Fourierreihen
Die Fourierreihen bereiten dir noch Probleme? Im Folgenden zeigen wir dir, wie du Fourierreihen bildest und erklären dir an einem einfachen Beispiel wie du sie anwendest.
Inhaltsübersicht
Erklärung Fourierreihen: Trigonometrische Reihe
Als Erstes schauen wir uns die trigonometrische Reihe an. Wie du im Graph siehst, wiederholt sich ihr Verlauf; sie ist periodisch.
Sie lässt sich als Funktionenreihe schreiben, die sich aus Sinus- und Kosinusfunktionen mit Koeffizienten
und
zusammensetzt.
Fourierreihenentwicklung: Orthogonalitätsrelationen
Um nun die Koeffizienten so zu bestimmen, dass die trigonometrische Reihe mit einer beliebigen periodischen Funktion übereinstimmt, brauchen wir die sogenannten Orthogonalitätsrelationen für trigonometrische Funktionen.
Das sind einfach nur drei Integrale über Produkte aus Kosinus- und Sinusfunktionen. Die Berechnung ersparen wir uns an dieser Stelle. Die Ergebnisse sind entweder null,
oder
, je nachdem ob n und m übereinstimmen oder nicht.
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Anwendung Orthogonalitärsrelationen – Fourierkoeffizienten
Diese Orthogonalitätsrelationen wollen wir jetzt anwenden.
Dazu multiplizieren wir die trigonometrische Reihe mit dem Kosinus und integrieren über x von Null bis
. Wir setzen die trigonometrische Reihe ein und teilen das Integral in drei Integrale auf. Dabei ziehen wir die konstanten Koeffizienten aus den Integralen heraus. Schauen wir uns jetzt die einzelnen Summanden Schritt für Schritt an. Das Integral des Kosinus über die Periodenlänge von
ist Null. Die Fläche unterhalb der x-Achse entspricht der Fläche oberhalb der x-Achse. Das gilt auch für
, zum Beispiel für
. Die Periodenlänge ist jetzt ein Teiler von
, und zwar
. Der erste Summand fällt also raus, außer m ist gleich Null.
Für den zweiten Summanden schauen wir uns die zweite Orthogonalitätsrelation an. Nur wenn
ist, erhalten wir hier ein Ergebnis ungleich Null. Da die Summe bei Eins beginnt, kommt der erste Fall, also
auch nicht vor. Der dritte Summand fällt entsprechend der ersten Orthogonalitätsrelation immer raus.
Im Fall
bleibt also nur das Integral von
übrig. Für
haben wir im zweiten Kosinus
eingesetzt, da
gilt. Das Integral ergibt
. Multipliziert mit
ist es
. Jetzt kannst du den Ausdruck nach
umstellen und hast eine Vorschrift für den Koeffizienten
gefunden.

Die Koeffizienten berechnen sich analog.

Hier hättest du anfangs mit dem Sinus
multiplizieren müssen.
ist ein Sonderfall. Hier bleibt nur der erste Summand unseres Integrals übrig. Der Koeffizient
berechnet sich so:

Fourier Reihen Definition
Das sind die Fourierkoeffizienten. Das Gute ist, dass du diese Formeln in der Regel nur anwenden und nicht herleiten musst. Das führt uns direkt weiter zur Definition der Fourierreihe.

Nehmen wir an, du hast eine
-periodische Funktion
, die stückweise stetig differenzierbar ist, das heißt der Graph von
besitzt höchstens endlich viele Sprungstellen oder Knicke. Diese Funktion lässt sich als trigonometrische Reihe darstellen. Die Fourierkoeffizienten berechnen sich wie zuvor hergeleitet mit:
Die trigonometrische Reihe mit diesen Koeffizienten heißt Fourierreihe zur Funktion
.
ist der Mittelwert der Funktion
. Das Fourier-Polynom ist entsprechend dem Taylor-Polynom definiert:

Wenn du nur endlich viele Summanden berücksichtigst, erhältst du das trigonometrische Fourier-Polynom der Ordnung m. Als nächstes zeigen wir dir Vereinfachungen bei geraden und ungeraden Funktionen.
Fourierreihe – Vereinfachungen bei geraden und ungeraden Funktionen
Wenn
gerade ist, dann ist
eine reine Kosinus-Reihe, das heißt
für alle n.
Wenn
ungerade ist, dann ist
eine reine Sinus-Reihe, das heißt
für alle n.
Das Integral
in der Definition der Koeffizienten kann durch ein beliebiges anderes Integral über ein Intervall der Länge
ersetzt werden, z.B. durch
.
Wenn
eine stetige, stückweise glatte Funktion ist, also Knicke aufweist, aber keine Sprünge, dann konvergiert die Fourier-Reihe gleichmäßig und es gilt
.
Wenn
stückweise glatt, aber unstetig ist, dann gilt
nur für die Stetigkeitspunkte. An den Stellen
, an denen
unstetig ist, konvergiert die Fourierreihe gegen den Mittelwert

