Theodor Storm prägte die deutschen Literaturgeschichte entscheidend. In diesem Beitrag und in unserem Video erhältst du die wichtigsten Informationen über das Leben und Werk des Dichters!
Inhaltsübersicht
Wer war Theodor Storm?
Theodor Storm (1817-1888) war ein bekannter Lyriker und Novellist im 19. Jahrhundert in Deutschland. Seine Werke kannst du der Epoche des Realismus zuordnen. Mit seinen frühen Gedichten knüpfte er allerdings auch an die vorangegangene Romantik an.
In seinen Werken vermittelt Theodor Storm Wehmut, Sentimentalität und musikalische Sprache. Vor allem den Ausdruck von Heimatgefühl wirst du oft erkennen. Denn der Schriftsteller war mit seiner Heimatstadt Husum eng verbunden. Und auch in der Liebe fand Storm Inspiration zum Schreiben. Dabei ist es fast etwas verwunderlich, dass Storms Werke so voller Emotion sind — war er doch sein Leben lang Anwalt.
Theodor Storm Biografie & Lebenslauf
Als Erstes von sieben Kindern kam Theodor Storm 1817 in der nordfriesischen Kleinstadt Husum zur Welt. Seine Eltern waren der Jurist Johann Casimir Storm und seine Frau Lucia.
Zu seiner Heimatstadt hat er lebenslang eine tiefe Verbundenheit. Häuser, in denen er oder seine Familie gelebt hatten, machte er zu Schauplätzen seiner Geschichten. Husum selbst widmete er sein berühmtes Gedicht „Die Stadt“ (1852).
Du kannst dir den Lebenslauf auch hier als PDF herunterladen: Theodor Storm Lebenslauf
💡Theodor Storm war überzeugter Atheist. Dennoch schrieb er mit „Knecht Ruprecht“ (1862) eines der bekanntesten deutschen Weihnachtsgedichte.
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Kindheit und Jugend in der Heimatstadt Husum
Schon während seiner Jugend zeigte Storm Interesse an der Dichtung. Er las bereits als junger Schüler freiwillig die Werke von Goethe und Schiller und schrieb auch eigene Gedichte.
1833 widmete er sein erstes Gedicht („An Emma“) Emma Kühl, in die er bereits mit zwölf Jahren verliebt war. Ihr machte Storm wenige Jahre später einen Antrag. Weil der Dichter sich aber monatelang nicht bei ihr gemeldet hatte, löste sie die Verlobung wieder auf.
1834 wurde mit „Sängers Abendlied“ zum ersten Mal ein Gedicht von ihm im Husumer Wochenblatt veröffentlicht.
Studium in Kiel
Um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, zog Theodor Storm 1837 für ein Jurastudium nach Kiel.
Zu dieser Zeit schrieb er erotisch angehauchte Gedichte wie „Lockenköpfchen“ (1837) für die elfjährige Bertha von Buchan — Storm war zu dieser Zeit bereits 20 Jahre alt. Einige Jahre später machte er auch ihr einen Heiratsantrag, wurde aber abgewiesen.
Während seiner Studienzeit befreundete Storm sich mit den Brüdern Mommsen. Gemeinsam sammelten sie Sagen, Märchen und Lieder aus ihrem Heimatland. Diese wurden später unter dem Titel „Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg“ (1845) veröffentlicht.
Leben in Husum
Nach dem abgeschlossenen Jurastudium 1842 zog es Theodor Storm zurück nach Husum. Dort arbeitete er anfänglich noch in der Kanzlei seines Vaters, eröffnete dann aber ein Jahr später seine eigene Anwaltskanzlei.
1846 heiratete er seine Cousine Constanze Esmarch, mit der er insgesamt sieben Kinder hatte. Der Dichter vermisste zunächst die erwartete Leidenschaft und begann deshalb 1847 ein kurzes Liebesverhältnis zu Dorothea Jensen. Ihr widmete er leidenschaftliche Liebesgedichte wie „Rote Rosen“ (1847).
Ende der 1840er Jahre beteiligte sich Theodor Storm an der nationalen Unabhängigkeitsbewegung, die Schleswig-Holstein von der dänischen Besetzung befreien wollte. In dieser Zeit der Unruhe verfasste er erstmals politische Werke wie „Oktoberlied“ (1848) und „Gräber an der Küste“ (1850).
Mit der Novelle „Immensee“ geling ihm 1849 schließlich auch der literarische Durchbruch.
Auswanderung ins Exil
Obwohl die Unabhängigkeitsbewegung gescheitert war, verweigerte Theodor Storm die Loyalität gegenüber der dänischen Krone. Als Folge darauf wurde ihm das Amt des Rechtsanwalts entzogen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als seine geliebte Heimat zu verlassen.
