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Was ist ein bürgerliches Trauerspiel? Alles zum Aufbau, zu den Merkmalen und Beispiele für das Theatergenre erfährst du hier und im Video!

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Inhaltsübersicht

Was ist ein bürgerliches Trauerspiel?

Das bürgerliche Trauerspiel ist eine Form der Tragödie, das in der Epoche der Aufklärung entstand. Charakteristisch für das bürgerliche Trauerspiel ist, dass es erstmals die Schicksale der bürgerlichen Schicht in den Mittelpunkt der Handlung stellte.

Damit wurde die Tradition der klassischen Tragödie, die nur Themen des Adels behandelte, gebrochen. Im bürgerlichen Trauerspiel geht es unter anderem um die Darstellung der Standesunterschiede zwischen Bürgertum und Adel.

Tragödie — Definition

Die Tragödie ist neben der Komödie eine Form des Dramas. In der Tragödie wird ein tragischer Konflikt dargestellt, der in einer Katastrophe endet. Das kann z. B. der Tod einer Figur sein. Das Trauerspiel ist ein Synonym für die Tragödie.

Bürgerliches Trauerspiel — Merkmale

Da das bürgerliche Trauerspiel ein Drama ist, hat es auch einige klassische Merkmale einer theatralischen Darstellung. Erstmals waren jedoch Personen aus der bürgerlichen Schicht die Protagonisten der Handlung. Ganz klassisch für die Tragödie befindet sich der Protagonist in einem tragischen Konflikt, der in einer Katastrophe endet.

Die Sprache, die im bürgerlichen Trauerspiel benutzt wurde, war in Prosa verfasst. Das heißt, es wurde erstmalig Fließtext in Sprache und Schrift benutzt. Klassische Tragödien davor waren in Versform, mit gereimten Aussagen, geschrieben.

Bürgerliches Trauerspiel — Merkmale Überblick
  • Charaktere aus dem Bürgertum (Protagonisten)
  • realistische Darstellung der Bürger mit ihren Stärken und Schwächen
  • Bürgerliches Umfeld als Schauplatz der Handlung
  • Standesunterschiede als Themenschwerpunkt
  • Drama in Prosa statt in Versform
  • tragisches Ende der Erzählung (Tragödie)
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Aufbau des bürgerlichen Trauerspiels

Der Aufbau des bürgerlichen Trauerspiels gleicht dem einer klassischen Tragödie. Du kannst dir den Aufbau wie eine Pyramide vorstellen. Es gibt insgesamt fünf Akte, die aufeinander aufbauen und ein sogenanntes Spannungsdreieck erzeugen.

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Bürgerliches Trauerspiel — Aufbau: Spannungsdreieck in 5 Akten

Akt 1: Exposition
Die Exposition ist die Einleitung der Tragödie. Es werden die wichtigsten Figuren vorgestellt. Außerdem gibt es eine zeitliche und örtliche Einordnung.

Akt 2: erregendes Moment
Eine Krise oder eine Intrige (erregendes Moment) führt dazu, dass sich die Handlung verschärft.

Akt 3: Peripetie
Die Hauptfigur befindet sich in einem Konflikt und muss eine Entscheidung treffen. Es kommt zu einem dramatischen Wendepunkt (Peripetie).

Akt 4: retardierendes Moment
Im letzten Spannungsmoment (retardierendes Moment) wird klar, ob das Schicksal der Hauptfigur noch gerettet werden kann oder nicht.

Akt 5: Katastrophe
Der letzte Akt endet in einer Katastrophe und es kommt zum Untergang des Protagonisten. Das ist oft der Tod der Hauptfigur.

Inhalte des bürgerlichen Trauerspiels

Ein tragischer Konflikt im bürgerlichen Umfeld steht immer im Mittelpunkt eines bürgerlichen Trauerspiels. Allerdings haben sich die konkreten Inhalte und Themen im Laufe der Zeit verändert. 

Anfangs lag der Themenschwerpunkt auf den Standesunterschieden der Bevölkerung. Konkret ging es dabei um die unterschiedliche Lebensweise von Bürgertum und Adel. Später wurden auch Konflikte, die innerhalb des Bürgertums auftraten, thematisiert.

Einzelne Personen versuchten, kleinbürgerliche Werte und Normen zu durchbrechen. Im Drama „Miss Sara Sampson“ von Lessing wird genau das thematisiert. Die Protagonistin ist bereit, ihre eigene Liebe zu opfern, um die Ehre ihrer Familie zu wahren.

Im späten 18. Jahrhundert richtete man sich thematisch sogar ganz explizit gegen das Bürgertum. Es wurden die ungleichen Lebensbedingungen innerhalb der Arbeiterklasse thematisiert. Der Konflikt bestand also nicht mehr zwischen Bürgertum und Adel, sondern zwischen den Bürgern und Arbeitern.

Bürgerliches Trauerspiel — Entstehung

Seit der Antike war die Tragödie dem Adel vorbehalten. Es galt die sogenannte Ständeklausel. Die besagte, dass der Held der Erzählung von einem hohen Stand sein musste. Im Laufe des Stücks konnte er durch einen tragischen Konflikt tief fallen. Das ist die sogenannte Fallhöhe des Protagonisten. Je höher die Fallhöhe, desto spannender und dramatischer ist die Erzählung. Einfache Bürger hingegen hatten nur eine begrenzte oder oft gar keine Fallhöhe.

