Würdest du einen Menschen opfern, um fünf zu retten? Das Trolley-Problem beschäftigt sich mit genau dieser moralischen Zwickmühle. Hier und im Video erfährst du, welche Lösungsansätze es dafür gibt.
Inhaltsübersicht
Trolley Problem einfach erklärt
Das Trolley Problem (dt. Straßenbahn Problem) ist ein moralisch-philosophisches Gedankenexperiment. Stell dir vor, du befindest dich an der Weiche einer Straßenbahn, die ungebremst auf fünf Menschen zurast, die auf dem Gleis arbeiten. Du hast die Möglichkeit, einen Hebel umzulegen, durch den die Straßenbahn auf ein Nebengleis umgeleitet wird. Das Problem ist, dass darauf ein Mensch arbeitet.
Würdest du eingreifen und den Weichenhebel umlegen, um fünf Menschen zu retten, auch wenn dies bedeutet, dass eine andere Person dadurch ums Leben kommt?
Übrigens: Das Trolley-Problem wurde 1967 von der britischen Philosophin Philippa Foot formuliert. Sie wollte damit ihre These belegen, dass es moralisch bedeutsamer ist, Schaden nicht zuzufügen, als aktiv Gutes zu tun.
Varianten des Trolley Problems
Das Trolley Problem gibt es in drei Varianten:
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Das Switch-Szenario: Hier fährt eine ungebremste Straßenbahn auf fünf Menschen zu, die auf den Gleisen arbeiten. Der Weichensteller hat die Möglichkeit, die Straßenbahn auf ein Nebengleis umzuleiten, wo nur ein Mensch arbeitet. Sollte er den einen Menschen opfern, um die fünf zu retten?
➡️ Das Szenario ist eher passiv, da die Person beim Umlegen der Weiche nicht bewusst getötet wird. Stattdessen wird der Tod schlichtweg in Kauf genommen. Natürlich wäre es besser, wenn die Person nicht auf dem Gleis wäre. -
Das Loop-Szenario: Anders sieht es beim zweiten Szenario aus. Das Nebengleis macht hier eine Schleife zum Hauptgleis zurück, auf dem die fünf Menschen arbeiten. Durch das Umstellen der Weiche wird die Straßenbahn ebenfalls auf das Nebengleis umgeleitet. Der Tod des dort arbeitenden Menschen verhindert jedoch, dass die Straßenbahn zurück auf das Hauptgleis rollt.
➡️ Bei dem Szenario wird nicht nur der Tod des Einzelnen in Kauf genommen, sondern er ist sogar notwendig, um die anderen zu retten. Wenn die Person auf dem Nebengleis nicht da wäre, könnten die fünf anderen nicht gerettet werden! -
Das Footbridge-Szenario: Im dritten Szenario gibt es keine Weiche. Stattdessen kann ein großer Mann von einer Fußgängerbrücke vor die Straßenbahn gestoßen werden. Sein Körper würde die Straßenbahn stoppen und somit fünf Menschen auf den Gleisen retten.
➡️ Wie im zweiten Szenario ist auch hier der Tod des einzelnen Menschen notwendig, um die anderen zu retten. Der Unterschied liegt jedoch in der Direktheit der Tötung.
Übrigens: Philippa Foot wollte mit ihrem Gedankenexperiment zum Nachdenken anregen. Denn wer erst im dritten Szenario passiv bleibt, kann sich jetzt hinterfragen: Was ist der effektive Unterschied zwischen den Versionen? In allen Szenarien passiert bei einer Handlung das gleiche: Einer stirbt, damit fünf leben! Kann die Tötung dann in irgendeinem Fall gerechtfertigt sein?
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Lösungen des Dilemmas
Für das Dilemma gibt es keine objektiv richtige Lösung. Es lässt sich jedoch beobachten, dass die Bereitschaft im ersten Switch-Szenario recht hoch ist, den Tod eines Menschen für das Gemeinwohl in Kauf zu nehmen. Die Bereitschaft sinkt mit dem zweiten und dem dritten Szenario stark, sobald es um eine aktive Tötung für das Wohl der Mehrheit geht.
