Sie brach mit Moderegeln, prägte einen völlig neuen Stil und wurde zur Legende: Coco Chanel. Wie aus Gabrielle Chanel eine der berühmtesten Designerinnen der Welt wurde, erfährst du hier und im Video!
Inhaltsübersicht
Wer war Coco Chanel?
Coco Chanel wurde am 19. August 1883 als Gabrielle Bonheur Chanel in Frankreich geboren. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und verbrachte nach dem Tod ihrer Mutter mehrere Jahre in einem Waisenhaus.
1910 eröffnete Chanel ihr erstes Hutgeschäft in Paris und entwarf bald auch eigene Kleidung. Statt enger Korsetts und aufwendiger Kleider setzte sie aber auf praktische Kleidung und einen eleganten, modernen Stil. Damit gab sie Frauen mehr Bewegungsfreiheit und wurde zu einem Symbol für weibliche Emanzipation.
Viele ihrer Ideen wurden weltberühmt und beeinflussen die Mode bis heute. Coco Chanel starb am 10. Januar 1971 im Alter von 87 Jahren in Paris.
Chanels Herkunft & Kindheit
Gabrielle Chanel wuchs in Saumur im Westen Frankreichs in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater Albert Chanel war als Händler viel unterwegs, während ihre Mutter Jeanne sich um die Familie kümmerte. Nach dem Tod ihrer Mutter brachte ihr Vater sie in ein katholisches Waisenhaus, weil er als Händler viel unterwegs war und sich nicht allein um sie kümmern konnte. Danach spielte er in ihrem Leben keine Rolle mehr — vermutlich sah sie ihn nie wieder.
Im Waisenhaus wurde sie von Nonnen erzogen und lernte das Nähen — eine Fähigkeit, die später ihr Leben verändern sollte. Mit 16 Jahren verließ sie die Einrichtung, um als Näherin mit eigenen Schneideraufträgen zu arbeiten. Später trat sie außerdem als Sängerin auf. Daher bekam Gabrielle ihren Spitznamen „Coco“. Er soll von einem Lied stammen, das sie damals häufig sang.
In dieser Phase lernte sie auch den wohlhabenden Étienne Balsan kennen, der aus einer reichen Textilunternehmerfamilie stammte. Durch ihn kam sie mit der gehobenen Gesellschaft in Kontakt und damit auch mit Menschen, die ihre spätere Karriere entscheidend beeinflussten.
💡 Coco Chanel hatte insgesamt fünf Geschwister — zwei Schwestern und drei Brüder.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Nach Beantwortung speichern wir deine Antwort, um Studyflix zu verbessern. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Aufstieg von Coco Chanel
Über Étienne Balsan lernte Chanel den englischen Geschäftsmann Arthur „Boy“ Capel kennen. Er unterstützte sie finanziell dabei, ihre eigenen Pläne zu verwirklichen. Später zahlte Chanel ihm aber jeden Cent zurück, um ihre finanzielle Unabhängigkeit zu bewahren. 1910 eröffnete sie in der Rue Cambon in Paris ihre erste Hutboutique „Chanel Modes“. Über Balsans gesellschaftliche Kontakte lernte Chanel viele wohlhabende Frauen und bekannte Persönlichkeiten kennen. So fanden ihre schlichten, eleganten Hüte schnell prominente Kundinnen, darunter die Schauspielerin Gabrielle Dorziat.
Der Erfolg ermutigte Chanel, ihr Geschäft auszubauen. In Deauville eröffnete sie eine weitere Boutique und begann ab 1913 auch Kleidung zu verkaufen. Dabei verwendete sie unter anderem Jersey — einen weichen Stoff, der damals vor allem für Herrenunterwäsche genutzt wurde. 1915 folgte ein eigenes Couture-Haus im französischen Biarritz, in dem bereits rund 300 Menschen arbeiteten.
Auch die Modepresse wurde auf Chanel aufmerksam: 1916 zeigte Harper’s Bazaar eines ihrer Kleider. Wenig später lobte auch die Vogue ihre Arbeit mit Jersey. Aus der einstigen Hutmacherin war innerhalb weniger Jahre eine international beachtete Modedesignerin geworden.