Während der Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert stellte sich das aufstrebende Bürgertum nach und nach gegen den Adel. Die Bürger kämpften für Freiheit und Gleichberechtigung. Das wirkte sich nicht nur gesellschaftlich aus, sondern auch im Theater. Sie wollten ihre eigene Tragödie und so entstand das bürgerliche Trauerspiel — eine Tragödie mit bürgerlichen Charakteren und Themen.

Begründer Trauerspiel — Lessing

Der deutsche Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) war Begründer des bürgerlichen Trauerspiels. Sein Werk „Miss Sara Sampson“ (1755) wird als das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel bezeichnet. Das Trauerspiel von Lessing und seine anderen Werke, die das Bürgertum thematisierten, machten ihn zu einem bedeutenden deutschen Aufklärer

Bürgerliches Trauerspiel — Beispiele

Welche Werke gehören nun zum bürgerlichen Trauerspiel? Die drei wohl bekanntesten Dramen des Genres siehst du hier:

Bürgerliches Trauerspiel — Emilia Galotti

Lessings Drama „Emilia Galotti“ wurde 1772 veröffentlicht und gilt als ein Schlüsselwerk des bürgerlichen Trauerspiels. Es erzählt die Geschichte von Emilia, einer bürgerlichen Frau, die von einem Adligen, dem Prinzen von Guastalla, begehrt wird. Der Prinz setzt alles daran, Emilia für sich zu gewinnen, und schreckt vor keiner Intrige zurück. Die Handlung nimmt schließlich ein tragisches Ende.

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Szene aus „Emilia Galotti“ von Lessing (1800)

Die Tragödie entfaltet sich in einer bürgerlichen UmgebungDas Drama thematisiert die Machtstrukturen und die sozialen Normen der bürgerlichen Gesellschaft. Durch die Darstellung eines tragischen Konflikts in einer bürgerlichen Umgebung sollte das bürgerliche Trauerspiel die Zuschauer emotional berühren und zum Nachdenken über gesellschaftliche Fragen anregen. Das Werk hatte großen Einfluss auf die Weiterentwicklung des deutschen Theaters und auf die Literatur der Aufklärung.

Emilia Galotti — Zusammenfassung

Jetzt kennst du den Aufbau und die wichtigsten Merkmale des bürgerlichen Trauerspiels. Wenn du noch mehr zu Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“ erfahren willst, dann sieh dir hier unser Video dazu an! 

Zum Video: Emilia Galotti Zusammenfassung
Zum Video: Emilia Galotti Zusammenfassung

Bürgerliches Trauerspiel — häufigste Fragen

(ausklappen)
  • Welche Phasen gibt es im bürgerlichen Trauerspiel?
    Die Phasen im bürgerlichen Trauerspiel entsprechen meist dem fünfaktigen Aufbau der klassischen Tragödie: 1. Exposition (Einleitung und Vorstellung der Figuren), 2. erregendes Moment (Krise/Intrige setzt die Handlung in Gang), 3. Peripetie (Wendepunkt), 4. retardierendes Moment (letzte Spannungssteigerung), 5. Katastrophe (Untergang).
  • Was bedeutet Fallhöhe im bürgerlichen Trauerspiel?
    „Fallhöhe“ bezeichnet den Abstand zwischen der gesellschaftlichen Stellung einer Hauptfigur am Anfang und ihrem Absturz durch den tragischen Konflikt. In der traditionellen Tragödie war die Fallhöhe besonders groß, weil die Helden dem Adel angehörten; beim Bürgertum gilt sie als geringer.
  • Wer sind die Vertreter des bürgerlichen Trauerspiels?
    Zu den wichtigsten Vertretern des bürgerlichen Trauerspiels zählen Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Schiller und Friedrich Hebbel. Typische Werke sind Lessings „Emilia Galotti“ und „Miss Sara Sampson“, Schillers „Kabale und Liebe“ sowie Hebbels „Maria Magdalena“.
  • Was ist der Unterschied zwischen einem bürgerlichen Trauerspiel und einer klassischen Tragödie?
    Ein bürgerliches Trauerspiel zeigt tragische Konflikte mit bürgerlichen Figuren und in einem bürgerlichen Umfeld, während die klassische Tragödie traditionell adelige Helden in den Mittelpunkt stellt. Im bürgerlichen Trauerspiel werden Standesunterschiede zwischen Bürgertum und Adel oft zum Thema. Außerdem wird häufig Prosa statt Versform verwendet.

Dramen verstehen

Das bürgerliche Trauerspiel ist eine wichtige Form des Dramas in der Literatur der Aufklärung. Du ordnest Dramen nach Gattungen wie Tragödie oder Komödie und schaust auf Figuren, Konflikte und Sprache. So erkennst du, wie Aufbau und Standesunterschiede die Wirkung einer Szene bestimmen. Weitere Videos dazu findest du in unserem Deutschbereich.

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