Die Leiden des jungen Werther – Zusammenfassung
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Inhaltsübersicht
Die Leiden des jungen Werther — Inhaltsangabe
Johann Wolfgang von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ ist ein Briefroman aus der Epoche des Sturm und Drang. Die Geschichte erzählt von Werther, einem jungen Mann, der in einer neuen Stadt nach Freiheit und Sinn sucht. Dort verliebt er sich unsterblich in eine Frau namens Lotte.
Zwischen beiden entsteht eine vertraute Nähe, die Werther glücklich macht. Doch Lotte ist bereits mit Albert verlobt. Der steht für Vernunft und Ordnung: genau das, was Werther als einengend empfindet. Trotz der Verlobung klammert sich Werther an die Hoffnung, Lotte könnte sich doch noch für ihn entscheiden.
Mit der Zeit wird klar, dass Lotte Albert treu bleibt und Werthers Liebe unerfüllt bleibt. So wächst Werthers innere Spannung. Mit der Zeit verliert er die Kontrolle über seine Gefühle. Das verdeutlicht den Kontrast zwischen seinem eigenen Verlangen und den gesellschaftlichen Zwängen. Am Ende sieht Werther keinen anderen Ausweg: Er verabschiedet sich in einem letzten Brief und nimmt sich das Leben.
- Autor: Johann Wolfgang von Goethe
- Veröffentlichung: 1774 (überarbeitet 1787)
- Gattung: Briefroman
- Epoche: Sturm und Drang
- Hauptfiguren: Werther, Lotte, Albert, Wilhelm
- Aufbau: einzelne Briefe und Erzählungen durch einen Herausgeber
Die Leiden des jungen Werther — Figurenkonstellation
Hier siehst du alle wichtigen Figuren aus dem Roman „Die Leiden des jungen Werther“ in einer Figurenkonstellation.
Möchtest du mehr über die Figuren erfahren? In unserem Beitrag zeigen wir dir genauer, welche Rolle sie spielen und welche Eigenschaften sie haben.
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Die Leiden des jungen Werther — Zusammenfassung nach Briefen
Der Roman besteht aus insgesamt 81 Briefen von Werther an seinen Freund Wilhelm. Sie wurden von einem ausgedachten Herausgeber veröffentlicht. Über die Handlungsorte ist wenig bekannt, außer dass Werther später im fiktiven Ort Wahlheim wohnt. Die Handlung findet innerhalb von 20 Monaten statt: Der erste Brief ist vom 4. Mai 1771 und der letzte vom 20. Dezember 1772.
Wichtig: Im Originalwerk haben die Briefe keine Überschriften, bis auf das jeweilige Datum. Zur besseren Übersicht ergänzen jedoch Überschriften die Inhaltsangabe.
Erstes Buch — Unglückliche Liebe
Mit dem Beginn des ersten Buches verlässt Werther seine alte Umgebung und sucht im einfachen Landleben einen Neuanfang. Doch in Wahlheim führt die Begegnung mit Lotte dazu, dass aus heiterer Freiheit allmählich eine immer schmerzhaftere, unerfüllte Liebe wird.
4. Mai 1771 — Werthers Umzug und erste Eindrücke
Werther schreibt seinem Freund Wilhelm, dass er umgezogen ist. Er fühlt sich endlich frei, obwohl ihm der Abschied von alten Freunden schwerfiel. Er erwähnt eine Leonore, die sich damals in ihn verliebt hatte. Werther macht sich Vorwürfe, weil er ihre Gefühle nicht ernst genommen hat.
Außerdem berichtet er von einem Streit in der Familie. Es ging um eine Erbschaft seiner Mutter. Werther konnte den Konflikt mit seiner Tante klären. Die Stadt selbst gefällt ihm nicht, aber er liebt die Natur drumherum. Besonders angetan ist er von einem alten Garten, der einem verstorbenen Grafen gehörte. Dort fühlt er sich wohl und denkt viel nach.
10. Mai 1771 — Lebensfreude in der Natur
Werther beschreibt, wie glücklich er sich fühlt. Er ist allein unterwegs und genießt den Frühling und die Natur. Alles um ihn herum erscheint ihm lebendig und schön. Seine Umgebung erscheint ihm wie ein Geschenk. In dieser Stimmung kann er aber nicht kreativ sein. Er meint, dass er im Moment zu erfüllt vom Leben sei, um zu zeichnen. Trotzdem empfindet er diese Ruhe und Zufriedenheit als wertvoll.
