Einer der bedeutendsten Vertreter des Realismus ist Theodor Fontane. Warum er so wichtig für die Epoche war und wie sein Leben aussah, erfährst du in unserem Beitrag und im Video .
Inhaltsübersicht
Wer war Theodor Fontane?
Heinrich Theodor Fontane (1819–1898) zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern und Dichtern des Realismus. Außerdem war er lange Zeit als Apotheker und Theaterkritiker tätig.
Fontanes Werke spiegelten oft seinen aktuellen Lebenszustand wieder und gaben einen Blick auf seine politische Ausrichtung. Außerdem war er in seinen Schriften sehr weltoffen und interessierte sich für fremde Kulturen und Orte.
💡Fontane begann seine berühmtesten Romane und Novellen erst im fortgeschrittenen Alter zu schreiben — mit knapp 60 Jahren.
Lebenslauf & Biografie
Henri Théodore Fontane wurde am 30. Dezember 1819 als Sohn eines Apothekers in Neuruppin (Brandenburg) geboren, wo er auch seine ersten sieben Lebensjahre verbrachte. Seine Familie stammte von französischen Hugenotten ab, die wegen ihres protestatischen Glaubens fliehen mussten.
Du kannst dir den Lebenslauf auch hier als PDF herunterladen: Theodor Fontane Lebenslauf
💡Fontanes Geburtshaus, das früher auch die familieneigene Apotheke war, steht heute unter Denkmalschutz und ist unter dem Namen Fontane-Haus bekannt.
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Jugend und Ausbildung
Die Familie Fontane zog 1827 nach Swinemünde (heutiges Polen), da sein Vater aufgrund von Schulden die Familien-Apotheke in Neuruppin verkaufen musste.
Sein Vater erwarb auch dort eine Apotheke und startete ein neues Geschäft. In Swinemünde wurde Theodor größtenteils vom Vater und Hauslehrern unterrichtet — eine Zeit, die ihn nach eigenen Angaben nachhaltig prägte.
Da weiterhin eine enge Bezeihung zu Fontanes Geburtsstadt bestand, besuchte er ab 1832 das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Neuruppin. Bereits 1833 wechselte er jedoch zu einer Gewerbeschule in Berlin. Auch diese Ausbildung brach er 1836 wieder ab.
Zu dieser Zeit fand bereits seine erste Begegnung mit seiner zukünftigen Frau Emilie Rouanet-Kummer statt.
Arbeit als Apotheker und erste Publikationen
Nach seiner ersten abgebrochenen Ausbildung begann Fontane eine Apothekerlehre. Gleichzeitig fing er an, Gedichte und kurze Prosastücke zu verfassen. Seine erste Novelle namens „Geschwisterliebe” wurde 1839 veröffentlicht.
Im selben Jahr beendete er seine Ausbildung und nahm eine Stelle als Apothekengehilfe in Burg, nahe Magdeburg, an. Doch als er Anfang 1841 an Typhus erkrankte, zog er zunächst zu seinen Eltern nach Letschin.
Nach seiner Genesung trat er eine neue Stelle in einer Leipziger Apotheke an, wo er auch auf politisch Gleichgesinnte traf. Fontane begann sich selbst und seine Arbeit neu auszurichten und begann englische revolutionäre Gedichte zu übersetzen.
💡Fontanes neues literarisches Vorbild war der revolutionäre deutsche Dichter Georg Herwegh, der zum Vormärz gehört. Fontane schloss sich ihm an und wurde in den Herwegh-Klub in Leipzig aufgenommen.
Ende 1841 zog Fontane erneut zu seinen Eltern nach Letschin, um in der Apotheke seines Vaters zu arbeiten. Das Leben in der Kleinstadt war für ihn bedrückend, weshalb er anfing, Shakespeare zu übersetzen und weitere Prosastücke und Gedichte zu verfassen.
Tunnel über der Spree
1843 wurde Fontane in den literarischen Verein namens Tunnel über der Spree aufgenommen, wo er den Vereinsamen „Lafontaine“ trug. Der Berliner Verein hatte viele bedeutsame Mitglieder, darunter auch Gottfried Keller.
Dank Fontane gewann der Verein mit der Zeit an Beliebtheit und Einfluss in der literarischen Szene. Fontane war ganze 21 Jahre in dem Verein aktiv und wurde durch ihn stark geprägt. So bewegte er sich von seinen politischen Schriften weg, hin zur Gedichtsform der Ballade.
Journalismus und Briefe
Ab 1844 leistete Fontane einen einjährigen Militätdienst ab, wobei er auch seine erste Reise nach London unternahm. Als er 1845 nach Berlin zurückkehrte, verlobte er sich mit Emilie Rouanet-Kummer.
1847 erlangte er schließlich die Approbation, also die Zulassung zum staatlich anerkannten Apotheker.
Auch in seiner Schriftstellerkarriere tat sich einiges: Fontane begann als Journalist für eine liberale Zeitung zu arbeiten. Dafür wurde er von vielen als „radikaler Linker “ angesehen. 1848 beteiligte er sich sogar an den Barrikadenkämpfen der Märzrevolution und arbeitete vorübergehend im Berliner Krankenhaus Bethanien.
1849 gab Fontane seinen Beruf als Apotheker endgültig auf und widmete sich voll und ganz der Literatur. Er veröffentlichte sein erstes Buch „Männer und Helden: Acht Preußenlieder” und heiratete seine Verlobte Emilie.
