Was sind die Merkmale von Balladen? Und wie kann ich eine Ballade analysieren? Im Beitrag und im Video beantworten wir deine Fragen!
Inhaltsübersicht
Was ist eine Ballade?
Die Ballade ist eine besondere Gedichtform, da sich ihre Merkmale allen drei literarischen Gattungen zuordnen lassen:
Du kannst dir die Ballade als ein langes Gedicht vorstellen, das eine Geschichte erzählt. Wegen dieser Eigenschaft wird sie oft als Erzählgedicht bezeichnet.
Es gibt Volks- und Kunstballaden. Balladen, die nur mündlich überliefert wurden, nennst du Volksballaden. Im Unterricht wirst du dich jedoch eher mit Kunstballaden auseinandersetzen. Diese wurden schriftlich festgehalten und die Namen der Dichter sind bekannt. Von Goethe, Schiller oder Fontane hast du vielleicht schon etwas gelesen. Typische Balladen (wie z. B. Goethes „Der Zauberlehrling“) erzählen meist von einem prägenden, oft übernatürlichen Ereignis.
Merkmale einer Ballade
Sieh dir zunächst die allgemeinen Merkmale einer Ballade an:
- Im Mittelpunkt steht ein lebensveränderndes, unabwendbares Ereignis (z. B. in Goethes „Erlkönig“ verliert ein Vater sein Kind).
- Das Geschehen soll zum Nachdenken anregen und z. B. eine bestimmte Moral (→ Was ist richtig und falsch?) vermitteln.
- Das beschriebene Ereignis ist oft rätselhaft, unerklärlich, mystisch oder magisch.
- Es können auch übernatürliche Gestalten (z. B. Geister und Naturwesen) vorkommen.
Du weißt bereits, dass die Ballade Merkmale aus der Lyrik, Epik und Dramatik aufweist. Welche das genau sind, erfährst du jetzt!
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Lyrische Merkmale: Ballade
Gedichte gehören zur Gattung der Lyrik. Die lyrischen Elemente einer Ballade sind:
- Sie besteht aus mehreren Strophen und Versen .
- Es gibt ein Reimschema .
- Durch das Metrum hat die Ballade einen bestimmten Rhythmus (→ erinnert beim Vortragen an ein Lied).
- Die Beschreibungen sind lebendig durch rhetorische Mittel wie Metaphern, Personifikationen oder Symbole.
Epische Merkmale: Ballade
Zur Epik gehören verschiedene Arten von Geschichten (z. B. Romane, Kurzgeschichten, Fabeln). Die epischen Merkmale einer Ballade sind:
- Sie erzählt eine zusammenhängende Geschichte.
- Ort, Zeit und die Figuren werden vorgestellt.
- Es gibt einen Spannungsbogen (die Spannung steigt bis zu einem Höhepunkt und fällt dann wieder ab).
- Oft gibt es einen Erzähler, aus dessen Perspektive das Geschehen beschrieben wird.
- Als Zeitform wird oft das Präteritum verwendet.
Dramatische Merkmale: Ballade
Zu der Gattung Dramatik gehören Theaterstücke (z. B. Komödien oder Tragödien). Die dramatischen Merkmale einer Ballade sind:
- Oft gibt es viele Dialoge und wörtliche Rede.
- Es können verschiedene Figuren vorkommen.
- Manchmal gibt es einen Helden als zentrale Figur, der einer schwierigen Situation gegenüber steht.
- Es gibt nicht viele Ortswechsel, doch es kann zwischen verschiedenen Szenarien hin und her gesprungen werden.
Wusstest du schon? Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften, die aus allen drei literarischen Gattungen stammen, bezeichnete Goethe die Ballade als „Urei der Dichtung“.
