Die Erzählperspektive einer Geschichte verrät dir, aus welcher Sicht die Geschichte erzählt wird. In diesem Beitrag und Video
findest du die 4 Erzählperspektiven ganz einfach erklärt.
Inhaltsübersicht
Was ist eine Erzählperspektive?
Die Erzählperspektive beschreibt die Sichtweise des Erzählers. Der Erzähler ist die Stimme, die dir die Geschichte erzählt. Du kannst ihn dir wie eine Kameralinse vorstellen. Durch diese Kameralinse verfolgt der Leser die Handlung. Je nachdem, wo die Kamera steht, erhält der Leser unterschiedliche Einblicke in die Geschichte.
Du kannst die Erzählperspektive auch als Erzählform oder Erzählsituation bezeichnen. Insgesamt gibt es 4 Erzählperspektiven: auktorialer Erzähler , personaler Erzähler , neutraler Erzähler und Ich-Erzähler .
Verwechsle nicht den Erzähler mit dem Autor! Der Autor weiß immer alles über die Geschichte — er hat sie schließlich geschrieben. Der Erzähler dagegen hat je nach Erzählperspektive unterschiedliche Einblicke in die Geschehnisse und Charaktere.
Welche Erzählperspektiven gibt es?
Du unterscheidest zwischen 4 Erzählperspektiven: dem auktorialen Erzähler , dem personalen Erzähler , dem neutralen Erzähler und dem Ich-Erzähler .
Um die Erzählperspektive zu bestimmen, musst du auf inhaltliche und formale Merkmale achten:
- Inhaltlich fragst du dich: Wie viel weiß der Erzähler über die Handlung und die Charaktere der Geschichte?
- Formal fragst du dich: Welche Personalpronomen – also „ich“, „er“, oder „sie“ – benutzt der Erzähler beim Erzählen der Geschichte?
Die Antworten auf diese Fragen verraten dir, um welche Erzählsituation es sich handelt. Erinnere dich an die Kamera: Bei der Erzählsituation fragst du dich, wie die Kamera ausgerichtet ist.
Schauen wir uns nun die einzelnen Erzählsituationen etwas genauer an.
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Auktorialer Erzähler
Der auktoriale Erzähler ist allwissend: Er weiß über alle Fakten der fiktiven Welt Bescheid. Die fiktive Welt ist die Welt, in der die Geschichte spielt. Jedoch ist der auktoriale Erzähler nicht Teil der fiktiven Welt: Er betrachtet sie von außen. Deshalb kann er …
- in Rückblenden Geschehnisse aus der Vergangenheit wiedergeben,
- in Vorwegnahmen in die Zukunft schauen,
- Zusammenhänge erklären,
- in die Gedanken und Gefühle aller Charaktere um ihn herum blicken und
- Handlungen, Gedanken und Gefühle wertend kommentieren.
Personalpronomen: er/sie (3. Person)
Beispiel: Lukas zog sich seine Jacke enger um den Körper in der Hoffnung, den Wind und den Regen etwas abzuhalten. Er hatte heute Morgen wieder einmal verschlafen (schon das dritte Mal diese Woche, dachte seine Mutter kopfschüttelnd) und deshalb seinen Regenschirm vergessen. Was Lukas nicht wusste: Am Nachmittag würde der Regen aufhören und die Sonne herauskommen.
Personaler Erzähler
Der personale Erzähler beschreibt die Geschichte aus der Perspektive eines bestimmten Charakters. Er ist also Teil der fiktiven Welt. Dabei ist sein Wissen über die fiktive Welt auf das beschränkt, was der Charakter weiß. Daher kann er …
- Gefühle und Gedanken von nur einem bestimmten Charakter darstellen, und
- nicht in die Vergangenheit oder Zukunft schauen.
Der Fokus des personalen Erzählers kann innerhalb der Geschichte wechseln, aber er ist immer auf das Wissen des jeweiligen Charakters beschränkt.
Personalpronomen: er/sie (3. Person)
Beispiel: Lukas zog sich seine Jacke enger um den Körper in der Hoffnung, den Wind und den Regen etwas abzuhalten. Er hatte verschlafen und deshalb seinen Regenschirm vergessen. Er hasste dieses kalte Wetter!
Neutraler Erzähler
Der neutrale Erzähler ist wie der auktoriale Erzähler nicht Teil der fiktiven Welt. Jedoch weiß er nur über von außen wahrnehmbare Dinge Bescheid. Das bedeutet, er beschreibt lediglich, was in der Geschichte passiert. Dabei gibt er keine weiteren Informationen und macht auch keine Kommentare. Also hat er …
- keinen Einblick in die Vergangenheit oder Zukunft, und
- keinen Einblick in die Gedanken oder Gefühle der anderen Charaktere.
Personalpronomen: er/sie (3. Person)
Beispiel: Es regnete und Lukas zog sich seine Jacke enger um den Körper. Er hatte seinen Regenschirm vergessen.
