Passiv Latein
Wie du das Passiv in Latein in den verschiedenen Zeitformen richtig bildest, erfährst du hier.
Inhaltsübersicht
Passiv in Latein — einfach erklärt
Es gibt zwei Möglichkeiten, wie du ausdrücken kannst, was passiert: das Aktiv und das Passiv. Im Aktiv handelt das Subjekt selbst. Im Passiv passiert dem Subjekt etwas. Das funktioniert sowohl im Deutschen als auch im Lateinischen.
➡️ Beispiel
Aktiv: Der Lehrer lobt den Schüler. → Magister discipulum laudat
Passiv: Der Schüler wird (vom Lehrer) gelobt. → Discipulus (a magistro) laudatur
Im Lateinischen wird das Passiv je nach Zeitform auf zwei verschiedene Arten gebildet. Dabei veränderst du vor allem das Verb:
- In den Präsens-Zeitformen (Präsens, Imperfekt, Futur) hängst du spezielle Passiv-Endungen und teilweise auch Infixe (Tempuszeichen) direkt an den Verbstamm.
- In den Vergangenheits-Zeitformen (Perfekt, Plusquamperfekt) brauchst du zwei Teile: ein Partizip Perfekt Passiv (PPP) und eine passende Form von esse („sein“).
In den nächsten Abschnitten zeigen wir dir, wie du das Passiv Schritt für Schritt in jeder Zeitform bildest.
Präsens, Imperfekt und Futur im Passiv
Die drei Zeitenformen Präsens, Imperfekt und Futur gehören zum sogenannten Präsensstamm, den du vielleicht schon aus dem Aktiv kennst.
Welche Passivformen du genau brauchst, hängt von der Konjugation ab. Denn jede Konjugationsart hat ihren eigenen Präsensstamm:
- a-Konjugation → laudare → Stamm: lauda-
- e-Konjugation → docere → Stamm: doce-
- konsonantische Konjugation → vincere → Stamm: vinc-
- i-Konjugation → audire → Stamm: audi-
- kurz-i-Konjugation → capere → Stamm: capi- oder cape-
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Präsens im Passiv
Um den Passiv im Präsens zu bilden, hängst du die Passiv-Endung direkt an den Präsensstamm an. Diese Endungen gelten für alle Konjugationen:
In der 3. Person Plural Präsens Passiv kommt es bei drei Konjugationen zu einer kleinen Lautveränderung: In der konsonantischen, der i- und der kurzen i-Konjugation wird zwischen Stamm und Endung ein -u- eingeschoben. Das sorgt für eine flüssigere Aussprache.
Imperfekt im Passiv
Im Imperfekt Passiv zeigst du, dass jemand in der Vergangenheit erlitten hat
Du brauchst dafür drei Bausteine:
Präsensstamm + Tempuszeichen -ba + Passiv-Endung
| Person | Endung | Beispiel mit docere (e-Konjugation) |
| 1. Sg. | -ba + -r | docebar – ich wurde unterrichtet |
| 2. Sg. | -ba + -ris | docebaris – du wurdest unterrichtet |
| 3. Sg. | -ba + -tur | docebatur – er/sie/es wurde unterrichtet |
| 1. Pl. | -ba + -mur | docebamur – wir wurden unterrichtet |
| 2. Pl. | -ba + -mini | docebamini – ihr wurdet unterrichtet |
| 3. Pl. | -ba + -ntur | docebantur – sie wurden unterrichtet |
Wichtig: In der i‑Konjugation und kurz‑i‑Konjugation wird zwischen Stamm und -ba- noch ein -e- eingeschoben: audiebar, capiebar. So kannst du die Form besser aussprechen.