- Der Erlkönig – Johann Wolfgang von Goethe (1782)
- Der Zauberlehrling – Johann Wolfgang von Goethe (1797)
- Der Knabe im Moor – Annette von Droste-Hülshoff (1842)
- Die schlesischen Weber – Heinrich Heine (1844)
- Belsazar – Heinrich Heine (1854)
- Die Brück am Tay – Theodor Fontane (1880)
- Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland – Theodor Fontane (1889)
Merkmale Balladen – Beispiel: Der Zauberlehrling
Bekannte Balladen wie z. B. Goethes „Der Zauberlehrling“ begegnen dir mit Sicherheit auch im Deutschunterricht. Damit es dir leichter fällt, die Merkmale zu erkennen, schauen wir uns jetzt dieses Ballade Beispiel an. In unserem eigenen Beitrag dazu findest du den Text und alles Wichtige zum Inhalt des Werks!
Zunächst kannst du in „Der Zauberlehrling“ allgemeine Merkmale einer Ballade erkennen:
- Im Mittelpunkt steht ein bestimmtes Ereignis: eine schwierige Situation, die die Hauptfigur bewältigen muss.
→ Der Zauber des Lehrlings gerät außer Kontrolle.
- Es geht um Zauberei.
→ Die Figuren sind ein Zauberlehrling und sein Hexenmeister; es werden Zaubersprüche gesprochen und z. B. ein Besen zum Leben erweckt.
- Eine bestimmte Botschaft wird vermittelt: „Hochmut kommt vor dem Fall.“
→ Die Ballade warnt vor Übermut und lobt die Vernunft.
Sehen wir uns jetzt die Merkmale der Ballade aus der Lyrik, Epik und Dramatik an.
Lyrische Merkmale:
- Die Ballade besteht aus 7 Strophen und insgesamt 98 Versen.
- Es gibt Reimschemata (z. B. Kreuzreime) und ein Versmaß (Trochäus).
- Rhetorische Mittel wurden verwendet (z. B. Alliterationen: „Seine Wort‘ und Werke“, V. 5 oder Anaphern: „Welche Miene! welche Blicke“, V. 56).
Epische Merkmale:
- Es geht um eine zusammenhängende, ereignisreiche Handlung.
- Ein Spannungsbogen ist erkennbar: von Hochmut und Begeisterung über Verzweiflung und Panik bis zur Rettung.
Dramatische Merkmale:
- Es gibt zwei verschiedene Figuren: Zauberlehrling und Hexenmeister.
- Die Ballade besteht nur aus direkter Rede: Monolog des Zauberlehrlings und zum Schluss Worte des Hexenmeisters.
Ballade analysieren – Tipps zur Gedichtanalyse
In einer Gedichtanalyse reicht es nicht aus, nur die Merkmale der Ballade aufzuzählen. Gehe auch auf ihre Wirkungen ein. Oft passen z. B. Sprache und Form des Gedichts zum Inhalt.
Die Verse in „Der Zauberlehrling“ sind beispielsweise unterschiedlich lang und sehen zusammen wie Wellen aus. Das erinnert an die beschriebenen Wassermassen. Der Kreuzreim passt zum Hin- und Herlaufen des verzauberten Besens. Und außerdem entsteht durch das Metrum ein Rhythmus, mit dem die Ballade selbst wie ein Zauberspruch klingt.
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Expertenwissen: Arten von Balladen
Zunächst kannst du bei Balladen zwischen Volks- und Kunstballaden unterscheiden. Volksballaden wurden mündlich überliefert und ihre Dichter sind unbekannt. Kunstballaden wurden dagegen aufgeschrieben und ihre Verfasser sind dementsprechend bekannt.
Es gibt aber noch weitere Unterkategorien für Balladen:
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Numinose Ballade:
Es gibt eine Gegenüberstellung von Mensch und Magie. Das Schicksal des Menschen wird durch das Magische stark beeinflusst.
→ Beispiel: „Erlkönig“ von Goethe
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Historische Ballade:
Das sind meist mündlich verbreitete Volksballaden, die von geschichtlichen Ereignissen handeln. Dazu gehören Ritterballaden (→ „Der Handschuh“ von Schiller), Heldenballaden (→ das „Ludwigslied“), Heiligen- und Legendenballaden (→ „Tannhauser“).
