Bertolt Brecht ist einer der wichtigsten Autoren aus dem 20. Jahrhundert. In unserem Beitrag und im Video erfährst du alles über ihn und seine Werke!
Inhaltsübersicht
Wer war Bertolt Brecht?
Bertolt Brecht (1898-1956) war einer der einflussreichsten deutschen Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts. Als Begründer des epischen Theaters revolutionierte er die Bühnenkunst, indem er Zuschauer zum kritischen Nachdenken anregte.
Sein Leben war vor allem durch den Zweiten Weltkrieg und durch seine Flucht vor dem Nationalsozialismus geprägt. Du kannst Bertolt Brecht in die Epochen des Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit , der Exilliteratur und der Nachkriegsliteratur einordnen.
Das epische Theater soll im Gegensatz zum klassischen Theater die Zuschauer nicht zum Mitfühlen bringen, sondern sie dazu bringen, das Geschehen auf der Bühne kritisch zu betrachten. Dafür sorgt der sogenannte Verfremdungseffekt. Die Illusion des Theaterstücks wird dabei gezielt unterbrochen, indem Schauspieler direkt mit Publikum sprechen, Lieder gesungen werden oder Schilder die Handlung vorwegnehmen. So soll der Zuschauer Distanz zum Stück bewahren, um zu erkennen, dass die gesellschaftlichen Missstände auf der Bühne echt und veränderbar sind.
Bertolt Brecht: Lebenslauf & Biografie
Bertolt Brecht kam am 10. Februar 1898 in Augsburg als Sohn eines Lithografen, also eines Drucktechnikers, auf die Welt. Er wuchs bei seiner Familie in guten sozialen und finanziellen Verhältnissen auf.
💡Brecht hieß eigentlich erst Berthold Brecht, er bevorzugte aber die Schreibweisen Bertolt Brecht oder Bert Brecht.
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Kindheit und Jugend
In der Schule hatte Brecht immer gute Noten. Zusätzlich bekam er Klavier-, Geigen- und Gitarrenunterricht. Brecht hatte aber schon als Kind Herzbeschwerden. Deshalb musste er sein Leben lang in Behandlung und immer wieder auf Kur gehen.
1917 macht Brecht sein Abitur während des Ersten Weltkriegs. Wegen seines Herzfehlers musste er aber zu seinem Glück danach kein Soldat werden. Brecht war sein Leben lang ein Gegner von Krieg und auch später vom Nationalsozialismus. Sein Interesse galt dem Kommunismus — der Idee einer klassenlosen Gesellschaft.
Brecht studierte Medizin und Naturwissenschaften an der Universität in München. Er besuchte aber kaum medizinische Vorlesungen, sondern ging zu Seminaren über Literatur. In der Zeit schrieb er bereits seine eigenen Werke. Dazu zählen vor allem Gedichte wie „Legende vom toten Soldaten“. Im Jahr 1919 wurde er das erste Mal zusammen mit seiner Jugendliebe Paula Bannholzer Vater eines Sohnes.
Brecht und das epische Theater
Sein erstes Drama, das auf der Bühne aufgeführt wurde, war „Trommeln in der Nacht“ (1919). Die Uraufführung fand 1922 in München statt und war ein Erfolg. Dort lernte er auch die Schauspielerin und zukünftige Ehefrau Helene Weigel kennen.
Außerdem erschien in dem Jahr die Buchausgabe seines ersten Dramas „Baal“ (1918). Im November 1922 heiratete er die Opernsängerin Marianne Zoff und bekam ein Jahr später eine Tochter mit ihr. Im Jahr 1924 zog er dann mit seiner Familie nach Berlin, um am Deutschen Theater zu arbeiten. Obwohl er noch mit Zoff verheiratet war, bekam er 1924 zusammen mit Weigel einen Sohn. Später ließ er sich dann von Zoff scheiden.
