Wie nehmen Menschen mit einer Wahrnehmungsstörung eigentlich ihre Umwelt wahr? Hier und in unserem Video erfährst du, welche verschiedenen Arten und Ebenen von Wahrnehmungsstörungen du unterscheiden kannst!
Inhaltsübersicht
Wahrnehmungsstörung einfach erklärt
Menschen mit Wahrnehmungsstörungen leiden unter einer fehlerhaften Verarbeitung von Sinneseindrücken. Das heißt, sie sehen, hören, fühlen, schmecken, oder riechen anders als andere Menschen.
Die Kombination all dieser Sinneseindrücke formt unsere Realität. Dabei verarbeiten wir äußere Reize durch den Filter unserer Wahrnehmung. Die Realität sieht also für jeden Menschen ein bisschen anders aus!
In manchen Dingen sind die meisten Menschen sich jedoch einig. Bäume sind grün (sehen), Katzenfell ist weich (tasten), Feuerwerk ist laut (hören).
Doch es gibt tatsächlich Menschen, die auch diese Dinge anders wahrnehmen. Hier liegen häufig Wahrnehmungsstörungen vor.
Wie entstehen Wahrnehmungsstörungen?
Die menschliche Wahrnehmung ist von vielen Faktoren abhängig. Die Beschaffenheit der Sinnesorgane, die aktuelle Aufmerksamkeit, vergangene Erfahrungen sowie aktuelle Emotionen und Bedürfnisse färben unsere Realität.
Wenn das Bild der Realität dauerhaft von dem anderer Menschen abweicht, sprichst du von einer Wahrnehmungsstörung.
Die Ursachen für Wahrnehmungsstörungen sind dabei vielfältig. Es kann sich um angeborene Defekte handeln, die eine Verarbeitung der Reize verhindern. Es gibt zum Beispiel Menschen mit normal ausgebildeten Augen, die trotzdem nicht sehen können. Das kann zum Beispiel durch organische Ursachen, Geburtsschwierigkeiten oder Drogenmissbrauch in der Schwangerschaft auftreten.
Es kann sich aber auch um erworbene Defekte handeln. Eine Wahrnehmungsstörung kann zum Beispiel durch mangelnde soziale Förderung im Kleinkindalter entstehen. Die richtige Verarbeitung und Zuordnung der Reize wird nicht gelernt. Betroffene Kinder lernen zum Beispiel spät sprechen, weil sie Wörter schlecht unterscheiden können.
Aber auch im Erwachsenenalter entstehen Wahrnehmungsstörungen. Substanzen wie Alkohol können dabei der Auslöser sein. Wahrnehmungsstörungen treten aber auch im Zusammenhang mit Störungsbildern wie Depression, Alzheimer oder als Folge von Schlaganfällen auf.
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Welche Wahrnehmungsstörungen gibt es?
Die menschliche Wahrnehmung umfasst fünf verschiedene Sinnesmodalitäten: sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken. Die verschiedenen Sinnesorgane liefern dabei unterschiedlich viele Informationen über unsere Umwelt.
Wahrnehmungsstörungen können in allen Sinnesbereichen auftreten. Die häufigsten sind:
- Visuelle Wahrnehmungsstörung (Sehen)
- Visuo-konstruktive Wahrnehmungsstörung (räumliche Wahrnehmung)
- Auditive Wahrnehmungsstörung (Hören)
- Taktile Wahrnehmungsstörung (Fühlen)
Visuelle Wahrnehmungsstörung
Bei einer visuellen Wahrnehmungsstörung funktionieren die Augen meist normal. Die Verarbeitung visueller Reize ist jedoch gestört.
Wahrnehmungsstörung Symptome:
- Schlechte Auge-Hand Koordination und feinmotorische Fähigkeiten
- Lesen und Schreiben fällt schwer (Buchstaben sind seitenverkehrt oder Schrift außerhalb der Linien)
- Bereits im Kindesalter oft kein Interesse an Tätigkeiten wie dem Malen, Schneiden oder Basteln
Visuo-konstruktive Wahrnehmungsstörung
Visuo-konstruktive Wahrnehmungsstörungen erschweren das räumliche Denken und Erfassen von Gegenständen im Raum.
Wahrnehmungsstörung Symptome:
- Sehr schlechte Orientierung; auch tägliche Wege müssen oft geübt werden
- Selbst einfache Objekte können nur schwer nachgezeichnet werden
- Im Kindesalter Vermeiden von Spielen wie Puzzle, Lego oder Bausteinen
Auditive Wahrnehmungsstörung
Auditive Wahrnehmungsstörungen erschweren die korrekte Einordnung von Geräuschen. Oftmals können Betroffene Laute nicht unterscheiden oder leiden unter Lärmempfindlichkeit.
Wahrnehmungsstörung Symptome:
- Schwierigkeiten beim Erlernen von Sprache
- Auffälligkeiten in der Rechtschreibung (Schreiben, wie man hört)
Taktile Wahrnehmungsstörung
Eine taktile Wahrnehmungsstörung kann Berührungen, das Fühlen und die Körperwahrnehmung betreffen.