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Exempelballade:
Allgemeine Situationen oder bestimmte Gedanken werden anhand von einem konkreten Beispiel veranschaulicht.
→ Beispiel: „Der Handschuh“ von Schiller
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Ideenballade:
Die Ballade soll mithilfe ihrer Eigenschaften den Leser „erziehen“.
→ Beispiel: „Der Zauberlehrling“ von Goethe
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Technikballade:
Es werden technische Entwicklungen kritisiert. Die Erfindungen der Menschen geraten außer Kontrolle, werden zur Bedrohung und enden in einer Katastrophe.
→ Beispiel: „Die Brück am Tay“ von Fontane
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Politische / Soziale Ballade:
Es wird auf politische oder soziale Missstände hingewiesen und die Gesellschaft kritisiert.
→ Beispiel: „Die Legende vom toten Soldaten“ von Brecht
Im 12. Jahrhundert war „Ballade“ die Bezeichnung für ein Tanzlied. Typisch waren ein einfacher Aufbau einer Ballade und ein regelmäßiges Metrum, zu dem man gut tanzen konnte. Im 15. und 16. Jahrhundert verbreiteten sich dann die mündlich überlieferten Volksballaden. Im späten 18. Jahrhundert wurden Balladen komplexer und entwickelten sich zum mehrstrophigen Erzählgedicht, wie wir es heute kennen. In der Zeit des Sturm und Drang und in der Romantik wurden alte Themen der Volksballaden (z. B. Naturmagie, Fabelwesen) wieder aufgegriffen.
Gedichtanalyse
Sehr gut, was Balladen sind, weißt du jetzt! Auf die Ballade Merkmale kannst du jetzt in deiner Gedichtanalyse eingehen. Wie du den Inhalt, die Form und die Sprache von Gedichten untersuchst, erfährst du in unserem nächsten Beitrag !
Merkmale einer Ballade — häufigste Fragen
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Merkmale einer Ballade — häufigste Fragen
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Woran erkennt man eine Ballade?Eine Ballade erkennt man daran, dass sie wie ein Gedicht aufgebaut ist, aber gleichzeitig eine Geschichte mit Handlung erzählt und oft szenisch wirkt. Typisch sind Strophen und Verse mit Reim und Rhythmus, dazu Figuren, ein Spannungsbogen und häufig Dialoge oder direkte Rede. Oft geht es um ein prägendes, unabwendbares Ereignis.
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Was sind epische Elemente in einer Ballade?Epische Elemente in einer Ballade sind Merkmale, die man auch aus Erzählungen kennt. Dazu gehören eine zusammenhängende Handlung, die Vorstellung von Ort, Zeit und Figuren sowie ein Spannungsbogen mit Höhepunkt. Häufig gibt es einen Erzähler, und die Handlung steht oft im Präteritum.
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Was ist der Unterschied zwischen Volksballade und Kunstballade?Der Unterschied zwischen Volksballade und Kunstballade liegt vor allem in der Überlieferung und Autorschaft: Volksballaden wurden mündlich weitergegeben, deshalb ist der Dichter meist unbekannt. Kunstballaden wurden schriftlich verfasst und festgehalten, und der Name des Autors ist bekannt.
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Wie beschreibt man in einer Balladenanalyse die Wirkung von Reim und Rhythmus?Die Wirkung von Reim und Rhythmus beschreibt man, indem man zuerst Reimschema und Rhythmus benennt und dann erklärt, wie sie beim Lesen klingen und welche Stimmung sie erzeugen. Ein gleichmäßiger Rhythmus kann wie ein Lied wirken, abgehackte Rhythmen können Unruhe und Spannung verstärken.
Gedichte verstehen
Die Ballade ist eine besondere Gedichtform und gehört damit ins Themenfeld Gedichte. Wer sich mit Gedichten beschäftigt, schaut auf Form, Sprache und Inhalt und vergleicht verschiedene Gedichtarten. So erkennst du, wie Reime, Rhythmus und Bilder die Stimmung beeinflussen und eine Aussage verstärken. Im Deutschbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.