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Der auktorialer Erzähler ist eine der vier Erzählperspektiven. Hier und im Video erfährst du mit vielen Beispielen, woran du ihn erkennen kannst!

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Inhaltsübersicht

Was ist ein auktorialer Erzähler?

Der auktoriale Erzähler ist ein allwissender Erzähler.

Er blickt von außen auf das Geschehen und ist kein Teil der eigentlichen Handlung. Damit hat der auktoriale Erzähler Einblick in alle Charaktere und ihre Gedanken, er kennt die Vergangenheit und die Zukunft und kann das Geschehen kommentieren und bewerten.

➡️Beispiel:
Lena betrat nervös das Klassenzimmer. Während sie hoffte, die Prüfung zu bestehen, dachte ihr Lehrer bereits darüber nach, ihr später Mut zuzusprechen. Wie so oft machte Lena sich völlig unnötig Sorgen.“

Der Erzähler hier kennt Lenas Gedanken und die des Lehrers. Er weiß etwas über die Zukunft und bewertet Lenas Verhalten.

Weitere Erzählperspektiven

Neben dem auktorialen Erzähler gibt es drei weitere Erzählperspektiven:

  • Personaler Erzähler: zeigt die Geschichte aus Sicht einer einzelnen Figur, indem Einblicke in die Gedanken und Gefühle gegeben werden. Er berichtet in der 3. Person (Er-Sie-Form) über die Figur.
  • Ich-Erzähler: ist Teil des Geschehens und berichtet aus Sicht einer bestimmten Figur. Er erzählt alles in der Ich-Form.
  • Neutraler Erzähler: ist kein Teil des Geschehens und beschreibt nur das, was von außen wahrnehmbar ist. Er hat keinen Einblick in die Gedanken oder Gefühle der Figuren.

Merkmale des auktorialen Erzählers

Hier findest du inhaltliche und formale Merkmale des auktorialen Erzählers im Überblick.

Berichtende Erzählweise:
Der auktoriale Erzähler betrachtet das Geschehen mit Abstand von außen und kann dadurch viele Handlungsstränge gleichzeitig beobachten und beschreiben.
➡️Beispiel: Während Elisa an ihrem freien Tag immer noch im Bett lag, saß Alexander schon an seinem Schreibtisch, um zu arbeiten.

Gedanken und Gefühle aller Charaktere:
Der auktoriale Erzähler kann zwischen den verschiedenen Perspektiven der Figuren wechseln und ihre Gedanken und Gefühle aufzeigen.
➡️Beispiel: Alexander überlegte sich freudig, ob Elisa auch dieses Jahr wieder einen Schokoladenkuchen backen würde. Natürlich würde sie das, denn Elisa wusste, dass es sein Lieblingskuchen war.

Zeitlos:
Durch Rückblenden in die Vergangenheit und durch Vorwegnahmen in die Zukunft kann der auktoriale Erzähler alle Zeitformen überblicken.
➡️Beispiel: Später würde Elisa Alexander mit einem selbst gebackenen Kuchen überraschen, so wie sie es an jedem seiner Geburtstage getan hatte.

Kommentiert und bewertet:
Auch Kommentare und Bewertungen sind typisch für einen auktorialen Erzähler. Er spricht direkt mit dir als Leser und teilt seine Meinung über die Handlungen, Gedanken und Gefühle der Charaktere mit.
➡️Beispiel: Wie du dir denken kannst, verging Alexanders Arbeitstag mit Gedanken an Schokoladenkuchen wie im Flug! 

Erzählperspektive in der 3. Person:
Der auktoriale Erzähler beschreibt die fiktiven Personen mit den Personalpronomen der 3. Person, also er oder sie.
➡️Beispiel: Als er nach Hause kam, war er überglücklich!

Wichtig: Auktorialer Erzähler und Autor sind nicht dieselbe Person! Der Autor hat sich den auktorialen Erzähler so wie alle anderen Figuren in der Geschichte ausgedacht.

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Wirkung des auktorialen Erzählers

Der auktoriale Erzähler ist allwissend und kann die Geschichte selber kommentieren. Das kann eine bestimmte Wirkung auf dich als Leser haben.

  • Verbundenheit: Du befindest dich mit dem auktorialen Erzähler auf dem gleichen „Level“: Ihr beide seid nicht Teil der fiktiven Welt und könnt sie nicht beeinflussen.
     