💡 Ein weiterer Auftrieb für ihren Erfolg war Baronin Rothschild, eine bekannte Stilikone. Sie wandte sich vom Designer Paul Poiret ab und schenkte stattdessen Chanel ihr Vertrauen. Viele Frauen aus ihrem Umfeld folgten ihrem Beispiel.
Was machte Chanels Mode so besonders?
In Deauville fiel Chanel auf, dass viele Frauen selbst beim Spazieren am Strand noch enge Korsetts und unbequeme Kleidung trugen. Sie wollte Mode schaffen, in der Frauen sich freier bewegen konnten. Deshalb setzte sie auf lockere Schnitte, schlichte Formen und weiche Stoffe.
Ungewöhnlich war auch ihre Arbeitsweise, denn sie formte ihre Entwürfe oft direkt am Körper, statt sie vorher auf Papier zu zeichnen. Auch ihre Entwürfe selbst brachen mit vielen Regeln der damaligen Frauenmode: Röcke wurden weiter und kürzer, Blusen lockerer und Kleidung insgesamt funktionaler. Chanel trug selbst Hosen, kurze Haare und sonnengebräunte Haut — ein deutlicher Gegensatz zum damaligen Schönheitsideal, das eher lange Haare, helle Haut und eine betont feminine Silhouette vorsah.
Damit stand ihre Mode für ein moderneres und selbstständigeres Frauenbild und wurde zu einem Symbol für weibliche Emanzipation.
Ihr Parfum-Erfolg
1920 lernte Coco Chanel den Parfumeur Ernest Beaux kennen. Gemeinsam wollten sie einen Duft schaffen, der anders war als die damals üblichen Parfums. Statt nach nur einer einzelnen Blume zu riechen, sollte er vielschichtig und unverwechselbar sein. Ernest Beaux stellte ihr mehrere Duftproben vor. Chanel entschied sich für Probe Nummer 5 und genau daraus entstand ein Jahr später Chanel N°5.
💡 Die 5 galt für Coco Chanel als Glückszahl. Deshalb behielt sie die Nummer der Duftprobe einfach als Namen bei. Passend dazu präsentierte sie ihre Kollektion gerne am 5.5.
Nicht nur der Duft selbst war ungewöhnlich, sondern auch der Flakon. Parfumflaschen wurden damals oft stark verziert. Doch Chanel setzte auf ein schlichtes und eckiges Design. 1959 wurde der Flakon sogar im Museum of Modern Art in New York ausgestellt.
Anfangs verkaufte Chanel das Parfum nur in ihren eigenen Boutiquen. 1924 schloss sie wegen der hohen Nachfrage einen Vertrag mit Pierre und Paul Wertheimer. Durch sie konnte Chanel N°5 weltweit verkauft werden und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Parfums überhaupt.
Chanels berühmteste Designs
1926 gelang Chanel die nächste Sensation: Sie entwarf das „kleine Schwarze“. Bunte Farben mochte sie weniger. Stattdessen bevorzugte sie Schwarz, Weiß und Beige. Diese Farben betonten ihrer Meinung nach die Schönheit einer Frau besonders gut. Mit dem schlichten schwarzen Kleid machte Chanel eine Farbe modern, die zuvor nur mit Trauer verbunden war. Das „kleine Schwarze“ wurde dadurch zum Symbol für Eleganz und einen zeitlosen Stil.
Ebenso berühmt wurde später das Chanel-Kostüm aus Jacke und Rock. Typisch waren eine kurze, gerade Jacke aus Tweed, ein schlichter Rock und viel Bewegungsfreiheit. Damit verband Chanel erneut Komfort mit Eleganz und prägte die Frauenmode nachhaltig.
