NS Außenpolitik
Die NS Außenpolitik veränderte Europa und führte schließlich direkt in den Zweiten Weltkrieg. Welche Ziele Hitler verfolgte und welche Strategien er nutzte, erfährst du hier und im Video.
Inhaltsübersicht
Welche Ziele verfolgte die NS-Außenpolitik?
Die NS-Außenpolitik umfasst die außenpolitischen Maßnahmen und Strategien des Deutschen Reiches von 1933 bis 1945.
Die nationalsozialistische Führung unter Adolf Hilter verfolgte dabei mehrere zentrale Ziele, die ihre außenpolitischen Entscheidungen bestimmten:
- Revision der Nachkriegsordnung (Versailler Vertrag): Deutschland sollte die als ungerecht empfundenen Gebietsabtritte des Versailler Vertrags zurückbekommen.
- Politische und militärische Vormachtstellung: Deutschland sollte die führende Macht in Europa werden.
- Eroberung von „Lebensraum im Osten“: Das Staatsgebiet sollte vor allem in Osteuropa erweitert werden.
Alle weiteren außenpolitischen Schritte ordneten sich diesen Zielen unter. Damit schuf Hitler die Grundlage für den Zweiten Weltkrieg.
Die Doppelstrategie: Tarnung und Aufrüstung (1933 — 1935)
Nach der Machtübernahme 1933 verfolgte das NS-Regime eine außenpolitische Doppelstrategie. Deutschland war militärisch geschwächt und international isoliert. Der Versailler Vertrag von 1919 hatte dem Land strenge Auflagen gemacht: Die Armee durfte nur noch 100.000 Soldaten umfassen. Auch eine Luftwaffe und schwere Waffen waren verboten.
Hitler vermied deshalb zunächst offene Provokationen. Nach außen hin präsentierte sich das Regime friedlich. Abkommen wie das Reichskonkordat mit dem Vatikan (1933) oder der deutsch-polnische Nichtangriffspakt (1934) sollten Vertrauen schaffen und mögliche Gegner beruhigen.
Gleichzeitig begann im Inneren die militärische Vorbereitung auf einen künftigen Krieg. Die Aufrüstung lief zunächst verdeckt. Schon 1933 formulierte Hitler das Ziel, neuen „Lebensraum im Osten“ zu erobern und den Versailler Vertrag gewaltsam zu brechen. Der Austritt aus dem Völkerbund im selben Jahr war ein erster Schritt, um sich von den internationalen Rüstungsbeschränkungen zu befreien.
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Der Übergang zur offenen Revision (1935 — 1936)
Ab 1935 ging die NS-Außenpolitik zur offenen Provokation über. Hitler brach nun öffentlich die Bestimmungen des Versailler Vertrags:
- Einführung der Wehrpflicht (März 1935): Jeder junge Mann musste wieder Soldat werden. Damit wuchs die Armee stark an, was ein klarer Bruch der Rüstungsbeschränkungen war.
- Deutsch-britisches Flottenabkommen (Juni 1935): Ein enormer diplomatischer Erfolg für Hitler. Großbritannien gestattete Deutschland den Aufbau einer Flotte (bis zu 35 % der britischen Stärke). Damit akzeptierte eine Siegermacht des Ersten Weltkriegs faktisch die deutsche Aufrüstung.
- Massive Aufrüstung: Deutschland baute eine Luftwaffe auf und produzierte moderne Waffen.
Da Großbritannien und Frankreich auf die Vertragsbrüche nur mit Protest reagierten, ohne militärisch einzugreifen, fühlte sich Hitler bestätigt. In dieser Situation wagte er im März 1936 den nächsten Schritt: die Remilitarisierung des Rheinlands. Deutsche Truppen marschierten in das entmilitarisierte Gebiet ein. Auch diesmal blieb eine militärische Reaktion der Westmächte aus.
Gleichzeitig betrieb das Regime nach außen weiterhin Friedenspropaganda. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin präsentierte sich Deutschland als modern und weltoffen.
Bündnisbildung und aggressive Expansion (1936 — 1938)
Ab 1936 verband das NS-Regime außenpolitische Bündnisse mit einer zunehmend aggressiven Expansionspolitik. Hitler sicherte sich zunächst internationale Partner, um seine Position in Europa zu stärken.
Mit der Achse Berlin-Rom (1936) entstand ein enges Bündnis mit Italien. Kurz darauf folgte der Antikominternpakt mit Japan, der sich gegen die Sowjetunion richtete. Deutschland war damit außenpolitisch nicht mehr isoliert und gewann internationale Rückendeckung.
Parallel dazu verfolgte Hitler weiterhin das Ziel des „Lebensraums im Osten“ mit seiner Propagandakampagne „Heim ins Reich“.
Der Begriff „Lebensraum“ beruhte auf der nationalsozialistischen Ideologie. Diese behauptete, das deutsche Volk sei anderen Völkern überlegen und habe das Recht, Gebiete im Osten gewaltsam zu erobern.
Um diese Expansionspolitik zu rechtfertigen, berief sich das NS-Regime auf das sogenannte „Selbstbestimmungsrecht der Völker“. Damit argumentierte Hitler, dass deutschsprachige Minderheiten in anderen Staaten „Heim ins Reich“ geholt werden müssten.