Ich-Erzähler
Der Ich-Erzähler beschreibt die Geschichte ebenfalls aus der Sicht eines bestimmten Charakters. Er unterscheidet sich von dem personalen Erzähler nur dadurch, dass er die Ich-Form verwendet. Meistens ist der Ich-Erzähler der Protagonist, also der Hauptcharakter der Geschichte.
Das erzählende Ich hat die Handlung der Geschichte bereits erlebt und erzählt sie im Rückblick. Es kann – wie der auktoriale Erzähler – die Handlung vorwegnehmen und kommentieren.
Das erlebende Ich erzählt die Handlung der Geschichte, während sie erlebt wird. Es weiß also nur, was im Moment passiert.
Personalpronomen: ich (1. Person)
Beispiel erzählendes Ich: Ich hatte an diesem Morgen meinen Regenschirm vergessen, da ich wieder einmal verschlafen hatte. Davon war ich gar nicht begeistert. Zum Glück ist an dem Tag später noch die Sonne herausgekommen.
Beispiel erlebendes Ich: Ich ziehe meine Jacke enger um meinen Körper in der Hoffnung, den Wind und Regen etwas abzuhalten. Ich habe heute Morgen verschlafen und deshalb meinen Regenschirm vergessen. Ich hasse dieses kalte Wetter!
Wechselnde Erzählperspektiven
Es kann auch vorkommen, dass sich die Erzählperspektive innerhalb eines literarischen Werkes verändert. Dadurch erhält der Leser neue Einblicke in die Geschichte und in die Charaktere.
Diese Veränderung ist …
- ein Sprung zwischen Charakteren — bei personalem und Ich-Erzähler, oder
- ein Sprung zwischen den vier verschiedenen Erzählperspektiven.
Tipp: Wenn du verschiedene Textpassagen analysierst, bestimme die Erzählperspektive für jeden Abschnitt neu!
Zusammenfassung
Hier erhältst du nochmal alle wichtigen Informationen zu den verschiedenen Erzählperspektiven auf einen Blick:
| Wissen des Erzählers | Teil der fiktiven Welt | Personalpronomen | |
| Auktorialer Erzähler | alles über jeden | nein | er/sie (3. Person) |
| Neutraler Erzähler | von außen Wahrnehmbares | nein | er/sie (3. Person) |
| Personaler Erzähler | alles über einen bestimmten Charakter | ja | er/sie (3. Person) |
| Ich-Erzähler | alles über einen bestimmten Charakter | ja | ich (1. Person) |
Interpretation schreiben
Auch bei einer Interpretation hilft dir dein Wissen über die Erzählperspektiven. Was dabei sonst noch wichtig ist, erfährst du in unserem Video.
Erzählperspektiven — häufigste Fragen
(ausklappen)
Erzählperspektiven — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Was ist der Unterschied zwischen auktorialer und personaler Erzähler?Der Unterschied liegt vor allem darin, wie viel der Erzähler weiß und ob er von außen oder aus der Sicht einer Figur erzählt. Der auktoriale Erzähler ist allwissend, kommentiert und kann in Vergangenheit und Zukunft schauen. Der personale Erzähler ist Teil der fiktiven Welt und bleibt auf das Wissen einer Figur beschränkt.
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Woran erkennt man den Unterschied zwischen auktorialem und neutralem Erzähler?Den Unterschied erkennt man daran, ob der Erzähler mehr als nur das äußerlich Beobachtbare liefert. Ein auktorialer Erzähler kann Gedanken und Gefühle mehrerer Figuren kennen, Zusammenhänge erklären und die Handlung kommentieren oder vorwegnehmen. Ein neutraler Erzähler beschreibt nur, was passiert, ohne Innensicht und ohne wertende Kommentare.
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Wie unterscheidet man personalen Erzähler und Ich-Erzähler, wenn beide die Gedanken einer Figur zeigen?Man unterscheidet personalen Erzähler und Ich-Erzähler am verwendeten Personalpronomen. Der personale Erzähler erzählt in der 3. Person mit „er/sie“, bleibt aber in Gedanken und Wissen auf eine Figur begrenzt. Der Ich-Erzähler erzählt in der 1. Person mit „ich“ und kann als erzählendes oder erlebendes Ich auftreten.
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Was macht man, wenn die Erzählperspektive im Text wechselt?Man bestimmt die Erzählperspektive dann für jeden Abschnitt neu und markiert die Stelle, an der der Wechsel passiert. Danach beschreibt man, zwischen welchen Perspektiven oder Figuren gewechselt wird, zum Beispiel von der Sicht einer Figur zur Sicht einer anderen oder von einer Perspektive zu einer anderen. Dabei helfen Pronomen und das Wissen des Erzählers als Hinweise.
Erzähltechniken verstehen
Erzählperspektiven sind ein wichtiges Mittel, mit dem Geschichten aufgebaut und gesteuert werden. Du untersuchst in Texten, wie der Erzähler die Handlung zeigt und wie nah du an einer Figur dran bist. So erkennst du, warum eine Szene spannend, lustig oder eher sachlich wirkt. Weitere Videos dazu findest du in unserem Deutschbereich.