1928 feierte Brecht einen internationalen Erfolg als Schriftsteller. Sein Stück „Dreigroschenoper“ (1928) wurde uraufgeführt und er bekam für das Werk viel Lob und Anerkennung. Darin ging es vor allem um die wirtschaftlichen und sozialen Missstände, die Brecht anprangerte. Mit dem Stück legte er den Grundstein für das epische Theater.
1929 heiratete er die Schauspielerin Helene Weigel, mit der er oft zusammenarbeitete. Ein Jahr später bekamen sie auch noch eine Tochter. Außerdem wird sein Stück „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (1928) uraufgeführt. Weil Brecht hier aber den Kapitalismus stark kritisierte, war die Aufführung ein großer Skandal. Vor allem die Nationalsozialisten kritisierten das Werk.
Flucht und Exil: Brechts Kampf gegen das NS-Regime
Brecht hatte in den kommenden Jahren immer öfter mit Verboten oder Abänderungen seiner Werke zu kämpfen, weil sie zu starke kommunistische Züge hatten. Ein Tag nach dem Reichstagsbrand 1933 verließ Brecht zusammen mit seiner Familie das Land.
Er ging über die Schweiz nach Dänemark bis nach Schweden ins Exil. Er suchte Schutz vor den Nationalsozialisten, denn mittlerweile wurden seine Werke in Deutschland verboten und verbrannt. Außerdem wurde ihm seine deutsche Staatsbürgerschaft entzogen.
💡Deshalb gilt Bertolt Brecht ein wichtiger Autor der Epoche der Exilliteratur.
Weil der Zweite Weltkrieg sich weiter ausbreitete, war seine Familie ständig auf der Flucht. In dieser Zeit entstand das Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“ (1941), mit dem er sich gegen den Krieg positionierte.
1941 wanderte er dann in die USA aus, wo er Drehbuchautor für Hollywood werden wollte — jedoch ohne Erfolg. Nachdem der Krieg zu Ende ging, wuchs in den USA die Angst vor dem Kommunismus. Brecht war aber bereits als Unterstützer des Kommunismus bekannt.
Als er nach dem atomaren Angriff der USA auf Japan sein Werk „Leben des Galilei“ (1943) aus politischen Gründen abänderte, wurden ihm schließlich unamerikanische Tätigkeiten vorgeworfen. Um einer möglichen Haftstrafe zu entgehen, flüchtete er aus den USA zurück nach Europa.
Die Rückkehr nach Berlin und Brechts letzte Jahre
1948 kehrte Brecht mit seiner Familie zurück nach Ost-Berlin in die DDR. Kurz darauf gründete er zusammen mit seiner Frau Helene Weigel die Theatergruppe Berliner Ensemble.
In seinen letzten Jahren arbeitete Brecht als Regisseur und Schriftsteller und beteiligte sich an vielen Inszenierungen des Berliner Ensemble. 1954 wurde Brecht Vizepräsident an der Deutschen Akademie der Künste.
Am 14. August 1956 starb Bertolt Brecht mit 58 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.
Zu welcher Epoche gehört Bertolt Brecht?
Bertolt Brecht lässt sich in keiner einzelnen Epoche zuordnen, da er im Laufe seines Lebens mehrere literarische Epochen entscheidend geprägt hat.
Seine Anfänge nach dem Ersten Weltkrieg lagen im Expressionismus, wo er in wilden, gefühlvollen Bildern gegen die verlogene Moral der damaligen Gesellschaft rebellierte.
Ab Mitte der 1920er-Jahre wandte er sich der Neuen Sachlichkeit zu. Er wollte die harte Realität der Weimarer Republik kritisch aufzeigen, was ihm mit der berühmten „Dreigroschenoper“ (1928) den weltweiten Durchbruch brachte.
Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, musste Brecht aus Deutschland fliehen. Die folgenden Jahre im Ausland war seine Phase der Exilliteratur. In dieser Zeit schuf er im Kampf gegen den Faschismus und den Krieg tiefgründige Stücke wie „Mutter Courage und ihre Kinder“ (1941).