Im März 1938 wurde Österreich in das Deutsche Reich eingegliedert. Nur wenige Monate später forderte Hitler auch das Sudetenland von der Tschechoslowakei. Auf der Münchner Konferenz (September 1938) stimmten Großbritannien und Frankreich der Abtretung zu. Sie hofften, einen Krieg durch Zugeständnisse zu verhindern. Diese Politik bezeichnest du auch als Appeasement-Politik.
Weg in den Krieg (1939)
Die Zustimmung der Westmächte bestärkte Hitler und erleichterte ihm den nächsten Schritt in Richtung Krieg. Im März 1939 besetzte Deutschland die sogenannte „Rest-Tschechei“. Böhmen und Mähren wurden als Reichsprotektorat direkt vom Deutschen Reich kontrolliert. Die Slowakei wurde formal unabhängig, stand jedoch politisch und militärisch unter deutschem Einfluss. Damit zeigte sich deutlich, dass es nicht mehr nur um das „Zurückholen“ deutschsprachiger Minderheiten ging, sondern um Macht und Expansion.
Kurz darauf zwang Deutschland auch Litauen zur Abtretung des Memelgebiets. Die Siegermächte erkannten nun, dass weitere Zugeständnisse keinen Frieden sichern würden. Großbritannien und Frankreich garantierten Polen militärische Unterstützung.
Am 23. August 1939 schloss Hitler den sogenannten Hitler-Stalin-Pakt mit der Sowjetunion. Offiziell handelte es sich um einen Nichtangriffspakt. Ein geheimes Zusatzprotokoll regelte jedoch die Aufteilung Polens zwischen beiden Staaten im Falle eines Sieges über Polen.
Zusammenfassung: Abkommen & Erfolge der NS-Außenpolitik (1933 — 1939)
Um die komplexen Entwicklungen der NS-Außenpolitik besser einordnen zu können, findest du hier noch einmal alle wichtigen Abkommen, Erfolge und Expansionsschritte der NS-Außenpolitik übersichtlich und in zeitlicher Reihenfolge zusammengefasst:
1933
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Austritt aus dem Völkerbund
Deutschland verließ die internationale Friedensorganisation und entzog sich damit den Rüstungskontrollen der Siegermächte. -
Reichskonkordat mit dem Vatikan
Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan. Die katholische Kirche sicherte politische Zurückhaltung zu, während der Staat kirchliche Rechte garantierte. Das Abkommen stärkte Hitlers internationale Anerkennung.
1934
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Deutsch-polnischer Nichtangriffspakt
Deutschland und Polen verpflichteten sich, für zehn Jahre keine Gewalt gegeneinander anzuwenden. Damit wurde Polen vorübergehend als Gegner neutralisiert.
1935
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Saarabstimmung
Die Bevölkerung des Saargebiets entschied sich per Volksabstimmung für die Rückkehr zu Deutschland. -
Einführung der Wehrpflicht
Die allgemeine Wehrpflicht wurde wieder eingeführt. Die Armee wuchs stark an und überschritt die im Versailler Vertrag erlaubte Truppenstärke deutlich. -
Deutsch-britisches Flottenabkommen
Großbritannien erlaubte Deutschland eine Marine von bis zu 35 Prozent der britischen Flottenstärke. Damit wurde die deutsche Aufrüstung teilweise anerkannt.
1936
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Remilitarisierung des Rheinlands
Deutsche Truppen marschierten in das entmilitarisierte Rheinland ein, obwohl der Versailler Vertrag dort keine Militärstationierung erlaubte. -
Achse Berlin — Rom
Politisch-militärisches Bündnis zwischen Deutschland und Italien, das eine engere Zusammenarbeit beider Staaten festlegte. -
Antikominternpakt mit Japan
Vertrag gegen die internationale kommunistische Bewegung und indirekt gegen die Sowjetunion. 1937 trat Italien bei. -
Olympische Spiele in Berlin
Internationale Großveranstaltung, bei der sich das Regime als modern und friedlich präsentierte.
1938
-
„Anschluss“ Österreichs
Österreich wurde militärisch besetzt und in das Deutsche Reich eingegliedert. -
Münchner Abkommen
Großbritannien und Frankreich stimmten der Abtretung des Sudetenlandes durch die Tschechoslowakei an Deutschland zu. -
Appeasement-Politik
Strategie Großbritanniens und Frankreichs, durch Zugeständnisse an Hitler einen Krieg zu vermeiden.
1939
-
Besetzung der Rest-Tschechei
Deutsche Truppen besetzten Prag. Böhmen und Mähren wurden als Reichsprotektorat direkt kontrolliert. -
Slowakei als Satellitenstaat
Die Slowakei blieb formal eigenständig, war aber politisch von Deutschland abhängig. -
Eingliederung des Memelgebiets
Litauen musste das Memelgebiet unter deutschem Druck abtreten. -
Hitler-Stalin-Pakt
Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion. Ein geheimes Zusatzprotokoll regelte die Aufteilung Polens und Osteuropas.
Zweiter Weltkrieg
Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen an. Wenige Tage später erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Damit begann der Zweite Weltkrieg. Was dann genau passierte, zeigen wir dir hier.