Video

Gottfried Keller gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. In diesem Beitrag und im Video erfährst du alles, was du über sein Leben und seine Werke wissen solltest.

Klasse 9
Klasse 10
Klasse 11
Inhaltsübersicht

Wer war Gottfried Keller?

Gottfried Keller (1819-1890) war ein schweizer Politiker und Dichter. Mit seinen politischen Novellen und Gedichten zählt er heute zu den bedeutendsten Erzählern des bürgerlichen Realismus. Inspiriert wurde er aber auch vom Vormärz.

So behandelt er oft politische und kirchenkritische Themen in seinen frühen Werken und wandte sich später dem alltäglichen Leben der damaligen Gesellschaft zu. Sein Schreibstil war vor allem von Satire, Ironie und Humor gekennzeichnet. Aber auch groteske und tragische Erzählweisen findest du in seinen Werken.

Ein Bild zeigt einen Steckbrief zu Gottfried Keller. Er wurde am 19. Juli 1819 in Zürich geboren und starb auch am 15. Juli 1890 dort. Er war ein Politiker sowie Schriftsteller des Realismus. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Der grüne Heinrich von 1855, Romeo und Julia auf dem Dorfe von 1856 und Kleider machen Leute von 1874.
direkt ins Video springen
Steckbrief Gottfried Keller

💡Bevor Keller sich der Literatur widmete, begann er eine Karriere als Maler. Später nahm er als erster Staatsschreiber auch ein politisches Amt ein. Das machte ihn zum höchsten Beamten des Kantons Zürich.

Lebenslauf & Biografie

Gottfried Keller kam am 19. Juli 1819 in Zürich zur Welt. Er ist der Sohn des Drechslermeisters Rudolf Keller und dessen Ehefrau Elisabeth Scheuchzer. Sie stammten beide aus Glattfelden im Kanton Zürich. Sein Vater starb als er 5 Jahre alt war. Die Familie geriet dadurch in große finanzielle Not. 

Ein Bild zeigt eine Zeitleiste zum Leben des Schweizer Schriftstellers Gottfried Keller. Er wurde 1819 in Zürich geboren und besuchte dort die Armenschule, wo er erste Theaterstücke schrieb. Nach einem kurzen Besuch der kantonalen Industrieschule begann er eine Malerlehre und hielt sich später in München auf, wo er an Typhus erkrankte. Ab 1843 beschäftigte er sich mit Lyrik und veröffentlichte 1845 seinen ersten Gedichtband „Lieder eines Autodidakten“. Von 1848 bis 1849 studierte er Literaturgeschichte in Heidelberg. Danach lebte er in Berlin, wo unter anderem „Der grüne Heinrich“ und „Die Leute von Seldwyla“ entstanden. 1855 kehrte er in die Schweiz zurück und wurde 1861 Staatsschreiber im Kanton Zürich. 1866 verlobte er sich mit Luise Scheidegger. Ab 1869 erhielt er unter anderem die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich. Zwischen 1874 und 1883 veröffentlichte er weitere bekannte Novellen, arbeitete an den „Züricher Novellen“ und überarbeitete „Der grüne Heinrich“. Von 1883 bis 1889 erschien sein Roman „Martin Salander“ sowie eine Ausgabe seiner gesammelten Werke. Gottfried Keller starb am 15. Juli 1890 in Zürich.
direkt ins Video springen
Lebenslauf Gottfried Keller

Du kannst dir den Lebenslauf auch hier als PDF herunterladen: Gottfried Keller Lebenslauf

💡Von Gottfrieds sechs Geschwistern überlebte nur seine Schwester Regula das Kindesalter.

Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich

Nach Beantwortung speichern wir deine Antwort, um Studyflix zu verbessern. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

Kindheit & Jugend

Seine Kindheit verbrachte Gottfried Keller in bescheidenen Verhältnissen. Von 1825 bis 1831 besuchte Keller eine Schule für Arme und anschließend eine weiterführende Bildungsanstalt.

Mit 14 Jahren wurde er in die kantonale Industrieschule eingeschult. Dort beschäftigte er sich mit der Malerei. Daneben interessierte er sich aber auch für die Literaturwelt. So verfasste er schon in jungen Jahren kleine Theaterstücke für seine Freunde. Schon ein Jahr später flog er wegen eines Streichs von der Industrieschule. Angeblich hat er einen Protest gegen einen unbeliebten Mathelehrer organisiert.

Daraufhin entschied er sich für eine Lehre als Maler. 1837 traf er mit 18 Jahren den Aquarellisten Rudolf Meyer, der sein Mentor wurde. Durch ihn erfuhr Keller von bekannten Schriftstellern, was seine Leidenschaft für Literatur weckte.

Keller beteiligte sich auch an der Verfassung seiner Studienbücher: Er schrieb unter anderem Landschaftsbeschreibungen, kurze Erzählungen sowie Entwürfe zu Dramen. 

💡Ereignisse, die er in seinen jungen Jahren erlebte, verarbeitete er später in Der grüne Heinrich“ (1855). Darin verarbeitet er zum Beispiel den frühen Verlust seines Vaters und seinen gescheiterten Weg zum Künstler.

