufer des Existentialismus.
Dort geht es darum, wie der Mensch mit seiner Freiheit und der damit einhergehenden Verantwortung umgeht. Seine Werke handeln vom Menschsein oder wie der Mensch wirklich authentisch lebt, aber auch von kritischen religiösen Fragen.
John Stuart Mill (1806 — 1873)
Der Begründer des Utilitarismus
war Mill. Das ist die Idee, dass alles moralisch richtig ist, was möglichst viel Glück für möglichst viele Menschen bringt. In „On Liberty“ betont er, wie wichtig es ist, dass Menschen ihre Meinung frei äußern können, auch gegen den Mehrheitswillen.
Friedrich Nietzsche (1844 — 1900)
Nietzsche stellte viele Werte der westlichen Welt radikal infrage, besonders Moral, Religion und Wahrheit. Er forderte, dass der Mensch sich von alten Denkmustern befreit und eigene Werte schafft. Mit Konzepten wie dem Übermenschen oder dem Willen zur Macht prägte er den Existentialismus maßgeblich. Sein wohl berühmtester Satz ist: „Gott ist tot.“
Philosophen im 20. Jahrhundert
Die Philosophie des 20. Jahrhundert ist geprägt von vielen Umbrüchen. Sie wird vielfältiger und interdisziplinärer. Dadurch entstehen viele neue Strömungen, wie Existentialismus, Sprachphilosophie, Poststrukturalismus und Kritische Theorie.
Ludwig Wittgenstein (1889 — 1951)
Wittgenstein stellte die Sprache ins Zentrum der Philosophie. In seinem Werk „Tractatus Logico-Philosophicus“ vertritt er die Idee, dass Sprache die Grenzen unseres Denkens bestimmt. Später ändert er seine Sicht. Sprache sei kein starres Abbild der Welt, sondern ein Werkzeug zum Handeln im Alltag.
Martin Heidegger (1889 — 1976)
Die Frage nach dem „Sein“ beschäftigte Heidegger intensiv. In „Sein und Zeit“ beschreibt er, dass der Mensch — das „Dasein“ — immer schon in der Welt ist und diese auf eine bestimmte Weise versteht. Seine Philosophie ist komplex, aber relevant für viele Debatten über Zeit, Tod, Technik und Existenz.
Jean-Paul Sartre
(1905 — 1980)
Der Existentialismus wurde erst durch Sartre richtig populär. In seinem Werk „Das Sein und das Nichts“ zeigt er, wie schwierig, aber auch notwendig es ist, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Für ihn ist der Mensch zur Freiheit „verurteilt“ und muss selbst entscheiden, wer er ist, ohne sich hinter Regeln zu verstecken.
Hannah Arendt (1906 — 1975)
Aufgrund eigener Erfahrungen setzte sich Arendt viel mit Politik auseinander. Entsprechend war es ihr besonders wichtig, wie Menschen politisch handeln. In ihrem bekanntesten Werk „Vita activa“ beschreibt sie zudem die drei grundlegenden Tätigkeiten des Menschen: Arbeiten, Herstellen und Handeln.
Michel Foucault (1926 — 1984)
Foucault erforschte, wie Wissen und Macht in der Gesellschaft miteinander verwoben sind. In „Überwachen und Strafen“ analysiert er die Entwicklung des modernen Strafsystems. Dort macht er deutlich, wie sich Kontrolle zunehmend in neutralen Institutionen wie Schulen oder Gefängnisse verlagert.
Philosophen in den Epochen
Hier zeigen wir dir nochmal einige der wichtigsten Philosophen über die Epochen hinweg. Einige davon haben wir schon in diesem Beitrag behandelt, es gibt aber noch viele weitere Philosophen mit interessanten Ideen.
| Zeitalter | Wichtige Philosophen |
| Antike | Sokrates, Platon, Aristoteles, Demokrit, Epikur, Seneca, Marcus Aurelius, Protagoras, Pythagoras, Diogenes, Pyrrhon, Plotin |
| Mittelalter | Augustinus von Hippo, Thomas von Aquin, Wilhelm von Ockham, Anselm von Canterbury, Dante Alighieri, Boethius, Meister Eckhart |
| Frühe Neuzeit | Niccolò Machiavell, Erasmus von Rotterdam, Michel de Montaigne, René Descartes, Baruch de Spinoza, John Locke, Gottfried Wilhelm Leibniz, Francis Bacon, Blaise Pascal |
| 18. Jahrhundert | David Hume, Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant, Voltaire, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, George Berkeley, Johann Gottlieb Fichte |
| 19. Jahrhundert | Arthur Schopenhauer, Karl Marx, Friedrich Nietzsche, John Stuart Mill, Søren Kierkegaard, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Charles Sanders Peirce, Max Stirner, Friedrich Engels |
| 20. Jahrhundert | Ludwig Wittgenstein, Martin Heidegger, Jean-Paul Sartre, Albert Camus, Simone de Beauvoir, Theodor W. Adorno, Michel Foucault, Hannah Arendt, Bertrand Russell, Karl Popper |
Griechische Philosophen
Viele der bekanntesten Philosophen stammen aus der Antike und vor allem aus Griechenland. Wer genau sie waren und warum sie die Philosophie prägten, erfährst hier.
Bildquellen:
- Eric Gaba (Sting), Socrates, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons
- Terki hassaine samir, Platon, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Landesarchiv Baden-Württemberg / Willy Pragher, Martin Heidegger (10. Mai 1960), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
- Unknown author, Jean Paul Sartre (12. Juli 1965), CC BY-SA 3.0 Netherlands, via Wikimedia Commons
- Münchner Stadtmuseum / Barbara Niggl Radloff, Hannah Arendt auf dem 1. Kulturkritikerkongress (1958), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons