Niederstwertprinzip
Das Niederstwertprinzip regelt, mit welchem Wert Vermögensgegenstände in der Bilanz angesetzt werden dürfen. Wie es angewendet wird und wie du es sicher in der Praxis umsetzt, erfährst du hier und im Video.
Inhaltsübersicht
Was ist das Niederstwertprinzip?
Das Niederstwertprinzip ist ein Bewertungsgrundsatz in der Bilanzierung. Es besagt, dass Vermögensgegenstände in der Bilanz mit dem niedrigeren Wert angesetzt werden, wenn es mehrere Bewertungsmöglichkeiten gibt.
Das Niederstwertprinzip betrifft alle Vermögenswerte auf der Aktivseite der Bilanz — z. B. Rohstoffe, Waren oder Maschinen. Es gehört zu den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) und ist im Handelsgesetzbuch § 253 verankert
➡️ Beispiel
Stell dir vor, dein Unternehmen hat Waren eingekauft, die ursprünglich 10.000 € gekostet haben. Zum Bilanzstichtag liegt der Marktpreis aber nur noch bei 7.500 €. Dann musst du in der Bilanz den niedrigeren Wert ansetzen — also 7.500 €.
Ziel des Niederstwertprinzips ist es, die finanzielle Situation eines Unternehmens im Jahresabschluss möglichst realistisch darzustellen. Dadurch entsteht eine verlässliche Grundlage für wichtige Entscheidungen, zum Beispiel bei der Kreditvergabe oder bei Investitionen.
Wie funktioniert das Niederstwertprinzip?
Für die Bewertung eines Vermögensgegenstands kommen grundsätzlich drei Werte infrage:
- die Anschaffungs- oder Herstellungskosten
- der aktuelle Marktwert
- der Wert am Bilanzstichtag
Diese Werte können sich im Laufe des Geschäftsjahres unterschiedlich entwickeln.
➡️ Beispiel
Dein Unternehmen kauft im Mai Tablets für den Weiterverkauf zu einem Stückpreis von 600 €. Am Bilanzstichtag im Dezember liegt der Marktpreis nur noch bei 460 €. In der Bilanz musst du die Tablets daher mit 460 € ansetzen, auch wenn sie noch nicht verkauft wurden.
In der Bilanz darfst du aber nicht frei zwischen diesen Werten wählen. Das Niederstwertprinzip schreibt vor, dass immer der niedrigste dieser Werte angesetzt wird.
- Vermögenswerte und Schulden werden mit realistischen Werten angesetzt.
- Die finanzielle Lage eines Unternehmens wird für Außenstehende klarer sichtbar.
- Die Zahlen im Jahresabschluss sind verlässlicher.
- Die langfristige Leistungsfähigkeit lässt sich besser einschätzen.
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Unterschiede zwischen gemildertem und strengem Niederstwertprinzip
Beim Niederstwertprinzip gibt es zwei unterschiedliche Arten der Bewertung: das strenge und das gemilderte Prinzip. Welche Variante anzuwenden ist, hängt davon ab, zu welcher Vermögensart der Gegenstand gehört.
Das strenge Niederstwertprinzip gilt für das Umlaufvermögen. Dazu zählen zum Beispiel Rohstoffe und Handelswaren, die nur kurzfristig im Unternehmen verbleiben. Nach § 253 Abs. 4 HGB musst du hier immer den niedrigeren Wert ansetzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Wertverlust nur vorübergehend ist. Ein Bewertungsspielraum besteht nicht.
Das gemilderte Niederstwertprinzip betrifft das Anlagevermögen. Dazu gehören etwa Maschinen und Betriebsgebäude, die dem Unternehmen langfristig dienen. Nach § 253 Abs. 3 HGB darfst du den Buchwert nur dann senken, wenn die Wertminderung voraussichtlich dauerhaft ist. Ob diese Voraussetzung erfüllt ist, musst du selbst beurteilen. Genau hier entsteht der Ermessensspielraum.
➡️ Beispiel
Ein Unternehmen besitzt Produktionsmaschinen (Anlagevermögen) mit einem Buchwert von 20.000 €. Der Marktwert sinkt kurzfristig auf 17.000 €, weil neue Technik angekündigt wurde. Solange nicht klar ist, dass der Wert dauerhaft fällt, bleibt der Ansatz bei 20.000 €. Anders bei Handelswaren (Umlaufvermögen), die für 10.000 € eingekauft wurden und am Bilanzstichtag nur noch 7.800 € wert sind. In diesem Fall musst du den niedrigeren Wert ansetzen.
Wann gilt das Niederstwertprinzip und wann das Höchstwertprinzip?
Das Niederstwertprinzip und das Höchstwertprinzip greifen an unterschiedlichen Stellen der Bilanz. Entscheidend ist, ob du einen Vermögenswert oder eine Schuld bewerten musst.
- Das Niederstwertprinzip wird auf der Aktivseite angewendet — also bei Vermögensgegenständen wie Rohstoffen oder Waren. Dabei musst du den niedrigsten Wert ansetzen, wenn sich mehrere Bewertungsmöglichkeiten ergeben.
- Das Höchstwertprinzip betrifft dagegen die Passivseite, also Schulden und Rückstellungen. Hier gilt: Wenn du mehrere mögliche Wertansätze hast, musst du den höchsten wählen. So wird sichergestellt, dass mögliche Belastungen nicht zu niedrig ausgewiesen werden.
Bilanzkennzahlen
Das Niederstwertprinzip beeinflusst, wie Werte in der Bilanz angesetzt werden. Welche Bilanzkennzahlen du kennen solltest und wie du sie richtig interpretierst, zeigen wir dir hier.