Arbeit in London und Rückkehr nach Deutschland
Nachdem Fontane in der staatlichen Zentralstelle für Presseangelegenheiten angestellt wurde, lebte er auf Wunsch des Unternehmens von 1855 bis 1859 in London. Dort arbeitete er als deutsch-englischer Korrespondent und war für die Presseberichte zur preußischen Außenpolitik zuständig.
1859 kehrte er zurück nach Deutschland und nahm eine Arbeit im Bereich der Reiseliteratur an. Die war vor allem Mitte des 19. Jahrhunderts sehr beliebt. Dadurch entstand auch sein Buch „Wanderungen durch die Mark Brandenburg”. Fontanes Reiseliteratur macht einen Großteil seines Gesamtwerkes aus.
Ab 1860 arbeitete Fontane zudem als Redakteur für die „Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung“. In dieser Funktion reiste er auf die Schauplätze der drei preußischen Einigungskriege (1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/71 gegen Frankreich) und verfasste darüber umfangreiche Kriegsbücher.
Gefangenschaft und Tod
Als Fontane 1870 nach Paris verreiste, wurde er mit dem Verdacht auf Spionage festgenommen. Erst nachdem Bismarck selbst eingriff, wurde er freigelassen. Seine Erlebnisse in Gefangenschaft verarbeitete er in seinem Buch „Kriegsgefangen”.
Im gleichen Jahr begann Fontane auch als Theatherkritiker für die Berliner „Vossische Zeitung“ zu arbeiten. Über die nächsten 19 Jahre verfasste er rund 650 Kritiken für das Blatt.
Erst ab 1878 — im Alter von knapp 60 Jahren — begann Fontane mit „Vor dem Sturm“ seine eigentliche Karriere als Romanautor des Realismus. In den folgenden zwei Jahrzehnten schuf er fast alle seine berühmten Gesellschaftsromane.
1892 erlitt er eine schwere psychische Krise, die bei ihm Angstzustände und Schlafstörungen auslöste. Während seiner Genesung begann er mit der Arbeit an seinen autobiografischen Schriften. Theodor Fontane verstarb am 20. September 1898 an den Folgen eines Schlaganfalls in Berlin.
Theodor Fontane — Werke
Theodor Fontane war vor allem durch seine spät entstandenen Romane und Novellen in der literarischen Gattung der Epik bekannt. Aber auch in der Lyrik hat er in Form von Balladen und Gedichten viele eindrucksvolle Werke verfasst. Auch durch seine Reisebeschreibungen, Kriegsberichte und Theaterkritiken hat Fontane große Anerkennung erlangt.
Romane und Novellen
- Vor dem Sturm (1878)
- Grete Minde (1880)
- L’Adultera (1882)
- Unterm Birnbaum (1885)
- Irrungen, Wirrungen (1888)
- Stine (1890)
- Gefährliches Spiel (1894)
- Effi Briest (1895)
- Die Poggenpuhls (1896)
- Der Stechlin (1898)
- Mathilde Möhring (1906)
Reisebeschreibungen
- Ein Sommer in London (1854)
- Jenseits des Tweed (1860)
- Fünf Schlösser (1862)
- Wanderungen durch die Mark Brandenburg (1862)
- Reisebriefe vom Kriegsschauplatz (1866)
Balladen und Gedichte
- Archibald Douglas (1854)
- Die zwei Raben (1855)
- Das Trauerspiel von Afghanistan (1859)
- Die Brück‘ am Tay (1879)
- John Maynard (1886)
Briefe
- Die Fontanes und die Merckels (1850-1870)
- Jenseits von Havel und Spree (1984)
- Briefe an Georg Friedlaender (1994)
- Der Ehebriefwechsel (1998)
Theodor Fontane — häufigste Fragen
(ausklappen)
Theodor Fontane — häufigste Fragen
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Warum ist Theodor Fontane berühmt?Theodor Fontane ist berühmt, weil er als einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller des Realismus gilt und mit seinen Romanen das Leben und die Gesellschaft seiner Zeit sehr genau darstellte. Besonders bekannt machte ihn der Roman „Effi Briest“, außerdem schrieb er erfolgreiche Balladen und Reisebeschreibungen.
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Welche bekannten Werke hat Theodor Fontane?Zu den bekannten Werken von Theodor Fontane zählen vor allem die Romane „Effi Briest“ und „Irrungen, Wirrungen“. Sehr bekannt sind auch die Ballade „John Maynard“ und die Reisebeschreibung „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Weitere Romane sind zum Beispiel „Der Stechlin“ und „Unterm Birnbaum“.
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In welcher Epoche hat Theodor Fontane geschrieben?Theodor Fontane schrieb in der Epoche des Realismus. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter dieser Literaturepoche im deutschsprachigen Raum, besonders mit seinen Romanen und Novellen. Seine wichtigsten Werke erschienen im späten 19. Jahrhundert.
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Woran starb Theodor Fontane?In Biografien wird als Todesursache bei Theodor Fontane meist eine schwere Erkrankung des Gehirns genannt, also die Folgen eines Schlaganfalls beziehungsweise einer starken Durchblutungsstörung. Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin im Alter von 78 Jahren.
Realismus
Du weißt jetzt alles über Theodor Fontane und sein Leben. Du möchtest aber genauer wissen, wie er mit der Epoche des Realismus zusammenhängt? Dann schau bei unserem Video vorbei und lerne, warum er ein typischer Vertreter der Literaturepoche war.