Exakte DGL
Du möchtest wissen, was eine Exakte DGL ist und wie du sie lösen kannst? Im Folgenden zeigen wir dir das Vorgehen bei diesen speziellen Differenzialgleichungen an einem einfachen Beispiel.
Inhaltsübersicht
Exakte Differentialgleichung: Potentialkonstruktion
Zunächst schauen wir uns die Grundidee und zwar die Konstruktion eines Potentials an:

ist eine Potentialfunktion, die entlang von
konstant ist. Du kannst sie dir wie eine konstante Höhe im Gebirge vorstellen. Entlang der Höhenlinie bist du auf demselben Potential. Ein gleiches Spannungsniveau im elektrischen Schaltkreis wäre ebenfalls ein Beispiel dafür.
Die Konstante
kannst du mithilfe eines Anfangswertes bestimmen.

Schließlich kann man die Gleichung eindeutig nach y auflösen, um eine Lösung zu erhalten.
Herleitung der Integrabilitätsbedingung
Du fragst dich, wo hier jetzt eine Differentialgleichung steckt? Dazu leiten wir
ab. Zunächst bilden wir die partielle Ableitung nach
und danach nach
, die wir noch mit der inneren Ableitung, also
multiplizieren müssen. Auf der rechten Seite der Gleichung für
steht eine Konstante, deren Ableitung Null ist.

Schon hat sich eine DGL ergeben. Nun ersetzen wir die partiellen Ableitungen von
durch die Funktionen
und
.

Eine exakte DGL muss genau diese Form haben. Vergleichst du diese mit dem vorherigen Ausdruck, stellst du fest, dass folgende Teile übereinstimmen.


ist die partielle Ableitung von
und
die partielle Ableitung nach
.
Jetzt leitest du nochmal nach der jeweils anderen Variable ab.


Nach dem Satz von Schwarz kann in der zweiten Ableitung die Reihenfolge der partiellen Ableitungen vertauscht werden, sodass die gemischten Ableitungen einander entsprechen.

Schreiben wir das nun wieder als
und
:

Wir haben uns eine Bedingung für Exaktheit hergeleitet. Sie heißt Integrabilitätsbedingung. Ist diese Bedingung erfüllt, haben wir eine exakte DGL.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Exakte DGL — häufigste Fragen
(ausklappen)
Exakte DGL — häufigste Fragen
(ausklappen)-
How to solve an exact differential equation?Eine exakte Differentialgleichung löst du, indem du zuerst
und
abliest und danach
prüfst. Zum Beispiel ist
exakt, weil
und
gilt. Dann integrierst du
nach
zu
. Danach bestimmst du
aus
zu
und erhältst
.
-
Wann hat eine Funktion ein Potential?Eine Funktion hat ein Potential
, wenn du
und
so wählen kannst, dass beide Ableitungen zu derselben
passen. Diese Möglichkeit erkennst du an der Integrabilitätsbedingung
. Der Grund ist der Satz von Schwarz, weil bei einem Potential die gemischten Ableitungen
und
gleich sein müssen.
-
Warum ist die Integrationskonstante nach dem Integrieren einer Funktion von x und y eine Funktion von y und keine echte Konstante?Die Integrationskonstante wird beim Integrieren nach
zu einer Funktion
, weil jede reine
-Funktion beim Ableiten nach
wieder verschwindet. Zum Beispiel gilt
, weil
ist. Danach bestimmst du
, indem du
mit
vergleichst.
Exakte DGL – Beispiel
Soweit zur Theorie. Es wird Zeit für ein Beispiel

Du hast diese Gleichung vor dir liegen und vergleichst sie mit der allgemeinen Form,

um
und
zu bestimmen. Nun prüfst du die Integrabilitätsbedingung, indem du zuerst
nach
ableitest.
abgeleitet nach
ergibt Null und
abgeleitet nach
ergibt
. Dann leitest du noch
nach
ab.
y nach
abgeleitet ergibt
, die Konstante 1 fällt beim Ableiten raus. Du stellst fest,

dass die Integrabilitätsbedingung erfüllt ist.
ist gleich
. Daraus kannst du folgern, dass deine DGL exakt ist.
Das Potential kannst du auf verschiedene Arten konstruieren. Die erste Möglichkeit ist, dass du
nach
integrierst,

da wir
als
definiert haben.

Außerdem intergierst du
entsprechend seiner Definition als
nach
.
Die Integrationskonstanten
und
sind jeweils von der Variablen
oder
abhängig, nach der nicht integriert wurde.
Zurück zum Beispiel: Wir integrieren
nach 

Das ergibt

Als nächstes integrieren wir
nach
.
Jetzt vergleichen wir die Integrale:

Du erkennst den Mischterm
in beiden Integralen. Der Anteil
ist nur von
abhängig und entspricht somit der Integrationskonstante
. Analog dazu ist
gleich
.
Es ergibt sich

Ganz wichtig ist, dass du die Integrale vergleichst und nicht einfach beide Integrale addierst. Sonst nimmst du den Mischterm doppelt ins Ergebnis auf und das ist falsch.
Kommen wir jetzt noch zur zweiten Möglichkeit um
zu ermitteln. Sie erfordert weniger Integrierarbeit, allerdings musst du dich mehr konzentrieren, um den Überblick zu behalten.
Nach der ersten Integration

kannst du das Ergebnis auch nach der anderen Variablen ableiten und anschließend mit
vergleichen.
Der Mischterm
taucht auf beiden Seiten auf und außerdem ist
. Integriert nach
ergibt sich
. Das führt ebenfalls zum Ergebnis