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Ost-Berlin zurück, wo sein Spätwerk der Nachkriegsliteratur zuzuordnen ist.
Über all diesen Epochen steht jedoch Brechts eigenes Konzept: das epische Theater. Er wollte nie einfach nur in eine Epoche passen, sondern das Theater als Werkzeug nutzen, um die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und die Welt politisch zu verändern.
Bertolt Brecht: Dramen und Theaterstücke
- Baal (1918)
- Trommeln in der Nacht (1919)
- Die Hochzeit (1919)
- Mann ist Mann (1926)
- Die Dreigroschenoper (1928)
- Die Mutter (1932)
- Mutter Courage und ihre Kinder (1941)
- Leben des Galilei (1943)
- Der gute Mensch von Sezuan (1943)
- Der kaukasische Kreidekreis (1944)
- Antigone des Sophokles (1948)
Bertolt Brecht: Opern
- Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1928)
- Der Jasager und der Neinsager (1930)
- Die Verurteilung des Lukullus (1950)
Bertolt Brecht: Gedichte
- Bertolt Brechts Hauspostille (1926)
- Aus dem Lesebuch für Städtebewohner (1930)
- Geschichten aus der Revolution (1933)
- Svendborger Gedichte (1939)
- Kriegsfibel (1955)
Bertolt Brecht: Prosa
- Die Bestie (1928)
- Die drei Soldaten (1932)
- Dreigroschenroman (1934)
- Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar (1938)
Bertolt Brecht — häufigste Fragen
(ausklappen)
Bertolt Brecht — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Was ist typisch für Bertolt Brecht?Typisch für Bertolt Brecht sind gesellschaftskritische Werke und eine Theaterform, die das Publikum bewusst auf Distanz hält. Brecht gilt als Mitbegründer des epischen Theaters, das nicht wie das klassische aristotelische Drama auf starke Identifikation setzt. Dafür nutzt Brecht den Verfremdungseffekt, etwa durch Kommentare oder Lieder.
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In welche Literaturepochen ordnet man Bertolt Brecht ein?Bertolt Brecht ordnet man der Neuen Sachlichkeit (1918–1933), der Exilliteratur (1933–1945) und der Trümmerliteratur (1945–1950) zu. Die Neue Sachlichkeit passt zu seinen frühen Jahren und seinem Durchbruch in der Weimarer Zeit. Exilliteratur betrifft die Zeit nach seiner Flucht 1933, Trümmerliteratur die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.
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Warum ist Bertolt Brecht 1933 aus Deutschland geflohen?Bertolt Brecht floh 1933 aus Deutschland, weil die Nationalsozialisten gegen seine Werke vorgingen und er um seine Sicherheit fürchten musste. Einen Tag nach dem Reichstagsbrand verließ er das Land und ging ins Exil. Seine Werke wurden in Deutschland verboten und verbrannt, außerdem wurde ihm die Staatsbürgerschaft entzogen.
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Was war das Berliner Ensemble von Bertolt Brecht?Das Berliner Ensemble war eine von Bertolt Brecht nach seiner Rückkehr nach (Ost-)Berlin gegründete Theatergruppe. Brecht arbeitete dort als Regisseur und Schriftsteller und war an vielen Inszenierungen beteiligt. Das Ensemble wurde zu einem zentralen Ort, an dem Brechts Theaterpraxis umgesetzt und seine Stücke aufgeführt wurden.
Episches Theater
Bertolt Brecht hat das Theater nachhaltig verändert. Er wollte sein Publikum nicht einfach unterhalten oder emotional mitreißen — er wollte es zum Nachdenken und zur kritischen Auseinandersetzung anregen. Das schaffte er mit seinem Konzept des epischen Theaters. Doch was steckt eigentlich dahinter und wie funktioniert es? Mehr darüber erfährst du hier!