  • Emotionaler Abstand: Du betrachtest die Geschichte von außen und kannst dir, soweit der Erzähler es erlaubt, deine eigene Meinung bilden. Du steckst schließlich nicht in der Sicht eines einzelnen Charakters, wie bei dem Ich-Erzähler.
       
  • Lenkung der Lesermeinung: Der Erzähler nennt seine Meinung über die Handlung oder einen bestimmten Charakter sehr deutlich. Und da du nur seine Perspektive kennst, bist du vielleicht dazu verleitet, ihm zuzustimmen.
     
  • Spannung und Dramatik: Dir können gewisse Geschehnisse vorher angedeutet werden oder auch Sachen verschwiegen werden. Manchmal schwindelt dich der auktoriale Erzähler auch an.

Auktorialer Erzähler — Beispiel

Du hast schon sehr viel über den auktorialen Erzähler gelernt. Das schauen wir uns anhand eines Beispiels aus der Literatur noch mal genauer an.

Der Roman „Anna Karenina“ von Lew Tolstoi beschäftigt sich mit verschiedenen Adelsfamilien im Russland des 19. Jahrhunderts. Gleich auf der ersten Seite begegnet dir ein auktorialer Erzähler:

Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie ist auf ihre Weise unglücklich. Im Hause der Oblonski herrscht allgemeine Verwirrung. Die Dame des Hauses hatte in Erfahrung gebracht, dass ihr Gatte mit der im Haus gewesenen Gouvernante ein Verhältnis unterhalten hatte und ihm erklärt, sie könne fürderhin nicht mehr mit ihm unter einem Dache bleiben. 

Inhalt: Der auktoriale Erzähler weiß nicht nur über die Familie Oblonski Bescheid, sondern hat schon viele Familien gesehen. Deshalb kann er eine allgemeine Aussage über glückliche und unglückliche Familien treffen. Er weiß, dass alle Anwesenden im Haus verwirrt sind. Und er kann dir erklären, welches Ereignis in der Vergangenheit zu diesem Zustand geführt hat.

Form: Es werden Pronomen in der 3. Person verwendet.

Wirkung: Der auktoriale Erzähler vermittelt dir von Anfang an die Bewertung, dass die Familie Oblonski unglücklich ist.

Auktorialer Erzähler — häufigste Fragen

(ausklappen)
  • Was ist der Unterschied zwischen Autor und auktorialem Erzähler?
    Der Autor ist die reale Person, die den Text schreibt, der auktoriale Erzähler ist eine vom Autor erfundene Erzählstimme im Text. Ein auktorialer Erzähler steht außerhalb der Handlung, weiß „alles“ über Figuren und Ereignisse und kann das Geschehen als Leserkommentar bewerten.
  • Was ist der Unterschied zwischen auktorialer und personaler Erzähler?
    Ein auktorialer Erzähler erzählt von außen und weiß „alles“, also auch Gedanken und Gefühle aller Figuren sowie Dinge aus Vergangenheit und Zukunft. Ein personaler Erzähler zeigt die Geschichte dagegen nur aus der Sicht einer einzelnen Figur in der 3. Person und gibt nur deren Gedanken und Gefühle wieder.
  • Welche Erzählperspektive verwendet ein allwissender Erzähler?
    Ein allwissender Erzähler verwendet die auktoriale Erzählperspektive. „Allwissend“ bedeutet dabei, dass der Erzähler in die Gedanken und Gefühle aller Figuren schauen und außerdem Informationen aus verschiedenen Zeiten (Vergangenheit und Zukunft) einbauen kann.
  • Ist der Ich-Erzähler immer auktorial?
    Nein, ein Ich-Erzähler ist nicht automatisch auktorial. Ein Ich-Erzähler erzählt aus der eigenen Perspektive in der „ich“-Form und ist damit Teil der Handlung, weshalb man normalerweise nur weiß, was diese Figur selbst erlebt, denkt oder fühlt, nicht alles über alle Figuren.

Erzählperspektiven verstehen

Der auktoriale Erzähler ist eine wichtige Erzählperspektive in Geschichten und Romanen. Du vergleichst verschiedene Erzählweisen und achtest auf sprachliche Hinweise wie Pronomen, Abstand zur Figur und Kommentare. So erkennst du, wie stark ein Text deine Sicht lenkt und wie nah oder fern du dich den Figuren fühlst. Weitere Videos dazu findest du in unserem Deutschbereich.

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