Das Plus steht für eine Annäherung an die Stelle
von oben und das Minus für eine Annäherung von unten. Die Konvergenz ist nicht gleichmäßig. Man beobachtet in der Nähe von Sprungstellen für alle Fourierpolynome ein Überschwingen, das auch nicht verschwindet, wenn man die Fourierreihe mit unendlich vielen Termen bildet. Es beträgt asymptotisch etwa 9 % der Sprunghöhe und heißt Gibb’sches Phänomen.
Fourierreihen — häufigste Fragen
(ausklappen)
Fourierreihen — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Wie baue ich die Fourierreihe einer zwei pi periodischen Funktion aus Sinus und Kosinus auf?Die Fourierreihe einer
-periodischen Funktion
setzt du als Summe aus Konstantanteil, Kosinus- und Sinus-Terms an:
. Konkret bedeutet das: Du bestimmst anschließend
,
und
mit Integralen über eine volle Periode.
-
Wie berechne ich den Fourierkoeffizienten a null für eine gegebene Funktion?Den Fourierkoeffizienten
berechnest du als Mittelwert von
über eine Periodenlänge:
. Zum Beispiel gilt für
auf
:
, also
und damit
.
-
Wie berechne ich die Fourierkoeffizienten a n und b n mit Integralen über eine Periodenlänge?Die Fourierkoeffizienten
und
bekommst du über eine volle Periode durch
und
. Zum Beispiel ist für
der Koeffizient
, während alle anderen Koeffizienten
werden.
-
Wann verschwinden bei einer Fourierreihe alle Sinus Terme?Alle Sinus-Terme verschwinden bei der Fourierreihe genau dann, wenn
gerade ist, also
gilt. Dann ist
für alle
und es bleibt eine reine Kosinus-Reihe plus
. Zum Beispiel ist
gerade und hat deshalb keine Sinus-Anteile.
-
Gegen welchen Wert konvergiert die Fourierreihe an einer Sprungstelle?An einer Sprungstelle konvergiert die Fourierreihe nicht auf den Funktionswert, sondern auf den Mittelwert der einseitigen Grenzwerte:
. Hierzu ein Beispiel: Springt
bei
von
auf
, dann nähert sich die Fourierreihe dort dem Wert
.
Fourierreihe Beispiel
Du hast die Fourierreihen nun hoffentlich verstanden und kannst dir das Ganze nun an zwei Beispielen genauer ansehen.
Unser erstes Beispiel ist diese periodische Funktion.

Es ist eine unstetige Funktion, die aus Geraden auf Abschnitten der Länge
besteht.
Außerdem handelt es sich um eine ungerade Funktion, also kannst du schon jetzt folgern, dass alle
sind. Die Koeffizienten
kannst du nach der Formel für die Koeffizienten in der Fourierreihe berechnen.

![Rendered by QuickLaTeX.com =\frac{1}{\pi}\left[\frac{\sin{nx}-nx\cos{nx}\ }{n^2}\right]_{-\pi}^\pi=\frac{2(\sin{n\pi}-n\pi\cos{n\pi})\ }{\pi n^2}=\left(-1\right)^{n+1}\frac{2}{n}](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-4bef19f45f60221d32b1f1756798fb1c_l3.png)
Für
setzt du
ein und bestimmst das Integral und wertest es aus. Der Sinus von
ist immer Null. Der Kosinus von
ist abwechselnd Eins und minus Eins. Das
und ein n kürzen sich heraus und es bleibt
. Also ergibt sich folgende Fourierreihe:

Als nächstes wollen wir uns die Fourier-Polynome mal ansehen. Das erste Fourierpolynom ist
und ergibt sich zu
:
Der einzelne blau dargestellte Sinus kann die schwarze Funktion nicht zufriedenstellend nachbilden. Daher bestimmen wir
:

Der orangefarbene Graph ist schon eine bessere Approximation. Jetzt machen wir größere Schritte. Wir bestimmen
.

Wie wir an der gelben Kurve erkennen können, ist die Approximation wieder besser geworden.