Futur im Passiv
Im Futur Passiv beschreibst du, dass jemand in der Zukunft etwas erleiden wird
Auch hier brauchst du drei Bausteine:
Präsensstamm + Tempuszeichen + Passiv-Endung
Wichtig: Das Tempuszeichen hängt beim Futur von der Konjugation ab:
| Konjugation | Tempuszeichen |
| a- und e-Konjugation | -b- |
| i-, konsonantische und kurz-i-Konjugation | -a- / -e- |
Merksatz: a und e mit b, der Rest mit a und e
So lauten die Endungen für die a- und e-Konjugation im Passiv für das Futur:
| Person | Endung | Beispiel mit monere (e-Konjugation) |
| 1. Sg. | -b + -or | monebor – ich werde ermahnt werden |
| 2. Sg. | -b + -ris | moneberis – du wirst ermahnt werden |
| 3. Sg. | -b + -itur | monebitur – er/sie/es wird ermahnt werden |
| 1. Pl. | -b + -imur | monebimur – wir werden ermahnt werden |
| 2. Pl. | -b + -imini | monebimini – ihr werdet ermahnt werden |
| 3. Pl. | -b + -untur | monebuntur – sie werden ermahnt werden |
Die Endungen für die i-, kurz-i- und konsonantische Konjugation sehen dann so aus:
| Person | Endung | Beispiel mit audire (i-Konjugation) |
| 1. Sg. | -a + -r | audiar – ich werde gehört werden |
| 2. Sg. | -e + -ris | audieris – du wirst gehört werden |
| 3. Sg. | -e + -tur | audietur – er/sie/es wird gehört werden |
| 1. Pl. | -e + -mur | audiemur – wir werden gehört werden |
| 2. Pl. | -e + -mini | audiemini – ihr werdet gehört werden |
| 3. Pl. | -e + -ntur | audientur – sie werden gehört werden |
Perfekt und Plusquamperfekt im Passiv
Das Passiv im Perfekt und Plusquamperfekt funktioniert anders. Statt reiner Endungen brauchst du hier zwei Bestandteile:
- ein PPP (Partizip Perfekt Passiv)
- eine passende Form von esse (sein)
Perfekt im Passiv
Im Perfekt Passiv drückst du aus, dass jemand etwas erlitten hat – und zwar als abgeschlossene Handlung. Für die Bildung des Perfekts im Passiv benötigst du das Partizip Perfekt Passiv (PPP) und die passende Präsensform von esse (sein). Das PPP bildest du, indem du den Perfektstamm eines Verbs nimmst und die Endung -tus, -ta oder -tum anhängst – je nach Genus und Numerus.
Hier siehst du die Bildung des Perfekts im Passiv an dem Beispiel von laudare (loben):
| Person | PPP-Form + Form von esse | Übersetzung |
| 1. Sg. | laudatus/-a + sum | ich bin gelobt worden |
| 2. Sg. | laudatus/-a + es | du bist gelobt worden |
| 3. Sg. | laudatus/-a + est | er/sie ist gelobt worden |
| 1. Pl. | laudati/-ae + sumus | wir sind gelobt worden |
| 2. Pl. | laudati/-ae + estis | ihr seid gelobt worden |
| 3. Pl. | laudati/-ae + sunt | sie sind gelobt worden |
Plusquamperfekt im Passiv
Wenn du sagen willst, dass jemand bereits etwas erlitten hatte, bevor etwas anderes passiert ist, brauchst du im Lateinischen das Plusquamperfekt Passiv. Die Bildung setzt sich wieder aus dem PPP und der Imperfektform von esse (sein) zusammen.
Hier siehst du die Bildung einmal beispielhaft am Verb vocare (rufen):
| Person | PPP + esse | Übersetzung |
| 1. Sg. | vocatus/-a eram | ich war gerufen worden |
| 2. Sg. | vocatus/-a eras | du warst gerufen worden |
| 3. Sg. | vocatus/-a erat | er/sie war gerufen worden |
| 1. Pl. | vocati/-ae eramus | wir waren gerufen worden |
| 2. Pl. | vocati/-ae eratis | ihr wart gerufen worden |
| 3. Pl. | vocati/-ae erant | sie waren gerufen worden |
Konjunktiv Latein
Neben dem Passiv begegnet dir im Lateinischen auch der Konjunktiv regelmäßig in Texten. Welche Formen es dabei gibt und wie du sie bildest, erfährst du hier!