Malerausbildung und erste Werke

Ab 1840 besuchte Gottfried Keller die Königliche Akademie der Künste in München. Allerdings war das Leben in der Großstadt so teuer, dass Keller seine Malerausbildung schon nach zwei Jahren abbrechen musste und nach Zürich zurückkehrte.

Dort konzentrierte er sich dann lieber auf ein Leben als Lyriker. Er beschäftigte sich vor allem mit der Dichtung und schrieb Verse sowie Natur- und Liebesgedichte.

Inspiriert wurde Keller durch den Schriftsteller Georg Herwegh. 1843 schickte er eine Auswahl seiner Gedichte an dessen Verleger Julius Fröbel. Dieser war so fasziniert davon, dass er sie an Adolf Ludwig Follen weiterleitete, der zu einem Mentor von Keller wurde.

Kurz danach erschien schon Kellers erster Gedichtband mit dem Titel „Lieder eines Autodidakten“ (1845). Wenig später erschien auch der zweite Band und der „Sammelband Gedichte“ (1846).

Studium in Heidelberg

Als seine ersten Gedichte gerade an Anerkennung gewannen, sah er sich erneut in einer finanziellen Krise. Doch mithilfe eines Stipendiums der Züricher Regierung konnte er 1848 ein Studium in Heidelberg beginnen.

Dort lernte er den Philosophen Ludwig Feuerbach kennen, der Keller stark beeinflusste. Allerdings verliebte er sich auch in Johanna Kapp, die mit Feuerbach liiert war. Diese unglückliche Liebe beschrieb er in einigen seiner Liebesgedichte, unter anderem in „Schöne Brücke, hast mich oft getragen“ (1849).

Kellers Zeit in Berlin

Nach dem Studium setzte Keller von 1850 bis 1855 seine literarische Arbeit in Berlin fort. In dieser Zeit wollte er sich als Theaterschriftsteller etablieren. Deswegen kontaktierte er den Verleger Eduard Vieweg in Braunschweig und schloss mit ihm Verträge für seine Gedichte und seinen Roman ab.

In Berlin verfasste und veröffentlichte er die ersten drei Bände seiner Romanreihe „Der grüne Heinrich“. Kellers Verlag war von seinem Werk sehr beeindruckt. Dennoch erhielt er dafür gerade mal die Vergütung eines Schreibanfängers.

Rückkehr in die Schweiz

Da seine literarischen Arbeiten nicht für den Lebensunterhalt ausreichten, verschuldete Keller sich und musste 1855 nach Zürich zurückkehren. Dort lebte er bis 1861 bei seiner Mutter und seiner Schwester Regula. 

Er arbeitete jedoch weiter als Schriftsteller und beendete den vierten Band von „Der grüne Heinrich“. Während dieser Zeit erschien auch sein Roman „Die Leute von Seldwyla“.

Im Jahr 1861 wurde er der erste Staatsschreiber im Kanton Zürich. Damit waren auch seine finanziellen Probleme gelöst. Das Amt übte er insgesamt 15 Jahre aus, wodurch er aber kaum mehr Zeit für die Literatur hatte. 

1865 lernte er die Pianistin Luise Scheidegger kennen, mit der er sich 1866 verlobte. Leider nahm sie sich nur wenige Tage später das Leben. Daraufhin schreib er über sie das Gedicht „Auf den Tod der Luise Scheidegger.

💡1869 erhielt Gottfried Keller zu seinem 50. Geburtstag den Ehrendoktortitel durch die philosophische Fakultät der Universität Zürich. 

Mit 53 Jahren machte er Lina Weißert einen Heiratsantrag. Allerdings wusste er nicht, dass sie bereits vergeben war. Auch hierzu verfasste Keller ein Gedicht mit dem Namen „Regenliedchen für Line

Letzte Jahre und Tod

1876 beendete Keller sein Amt als Staatsschreiber. Danach wandte er sich der Dichtkunst zu. In diesem Zeitraum entstanden seine „Züricher Novellen“. Einige Jahre später wurde auch eine vollständig überarbeitete Version seines Prosawerks „Der grüne Heinrich“ veröffentlicht. 

Bis zu seinem Tod veröffentlichte Gottfried Keller noch zahlreiche weitere Werke. Darunter fünf weitere Novellen der „Leute von Seldwyla“ mit den Titeln „Kleider machen Leute“, „Der Schmied seines Glückes“, „Die mißbrauchten Liebesbriefe“, „Dietegen“ und „Das verlorene Lachen“.

Keller verstarb am 15. Juli 1890. Seine Asche wurde jedoch erst 1901 auf dem Zentralfriedhof in Zürich beigesetzt. 

Kleider machen Leute

Kellers „Kleider machen Leute“ gehört zur Geschichtensammlung von „Leute von Seldwyla“. Darin setzt sich Keller satirisch und realistisch mit dem Kleinbürgertum und der gesellschaftlichen Eitelkeit auseinander.