In Berlin fand er schließlich eine Anstellung, wurde 1853 zum Richter auf Probe und siedelte nach Potsdam um. Drei Jahre später erfolgte ein weiterer Umzug nach Heiligenstadt, weil er zum Kreisrichter berufen wurde.
Rückkehr nach Husum
Nachdem österreichische Truppen die Dänen verdrängt hatten, konnte Storm 1864 wieder nach Husum zurückkehren. Dort wurde er noch im selben Jahr zum Landvogt (oberster Beamter des Landbezirks) gewählt und war damit für die Justiz- und Polizeibehörde zuständig.
Doch im Jahr darauf verstarb sein Frau Constanze. Theodor Storm verarbeitet seine Trauer im Gedichtzyklus „Tiefe Schatten“ (1865). Allerdings begegnete er erneut seiner damaligen Affäre Dorothea Jensen. Die beiden heirateten 1866 und bekamen eine gemeinsame Tochter.
Auch beruflich ging es in den nächsten Jahren wieder bergauf. Storm wurde 1868 zum preußischen Amtsrichter und 1874 sogar zum Oberamtsrichter ernannt.
Alter und Tod in Hademarschen
Auf eigenen Wunsch ging Storm 1880 vorzeitig in Pension, denn er wollte nur noch als freier Schriftsteller tätig sein. Auf dem Alterssitz in Hademarschen schrieb Storm zahlreiche Gedichte und Novellen.
In seinen letzten Jahren wurde der Schriftsteller mehrfach ausgezeichnet. Beispielsweise erhielt er den Roten Adlerorden IV. Klasse (1880) und den Maximilianorden (1883). Von Husum wurde er zum Ehrenbürger ernannt.
Im Jahr 1888 starb Theodor Storm an den Folgen von Magenkrebs und wurde auf einem Friedhof in Husum beerdigt.
Nur wenige Monate vor seinem Tod brachte Theodor Storm die Novelle „Der Schimmelreiter„ (1888) zu Ende. Die Geschichte gilt heute als seine berühmteste Erzählung und handelt von Anmaßung, Machthunger und Eitelkeit. Damit widmete er sich den Problemen seiner Gegenwart.
Zu welcher Epoche gehört Theodor Storm?
Mit seinen Gedichten knüpfte der Lyriker an die Epoche der Spätromantik an. Die literarischen Themen seiner Gedichte waren meist Heimat und Landschaft, Liebe und Leidenschaft oder auch Ehe und Familie. Seine frühen Novellen handelten oft vom Land und der Vergangenheit.
Von gesellschaftlichen oder politischen Zuständen hielt er sich anfangs fern, widmete sich später auch diesen. Daher kannst du seine späteren Novellen auch der Epoche des Realismus zuordnen.
Strom schrieb nach einem grundlegenden Prinzip: „Die Poesie wird in jedem Jahrhundert, dem sich ihr Stoff am sichersten anpasst, ihr Zelt aufschlagen können; nur soll der Stoff nicht auf vorübergehenden Zuständen beruhen, sondern auf rein menschlichen Konflikten, die wir ewig nennen.“
Sein persönlicher Anspruch war also, dass Kunst und Poesie menschliche Themen behandeln sollten, die alle betreffen — keine vorübergehenden Trends. Auch das ist typisch für den Realismus.
Theodor Storm Werke
Als Schriftsteller war Theodor Storm vor allem für seine Lyrik bekannt. Neben den romantischen Gedichten verfasste er zahlreiche Novellen. Und auch das ein oder andere Märchen stammte aus seiner Feder.
Gedichte
- Sängers Abendlied (1834)
- Rote Rosen (1847)
- Im Herbste (1850)
- Die Stadt (1852)
- Knecht Ruprecht (1862)
- Tiefe Schatten (1865)
- Geh nicht hinein (1879)
Novellen
- Immensee (1849)
- Angelika (1854)
- Späte Rosen (1860)
- Abseits (1863)
- Pole Poppenspäler (1874)
- Ein stiller Musikant (1875)
- Hans und Heinz Kirch (1882)
- Der Schimmelreiter (1888)
Märchen
- Hans Bär (1837)
- Der kleine Hävelmann (1849)
- Bulemanns Haus (1862)
Autoren verstehen
Theodor Storm gehört zur deutschen Literaturgeschichte und ist ein wichtiger Autor des 19. Jahrhunderts. Wer sich mit Autoren beschäftigt, ordnet ihr Leben, ihre Werke und ihre Zeit in einen größeren Zusammenhang ein. So wird klar, wie Biografie, Epoche und typische Themen in Texten zusammenhängen. Im Deutschbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.