Kontroversen um Chanel
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg stand Chanel auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ende der 1930er-Jahre beschäftigte ihr Unternehmen rund 4.000 Mitarbeiter. Zu ihrem Umfeld gehörten berühmte Persönlichkeiten wie Pablo Picasso, Jean Cocteau und Winston Churchill.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 schloss Chanel ihr Modehaus weitgehend. Sie hielt die Zeit für ungeeignet für Haute Couture und stellte den Modebetrieb deshalb ein. Während der deutschen Besetzung Frankreichs lebte Chanel zeitweise im Pariser Hotel Ritz und hatte eine Beziehung mit dem deutschen Offizier und Geheimdienstmitarbeiter Hans Günther von Dincklage. Dokumente belegen zudem Kontakte zum deutschen Nachrichtendienst. Diese Verbindungen zu den Nationalsozialisten zählen bis heute zu den umstrittensten Kapiteln ihres Lebens. Nach der Befreiung von Paris wurde Chanel dazu verhört, aber nicht angeklagt. Anschließend lebte sie mehrere Jahre in der Schweiz.
1954 kehrte Chanel mit 71 Jahren in die Modewelt zurück. Ihre erste Kollektion wurde von Teilen der französischen Presse zunächst eher kühl aufgenommen. Besonders in den USA fand ihr schlichter, bequemer Stil jedoch wieder Anklang — und Chanel etablierte sich erneut als bedeutende Designerin.
Chanels Nachleben und Vermächtnis
Coco Chanel starb am 10. Januar 1971 im Alter von 87 Jahren in Paris. Sie bleibt bis heute eine ambivalente Persönlichkeit. Einerseits revolutionierte sie die Frauenmode, gab Frauen mit ihren Entwürfen mehr Bewegungsfreiheit und wurde zu einem Symbol für Selbstständigkeit und Emanzipation. Andererseits werfen ihre Kontakte zu Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs bis heute einen Schatten auf ihr Leben.
Nach ihrem Tod wurde das Modehaus Chanel weitergeführt. 1983 übernahm Karl Lagerfeld die kreative Leitung und prägte die Marke bis zu seinem Tod im Jahr 2019. Er griff viele typische Chanel-Elemente auf und interpretierte sie immer wieder neu. Bis heute gehört Chanel zu den bekanntesten Luxusmarken der Welt.
Coco Chanel — häufigste Fragen
(ausklappen)
Coco Chanel — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Warum wurde Gabrielle Chanel „Coco“ genannt?Gabrielle Chanel wurde „Coco“ genannt, weil sie als junge Frau zeitweise als Sängerin in Cafés und Varietés auftrat und das Publikum sie nach Liedern mit dem Wort „Coco“ darin so zu rufen begann. Der Spitzname blieb dann als Künstlername an ihr hängen.
-
Was war an Gabrielle Chanels Mode emanzipierend für Frauen?Gabrielle Chanels Mode war emanzipierend, weil sie Frauen mehr Bewegungsfreiheit gab und Kleidung alltagstauglicher machte. Sie verzichtete auf enge Korsetts und entwarf knielange Röcke mit großen Taschen. Außerdem nutzte sie Jersey und entwarf Pyjamas für Frauen, die vorher eher Männerkleidung waren.
-
Warum war Chanel No. 5 damals revolutionär im Vergleich zu anderen Parfums?Chanel No. 5 war damals revolutionär, weil der Duft nicht nur wie eine einzelne Blume riechen sollte, sondern als neuer, „künstlich“ komponierter Duft gedacht war. Coco Chanel wollte ein Parfum, das wie „der Duft der Frauen“ wirkt. Neu war außerdem der schlichte Flakon statt verschnörkelter Designs.
-
Warum war das Chanel-Kostüm nach dem Zweiten Weltkrieg wichtig?Das Chanel-Kostüm war nach dem Zweiten Weltkrieg wichtig, weil Coco Chanel 1954 damit ihr Modehaus wieder sichtbar machte und ein neues, prägendes Kleidungsstück herausbrachte. Das zweiteilige Kostüm gehörte zu ihrer Nachkriegskollektion. Besonders in den USA fand es viel Anklang.
Pablo Picasso
Coco Chanel prägte die Modewelt durch ihre Kleidungskreationen nachhaltig. Ihr Freund Pablo Picasso beeinflusste dagegen die Welt der Kunst sehr stark. Wer er war, erfährst du hier.