Eine Studie hat sich mit der Frage beschäftigt, ob die Bereitschaft von Land zu Land unterschiedlich ist. In westlichen Ländern, wie etwa Deutschland, sind mehr Menschen bereit, den Weichenhebel für das Allgemeinwohl umzulegen. In ostasiatischen Ländern, wie China, ist sie jedoch deutlich geringer. Im dritten Szenario wird der Unterschied noch deutlicher. In Deutschland stimmt die Hälfte der Befragten zu, in China hingegen nur ein Drittel.
Es scheint einen Zusammenhang zwischen zwei Aspekten zu geben:
- Bereitschaft, jemanden zu opfern
- Schwierigkeit beim Knüpfen neuer Beziehungen
Wenn es schwer ist neue Kontakte zu knüpfen, sinkt die Bereitschaft, Menschen zu opfern. Personen in solchen Kulturen zögern wahrscheinlich eher, kontroverse Entscheidungen zu treffen. Denn so verlieren sie keine bestehenden Beziehungen.
Übrigens: Auch Empathie kann ein Faktor sein. Denn wenn sich Menschen zuvor in die Person auf dem Nebengleis hineinversetzt hatten, war die Bereitschaft sie zu opfern geringer. Empathische Menschen hatte auch mehr Stress bei der Entscheidung.
Das Trolley Problem in der Praxis
In der heutigen Zeit ist das Trolley-Problem durch die Debatte um autonome Fahrzeuge besonders relevant. Es stellt sich die Frage, wie sich selbstfahrende Fahrzeuge bei einer unvermeidbaren Unfallsituation verhalten sollen.
Stell dir vor, ein selbstfahrendes Auto muss in einer Notfallsituation zwischen zwei Übeln wählen: Soll es einen Unfall riskieren, bei dem Insassen des Fahrzeugs verletzt werden könnten, oder soll es ausweichen und möglicherweise Fußgänger gefährden? Soll das Fahrzeug auch einen Unterschied zwischen einem Kind und einer alten Person machen?
Diese Entscheidungen müssen im Vorfeld in die Programmierung der Fahrzeuge eingebettet werden. Hier kommt die ethische Frage ins Spiel: Wie programmiert man ein Auto, um moralisch „richtige“ Entscheidungen zu treffen?
Auf diese Frage gibt es — so wie beim Trolley-Problem — keine eindeutigen Antworten.
Utilitarismus
Beim Trolley Dilemma wird oft mithilfe des Utilitarismus argumentiert. Was das genau ist, erfährst du in unserem Beitrag dazu.
Trolley Problem — häufigste Fragen
(ausklappen)
Trolley Problem — häufigste Fragen
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Was ist das Trolley-Problem?Das Trolley-Problem ist ein moralisch-philosophisches Gedankenexperiment, in dem eine ungebremste Straßenbahn auf fünf Menschen zurast. Man kann eine Weiche umstellen, wodurch die Bahn stattdessen einen einzelnen Menschen auf einem Nebengleis trifft. Die Zwickmühle besteht darin, dass jede Entscheidung einen Tod zur Folge hat.
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Warum heißt es Trolley-Problem?„Trolley“ bedeutet im Englischen eine Straßenbahn beziehungsweise ein Straßenbahnwagen. Das Gedankenexperiment heißt so, weil die Ausgangssituation eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn ist, die nur durch Eingreifen auf ein anderes Gleis gelenkt werden kann. Deshalb heißt es auf Deutsch auch „Straßenbahn-Problem“.
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Warum ist das Trolley-Problem umstritten?Das Trolley-Problem ist umstritten, weil es einen Konflikt zwischen zwei moralischen Intuitionen zuspitzt: möglichst viele retten oder niemanden aktiv töten. Je nach Variante wirkt die Handlung eher wie ein passives Inkaufnehmen oder wie eine direkte Tötung. Außerdem kann der Tod des Einzelnen manchmal nur „mit passieren“ oder sogar notwendig sein, damit die anderen leben.
Moral verstehen
Das Trolley-Problem ist ein bekanntes Gedankenexperiment aus der Moral und gehört zu den Grundfragen der Ethik. Wer sich mit Moral beschäftigt, ordnet Handlungen, Folgen und Pflichten in verschiedenen Situationen ein. So wird klar, warum Menschen dieselbe Lage moralisch ganz unterschiedlich bewerten. Im Allgemeinwissensbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.