Poisson Gleichung
Die Poisson Gleichung ist ein weiteres Beispiel partieller Differentialgleichungen. In diesem Beitrag erklären wir dir, was sie bedeutet und wie du sie lösen kannst.
Inhaltsübersicht
Lösen der Poisson-Gleichung auf dem Einheitsquadrat
Die Poisson Gleichung wird auch Membrangleichung genannt. Sie eignet sich dafür, die stationäre Auslenkung, also den Gleichgewichtszustand, einer Membran unter Belastung zu beschreiben. Sie ist genau wie die Laplace-Gleichung eine elliptische Differentialgleichung. In diesem Beitrag lösen wir die Poisson-Gleichung auf dem Einheitsquadrat.

Wir wollen die zweidimensionale Poisson-Gleichung auf dem Einheitsquadrat lösen.

Am Rand fordern wir homogene Dirichlet-Randbedingungen, die einer festen Einspannung der Membran entsprechen.

Wir wollen die Poisson-Gleichung auf Sturm-Liouville-Probleme zurückführen und die Lösung dann durch einen Fourierreihenansatz konstruieren. Dafür suchen wir nach Eigenwerten und Eigenfunktionen der Gleichung, indem wir
durch
ersetzen.

Du wirst später sehen, warum wir das machen und dass wir auf
zurückkommen. Wie diese Funktion genau aussieht, spielt keine Rolle. Wir können später eine beliebige einsetzen.
Produktansatz anwenden
Jetzt wählst du den Produktansatz

für
,

setzt ihn in die Gleichung ein und teilst die Gleichung durch X mal Y.

Schau dir die entstehende Gleichung jetzt genau an. Ein Term ist nur von x und der zweite nur von y abhängig. Das bedeutet, dass beide Terme konstant sein müssen und in Summe Lambda ergeben.

Es ergeben sich zwei gewöhnliche Differentialgleichungen

Aus den Randbedingungen folgt, dass

sind und

sind.
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Sturm-Liouville-Problem lösen
Jetzt können wir die eindimensionalen Probleme lösen. Sie sind sogar symmetrisch. Also reicht es eins der beiden Probleme zu lösen. Die Lösung gilt dann für beide.

Damit ergeben sich die Eigenwerte Lambda zu

Du erinnerst dich: Lambda ist die negative Summe von a und b. Die entsprechenden Eigenfunktionen

sind das Produkt aus den Lösungen. Die allgemeine Gesamtlösung ergibt sich aus allen Linearkombinationen der Eigenfunktionen, ist also die Summe über m und n.

Jetzt kommen wir zurück auf die Funktion f auf der rechten Seite der Differentialgleichung

F hatten wir ja mit
ersetzt (1). Jetzt können wir dafür die Lösungen einsetzen (2) und Lambda ausschreiben (3). M Quadrat plus n Quadrat mal Pi Quadrat mal
ersetzen wir durch die Koeffizienten
(4).
Das Ergebnis ist eine Fourierreihe, dessen Koeffizienten du über folgendes Integral berechnest.

[[faq]]
Poisson Gleichung — häufigste Fragen
Anwenden an einer konkreten Funktion
Jetzt schauen wir uns mal eine konkrete Funktion f an.

Davon bestimmen wir die Koeffizienten
. Wir beginnen bei
. Du kannst in der Koeffizientenformel
durch 1 ersetzen (1) und kannst die Integrale trennen: (1 -> 2) in das Integral über
und das über
. Werten wir mal das Integral über den Sinus aus (3) und setzen für beide Integrale die Lösung ein (2-> 4). Es ergibt sich
.
Jetzt wollen wir ein paar Integrale für verschiedene m lösen.
Du erkennst ein Muster. Für gerade m verschwindet das Integral und für ungerade m ergibt sich
für das Integral. Für
bedeutet das folgendes:
Daraus kannst du jetzt die Koeffizienten
bestimmen,

die du in die allgemeine Lösung

einsetzt, wenn du m und n substituierst.

Da nur die geraden
und
Anteile in der Lösung haben, kannst du die Lösung wieder übersichtlich als Summe schreiben.

Jetzt weißt du auch, wie du die Poisson-Gleichung auf dem Einheitsquadrat mithilfe von Eigenwerten und Eigenfunktionen und einem Fourierreihenansatz löst. Damit hast du all unsere Beiträge zum Thema partielle Differentialgleichungen gelesen und hast diese hoffentlich verstanden.
Poisson Gleichung — häufigste Fragen
(ausklappen)
Poisson Gleichung — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Warum löst man bei der Poisson-Gleichung zuerst das Eigenwertproblem minus Delta u = lambda u, obwohl rechts f(x, y) steht?Das Eigenwertproblem
löst du zuerst, weil seine Eigenfunktionen genau die Basis liefern, in der du die Lösung
und die rechte Seite
als Fourierreihe darstellen kannst. Dann wirkt
auf jede Basisfunktion nur als Multiplikation mit
, und du bestimmst die Koeffizienten einzeln.
-
Warum müssen die Terme minus X“ geteilt durch X und minus Y“ geteilt durch Y beim Produktansatz konstant sein (a und b)?Beim Produktansatz
bekommst du
, wobei der erste Ausdruck nur von
und der zweite nur von
abhängt. Damit die Summe für alle
denselben Wert
hat, dürfen die Terme nicht variieren. Deshalb setzt du sie als Konstanten
und
.
-
Warum verschwinden bei f(x, y) = 1 die Fourier-Koeffizienten f(m,n) für gerade m oder n?Bei
zerfällt
in ein Produkt aus zwei Integralen, etwa
. Dabei gilt
. Für gerades
ist
, also wird das Integral null, und damit verschwindet
(analog für gerades
).