Körperliche/ taktile Wahrnehmungsstörung Symptome (berühren und fühlen):
- Fehlendes Hitze- oder Kälteempfinden
- Mangelndes Schmerzempfinden und zum Beispiel häufige Stürze
- Laufende Nasen oder tränende Augen werden nicht bemerkt
- Berührungen können schlecht ausgehalten werden
- Bestimmte Kleidung oder Kleidungsstoffe können nicht am Körper getragen werden
Kinästhetische/propriozeptive Wahrnehmungsstörung Symptome (Körperwahrnehmung):
- Motorische Schwierigkeiten
- Schlechtes Einschätzen von Distanzen
- Fehleinschätzung der eigenen Kraft
- Schlechtes Einschätzen des eigenen Körpers im Kontakt mit anderen Menschen
Ebenen der Wahrnehmungsstörung
Die verschiedenen Sinne stehen jedoch nicht für sich allein. Erst durch das Verknüpfen der einzelnen Bereiche entsteht unsere subjektive Realität. Auch dabei können Störungen auftreten.
Wahrnehmungsstörungen können 3 verschiedene Ebenen betreffen:
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Modalitätsspezifische Wahrnehmungsstörungen:
Die Aufnahme einzelner Reize ist gestört. Betroffene sind meist überempfindlich oder unterempfindlich im Wahrnehmen einzelner Reize.
Beispiel: Menschen mit Prosopagnosie sind nicht in der Lage, Gesichter als solche zu erkennen. Betroffene müssen sich daher an Merkmalen wie Kleidung oder Stimme orientieren, um Menschen korrekt wiederzuerkennen.
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IntermodaleWahrnehmungsstörung:
Die Verknüpfung verschiedener Reize gelingt nicht. Die verschiedenen Sinnesmodalitäten können also nicht zu einem Gesamtbild verknüpft werden.
Beispiel: Betroffene können einen lauten Knall hören und einen Unfall sehen, den Knall aber nicht dem Zusammenkrachen der Autos zuordnen.
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Seriale Wahrnehmungsstörung:
Die Einordnung verschiedener Reize ist gestört. Betroffene können die wahrgenommenen Reize nicht in eine räumliche oder zeitliche Reihenfolge bringen. Sie haben Schwierigkeiten, Reize im Gedächtnis zu behalten und korrekt zu reagieren.
Beispiel: Menschen mit serialer Wahrnehmungsstörung können sich nicht an Wege erinnern, obwohl sie diese jeden Tag gehen.
Behandlung von Wahrnehmungsstörungen
Bei manchen Wahrnehmungsstörungen können körperliche Ursachen vorliegen. In diesem Fall wird die Ursache behandelt. Das kann zum Beispiel eine Operation der Augen oder Ohren bedeuten.
In den meisten Fällen können Wahrnehmungsstörungen jedoch nicht geheilt werden. Die Auffälligkeiten können nur mit gezieltem Training behandelt werden. Da das besonders im Kindesalter effizient ist, sollte die Therapie möglichst früh erfolgen.
Die Diagnose einer Wahrnehmungsstörung stellen Ärzte und Psychologen. In der Therapie können anschließend Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Psychologen hilfreich sein.
Motorische Übungen, Sprechübungen oder Trainings zum räumlichen Denken können so zum Beispiel helfen, Defizite zu verringern.
Bei Kindern sollte außerdem proaktiv vorgegangen werden. Neben der Therapie können die Kinder auch daheim spielerisch üben.
Wahrnehmungsstörung — häufigste Fragen
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Wahrnehmungsstörung — häufigste Fragen
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Wie äußert sich eine Wahrnehmungsstörung?Eine Wahrnehmungsstörung äußert sich dadurch, dass Sinneseindrücke im Gehirn ungewöhnlich verarbeitet werden, obwohl Augen oder Ohren dabei oft normal funktionieren. Betroffene verwechseln zum Beispiel beim Lesen Buchstaben, haben Probleme mit räumlicher Orientierung, unterscheiden ähnliche Laute schlecht oder reagieren extrem empfindlich auf Berührungen.
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Wie äußern sich Wahrnehmungsstörungen bei Kindern?Wahrnehmungsstörungen bei Kindern zeigen sich oft in Schule und Alltag durch typische Auffälligkeiten beim Lernen und bei Bewegungen. Kinder sprechen zum Beispiel spät, haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, vermeiden Puzzle oder Basteln oder wirken sehr ungeschickt. Manche reagieren außerdem stark auf Lärm oder bestimmte Kleidung.
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Wird eine Wahrnehmungsstörung als psychische Störung eingeordnet?Eine Wahrnehmungsstörung wird nicht automatisch als psychische Störung eingeordnet, weil sie vor allem eine Störung der Verarbeitung von Sinnesreizen beschreibt. Ursachen können angeboren oder erworben sein, zum Beispiel durch Entwicklungsprobleme oder Hirnschädigungen. Wahrnehmungsstörungen können aber auch zusammen mit Erkrankungen wie Depression auftreten.
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Wie testet man eine Wahrnehmungsstörung?Eine Wahrnehmungsstörung wird getestet, indem sie ärztlich oder psychologisch abgeklärt wird. Zuerst wird geprüft, ob Sinnesorgane wie Auge oder Ohr körperlich in Ordnung sind. Danach folgen Aufgaben und Beobachtungen zur Verarbeitung von Reizen, zum Beispiel zu Hören, Sehen, Motorik oder räumlicher Orientierung.
Synästhesie
Eine besonders interessante Wahrnehmungsstörung ist die Synästhesie. Dabei können Betroffene zum Beispiel Farben riechen! Was es damit auf sich hat, erfährst du hier .