Der verarmte Schneidergeselle Wenzel Strapinski reist in eine fremde Stadt und wird dort wegen seiner eleganten Erscheinung irrtümlich für einen reichen Grafen gehalten.

Strapinksi verlobt sich dort mit Nettchen, der Tochter des Amtsrates. Doch als seine wahre Identität durch einen neidischen Konkurrenten aufgedeckt wird, sieht er sich gezwungen, die Stadt fluchtartig zu verlassen. Nettchen findet ihn aber und bekennt sich zu ihm. Mit dem Erbe ihres Vaters gründet Strapinksi später ein Atelier und erarbeitet sich so einen gewissen Wohlstand.

Du kannst die Geschichte also auf mehrere Weisen interpretieren: Zum einen geht es um eine Liebesgeschichte, aber auch die Gegenüberstellung von Schein und Sein.

Werke von Gottfried Keller 

Gottfried Keller zählte zu den großen Erzählern des bürgerlichen Realismus — eine Strömung, die das Leben von Bauern, Handwerkern und Kaufleuten etwas harmonischer und poetischer darstellte.

Seine Erzählweise ist durch eine ungewöhnliche Ausdrucksvielfalt gekennzeichnet. Denn Keller beherrschte den grotesken, satirischen, heiteren, komischen und tragischen Stil. 

Zudem glaubte er nicht an einen Gott oder an die Unsterblichkeit, stattdessen beschränkt er sich auf das Diesseits. Seine Werke waren daher von Lebensoptimismus, Welt- und Wirklichkeitsbejahung, einer religiös verklärten Naturfassung, Naturgläubigkeit und -frömmigkeit und vom Glauben an den Menschen geprägt. 

Zu seinen beliebtesten Werken gehören:

  • „Gedichte“ (1846)
  • „Winternacht“ (1846)
  • „Neuere Gedichte“ (1851)
  • „Der Apotheker von Chamounix“ (1853)
  • „Der grüne Heinrich“ (Erstfassung: 1854/1855; endgültige Fassung: 1879/1880)
  • „Die Leute von Seldwyla“ (erster Band, 1856), darin: Romeo und Julia auf dem Dorfe“; Pankraz, der Schmoller“;Spiegel, das Kätzchen“
  • „Sieben Legenden“ (1872)
  • „Die Leute von Seldwyla“ (zweiter Band, 1874), darin: „Kleider machen Leute“; „Das verlorene Lachen“; „Der Schmied seines Glückes“
  • „Züricher Novellen“ (1878), darin: „Hadlaub“,Der Narr auf Manegg“, „Ursula“ 
  • „Das Sinngedicht“ (1881), darin: „Von einer törichten Jungfrau“, „Die arme Baronin“
  • „Gesammelte Gedichte“ (1883)
  • „Martin Salander“ (1886)
  • „Gesammelte Werke in zehn Bänden“ (1889)

Gottfried Keller — häufigste Fragen

(ausklappen)
  • Zu welcher Epoche gehört Gottfried Keller?
    Gottfried Keller wird literaturgeschichtlich dem Realismus zugeordnet. Zwar wurde er vom Vormärz beeinflusst, seine eigenen Werke gelten aber als typisch für den (bürgerlichen) Realismus, also für eine wirklichkeitsnahe, oft ironische und satirische Erzählweise.
  • Was ist „Die Leute von Seldwyla“ von Gottfried Keller?
    „Die Leute von Seldwyla“ ist ein Novellen-Zyklus von Gottfried Keller. Er erschien in zwei Bänden (1856 und 1874) und versammelt mehrere einzelne Erzählungen, darunter zum Beispiel „Kleider machen Leute“ und „Romeo und Julia auf dem Dorfe“.
  • Was ist das Sinngedicht von Gottfried Keller?
    „Das Sinngedicht“ ist ein Prosawerk von Gottfried Keller, das 1881 veröffentlicht wurde. Es enthält mehrere Erzählungen, darunter „Von einer törichten Jungfrau“ und „Die arme Baronin“, und gehört zu seinen späteren Arbeiten.
  • Hatte Gottfried Keller eine Frau?
    Gottfried Keller hatte keine Frau, weil er nicht verheiratet war. Keller war 1866 mit Luise Scheidegger verlobt, sie nahm sich aber kurz nach der Verlobung das Leben. Später machte er Lina Weißert einen Heiratsantrag, ohne zu wissen, dass sie bereits vergeben war.

Autoren verstehen

Gottfried Keller ist ein wichtiger Autor des 19. Jahrhunderts und steht für Literatur des bürgerlichen Realismus. Du ordnest Autorinnen und Autoren nach Epoche, Zeit und typischen Merkmalen ein und verbindest Leben und Werke miteinander. So erkennst du, warum Themen, Figuren und Erzählweise zu ihrer Zeit passen und wie Begriffe wie Vormärz und Realismus dabei helfen, Texte einzuordnen. Weitere Videos dazu findest du in unserem Deutschbereich.

Lernen lohnt sich! Entdecke hier deine Chancen.