Wie funktioniert das deutsche Wahlsystem und warum hast du zwei Stimmen? Wir erklären dir hier den Aufbau einfach.
Inhaltsübersicht
Wie funktioniert das deutsche Wahlsystem? – einfach erklärt
Bei der Bundestagswahl hast du zwei Stimmen. Beide Stimmen gibst du mit dem selben Stimmzettel ab. Sie haben jedoch unterschiedliche Aufgaben.
Mit der Erststimme wählst du einen Direktkandidat. Das ist ein Politiker aus deiner Region — dem sogenannten Wahlkreis. Jeder der 299 Wahlkreise in Deutschland schickt genau einen Direktkandidaten in den Bundestag.
Mit der Zweitstimme wählst du eine Partei. Je mehr Zweitstimmen eine Partei erhält, desto mehr Sitze im Parlament stehen ihr zu. Ob ein bestimmter Politiker einen Sitz bekommt, hängt davon ab wie weit oben er auf der Landesliste seiner Partei steht. Das ist eine Liste von Kandidaten mit der eine Partei zur Wahl antritt.
Dieses Wahlsystem nennst du personalisierte Verhältniswahl, denn sie ist gleichzeitig persönlich und verhältnismäßig. Persönlich, weil du eine konkrete Person aus deiner Nähe wählst. Verhältnismäßig, weil die Zweitstimme die Sitzverteilung im Bundestag bestimmt.
Du kannst grob zwischen drei Wahlsystemen unterscheiden: der Mehrheitswahl, der Verhältniswahl und Mischformen.
- Bei der Mehrheitswahl gewinnen die Kandidaten mit den meisten Stimmen in ihrem Wahlkreis. Sie dürfen dann ins Parlament einziehen.
- Bei der Verhältniswahl werden die Sitze im Parlament auf die verschiedenen Parteien aufgeteilt. Wie viele Sitze eine Partei bekommt, hängt davon ab wie viel Prozent der Stimmen sie im Land eingeholt hat.
- Bei Mischformen haben die Wähler mindestens zwei Stimmen. In Deutschland ist die Erststimme für eine Mehrheitswahl und die Zweitstimme für eine Verhältniswahl.
Warum gibt es eine Erststimme?
Wenn ein Kandidat die Wahl in einem Wahlkreis gewinnt erhält er das sogenannte Direktmandat. Das heißt, er darf in den Bundestag einziehen. Damit stellt die Erststimme sicher, dass jede Region in Deutschland durch einen eigenen Kandidaten im Bundestag vertreten wird.
Die Vertreter kommen selbst aus der Region und kennen daher die Anliegen der Menschen vor Ort. Dadurch sind sie direkte Ansprechpersonen für die Bürger dort. Ohne die Erststimme wäre der Bundestag also vom Alltag der Menschen weiter entfernt.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Nach Beantwortung speichern wir deine Antwort, um Studyflix zu verbessern. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Warum gibt es eine Zweitstimme?
Die Zweitstimmen bestimmen die Sitzverteilung im Bundestag. Das läuft in zwei Schritten ab:
1. Die Sitze werden auf die Parteien verteilt
Nach der Wahl werden alle Zweitstimmen bundesweit zusammengezählt. Dann wird für jede Partei der prozentuale Anteil an den Gesamtstimmen berechnet. Daran orientiert sich die Verteilung der Sitze im Bundestag. So spiegelt der Bundestag wider, wie viele Menschen welcher Partei vertrauen.
➡️Beispiel:
Eine Partei, die 30 % aller Zweitstimmen bekommt, erhält also auch ungefähr 30 % der Sitze. Einer Partei mit 10 % der Zweitstimmen, stehen etwa 10 % der Sitze zu.
2. Die Parteien verteilen ihre Sitze auf ihre Kandidaten
Die Sitze einer Partei werden anschließend auf ihre Landeslisten aufgeteilt. Je stärker eine Partei in einem bestimmten Bundesland abgeschnitten hat, desto mehr Kandidaten dürfen von dort in den Bundestag einziehen. Wer weiter oben auf der Landesliste steht, hat dabei höhere Chance auf einen Einzug.
Die Zweitstimmendeckung soll verhindern, dass der Bundestag zu groß wird. Kandidaten, die über die Erststimme ein Direktmandat gewonnen haben, dürfen nur dann ins Parlament einziehen, wenn der Sitz auch für die Partei vorgesehen ist. Hat eine Partei also mehr Direktmandate als ihr Sitze durch die Zweitstimme zustehen, gehen die Direktkandidaten mit den schwächsten Ergebnissen leer aus.
Welche Parteien kommen in den Bundestag?
Nicht jede Partei, die bei der Wahl antritt, zieht auch in den Bundestag ein. Dafür gibt es eine klare Untergrenze: Eine Partei braucht mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen, um Sitze zu erhalten. Diese Regelung heißt Sperrklausel oder auch Fünf-Prozent-Hürde.
Die Sperrklausel soll sicherstellen, dass das Parlament gut funktioniert. Wenn sehr viele kleine Parteien mit jeweils nur wenigen Sitzen im Bundestag sitzen würde, wäre es schwierig bei Entscheidungen eine stabile Mehrheiten zu bilden. Eine Regierung braucht aber eine Mehrheit, um ihre Pläne umzusetzen.
➡️Beispiel:
Der Bundestag muss dringend entscheiden, ob mehr Geld in Bildung investiert wird. Jede Partei hat aber unterschiedliche Vorstellungen davon, wofür das Geld genau ausgegeben werden soll und unter welchen Bedingungen. Wenn dann statt 6 großer Parteien plötzlich 30 kleine mitreden, streiten sie sich monatelang über jedes Detail bis sie eine Entscheidung treffen.
Wahlen verstehen
Das Wahlsystem in Deutschland gehört zum Thema Wahlen und ist ein wichtiger Teil der Politik in einer Demokratie. Wer sich mit Wahlen beschäftigt, schaut auf Parteien, Stimmen und Regeln für die Verteilung von Sitzen im Parlament. So wird klar, wie Bürger ihren politischen Willen abgeben und wie daraus am Ende politische Macht entsteht. Weitere Videos dazu findest du in unserem Geschichtsbereich.