Transformation in System 1. Ordnung
Du möchtest wissen, wie du eine lineare Differentialgleichung höherer Ordnung in ein System 1. Ordnung transformierst? Im Folgenden zeigen wir dir das Vorgehen an einem einfachen Beispiel.
Inhaltsübersicht
Beispiel zur Transformation in ein System 1. Ordnung
In vielen Fällen ist es einfacher mit Differentialgleichungen erster Ordnung zu rechnen. Dafür gibt es verschiedene Lösungsmethoden, wie die Variation der Konstanten. Diese Methode kannst du auch auf Systeme übertragen. Wie du eine DGL höherer Ordnung in ein System erster Ordnung transformierst, zeigen wir direkt an einem Beispiel.
Du hast eine DGL zweiter Ordnung, wie diese hier:

Nun führst du zwei neue Variablen ein:
und
. Diese setzt du in die ursprüngliche DGL zweiter Ordnung ein. Und schon ist es eine Differentialgleichung erster Ordnung.
Die zwei Variablen
und
verlangen nach einem System aus zwei Differentialgleichungen. Das ist wie bei linearen Gleichungssystemen. Du brauchst zwei Gleichungen bei zwei Unbekannten. Die zweite DGL deines Systems ergibt sich aus der Definition von
, in der du
durch
ersetzt.
und
sind ja schließlich gleich. Es ergibt sich das Differentialgleichungssystem erster Ordnung. Das kannst du jetzt auch in Matrizenschreibweise schreiben:

Die Vorfaktoren vor
und
kommen an die passende Stelle in der Matrix und Inhomogenitäten in einen Extra Vektor. Allgemein kannst du schreiben:

Im Beispiel ergeben sich für den Vektor y, die Matrix A und den b-Vektor:

Transformation in System 1. Ordnung — häufigste Fragen
(ausklappen)
Transformation in System 1. Ordnung — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Wie wähle ich die neuen Variablen bei einer DGL zweiter Ordnung?Bei einer DGL zweiter Ordnung wählst du die neuen Variablen als Funktion und erste Ableitung, also
und
. Dadurch kannst du
über
ausdrücken und bekommst ein System aus zwei DGL erster Ordnung.
-
Was ist die zweite Gleichung im System bei y₁ gleich y?Die zweite Gleichung im System entsteht aus der Definition von
: Weil
und zugleich
gilt, folgt direkt
. Konkret bedeutet das: Die Ableitung der ersten neuen Variable ist die zweite Variable.
-
Wie baue ich die Matrix A aus den Vorfaktoren der DGL?Die Matrix
entsteht, indem du die rechten Seiten der Gleichungen
als Linearkombination von
schreibst und die Vorfaktoren als Matrixeinträge übernimmst. Zum Beispiel wird aus
die Zeile
.
-
Wo kommt die Inhomogenität in der Matrix-Vektor-Form hin?Die Inhomogenität kommt in der Matrix-Vektor-Form in einen separaten Vektor
, nicht in die Matrix
. In der Schreibweise
enthält
genau die Terme, die nicht mit einer der Variablen
multipliziert sind.
-
Warum brauche ich bei einer DGL vierter Ordnung vier Variablen?Bei einer DGL vierter Ordnung brauchst du vier Variablen, weil du die Ableitungskette bis zur dritten Ableitung als eigene Zustandsgrößen abbilden musst, damit alles nur noch erste Ableitungen enthält. Auch wenn
in der DGL nicht vorkommt, wird die Variable dafür trotzdem benötigt.
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Weiteres Beispiel: DGL vierter Ordnung
Die Transformation in ein System erster Ordnung ist bei Differentialgleichungen höherer Ordnung genauso möglich. Machen wir mal ein Beispiel einer DGL vierter Ordnung.

Wir gehen nach dem gleichen Schema vor und führen neue Variablen ein.
Du brauchst bei einer DGL vierter Ordnung vier neue Variablen; auch wenn die dritte Ableitung in der DGL nicht vorkommt, wie in diesem Fall. Diese kannst du jetzt in die Differentialgleichung vom Anfang einsetzen, damit sich eine DGL erster Ordnung ergibt. Jetzt lösen wir diese nach der Ableitung
auf. Das DGL-System in Matrix-Schreibweise ergibt sich wie folgt:
Die ersten drei Zeilen der Matrix ergeben sich wieder aus den Definitionen der neuen Variablen. Du erkennst hier sogar ein Muster, eine um eine Stelle nach rechts versetzte Einheitsmatrix. Die letzte Zeile ist die ursprüngliche DGL. Somit enthält nur die letzte Stelle des b-Vektors einen Eintrag. Die Struktur


der Matrix A und des Vektors b ist allgemeingültig. Sie enthält also in jedem Fall eine um rechts verschobene Einheitsmatrix und kann nur in der untersten Zeile überall Einträge haben.
Jetzt weißt du, wie du Differentialgleichungen höherer Ordnung ganz einfach lösen kannst, indem du sie in ein System erster Ordnung umformst.