12. Mai 1771 — Der alte Brunnen
In der Nähe hat Werther einen alten Brunnen entdeckt, der ihn immer wieder anzieht. Der Ort wirkt kühl und ruhig, fast ein bisschen unheimlich. Manchmal sitzen dort Mädchen aus dem Dorf und schöpfen Wasser. Das erinnert ihn an frühere Zeiten, in denen Brunnen Orte für Begegnungen und Gespräche waren. Werther fühlt sich an alte Geschichten erinnert und wünscht sich, ein Teil davon sein zu können.
13. Mai 1771 — Keine Bücher außer Homer
Heute bittet Werther seinen Freund, ihm keine Bücher mehr zu schicken. Er möchte nichts lesen, das ihn aufwühlt oder ablenkt. Stattdessen reichen ihm die Werke von Homer völlig aus. Dessen Geschichten beruhigen ihn und helfen ihm, seine Gefühle zu ordnen. Sein Herz beschreibt er dabei als unruhig und launisch. Um sich selbst nicht zu überfordern, erlaubt er sich, das zu tun, was ihm guttut.
15. Mai 1771 — Nähe zum Volk
Werther berichtet, dass ihn die Menschen im Ort mittlerweile gut kennen. Besonders die Kinder haben ihn ins Herz geschlossen. Am Anfang waren sie noch misstrauisch. Sie dachten, er wolle sich über sie lustig machen. Doch Werther blieb freundlich und gewann so ihr Vertrauen.
Er beschreibt, wie er einem jungen Dienstmädchen am Brunnen hilft, den Wasserkrug zu tragen. Solche einfachen Begegnungen bedeuten ihm viel. Gleichzeitig kritisiert er, dass Menschen aus besseren Kreisen oft Abstand halten und sich für etwas Besseres halten.
17. Mai 1771 — Neue Bekanntschaften
Mittlerweile hat Werther viele Leute kennengelernt, aber verspürt keine echte Verbindung zu ihnen. Die Menschen mögen ihn zwar, doch die Begegnungen bleiben oberflächlich. Er denkt viel über das Menschsein nach und darüber, wie wenig Freiheit viele mit ihrem Leben anfangen. Trotzdem kann er die einfachen Freuden genießen, wie ein gemeinsames Essen oder einen Spaziergang.
Sobald er aber an seine eigenen, ungenutzten Fähigkeiten denkt, wird ihm das Herz schwer. Er erinnert sich schmerzhaft an eine verstorbene Jugendfreundin, die ihn einst tief verstanden hat. Außerdem erwähnt er zwei neue Bekanntschaften: einen jungen Gelehrten, der mit Wissen glänzen will, und einen Amtmann, der als freundlicher Familienvater bekannt ist. Letzteren möchte Werther bald auf seinem Jagdhof besuchen.
22. Mai 1771 — Gedanken über das Leben
Werther schreibt, dass sich das Leben oft wie ein Traum anfühlt. Für ihn wirken viele Handlungen der Menschen sinnlos, weil sie nur dazu dienen, das eigene Dasein aufrechtzuerhalten. Wirkliche Erkenntnis sieht er nicht, nur schöne Illusionen, mit denen sich die Menschen selbst beruhigen.
Er vergleicht Erwachsene mit Kindern. Beide wüssten nicht, was sie eigentlich tun oder warum. Glücklich schätzt er die, die einfach im Moment leben. Am Ende des Briefs glaubt Werther, dass jeder Mensch in sich selbst eine Welt erschaffen kann. Wer das tut, kann auch im Alltag Glück finden. Solche Personen sind innerlich frei, selbst wenn sie sich äußerlich gefangen fühlen.
26. Mai 1771 — Ein Lieblingsort in Wahlheim
Nahe seines Wohnorts hat Werther das Dorf Wahlheim entdeckt. Er beschreibt die Gegend als ruhig und schön. Besonders angetan ist er von zwei Lindenbäumen vor der Kirche. Dort lässt er sich oft einen Tisch und Stuhl bringen, um Kaffee zu trinken und Homer zu lesen. Beim ersten Besuch sieht er zwei kleine Geschwister. Werther beobachtet sie lange und fertigt eine Zeichnung von den beiden an.
Er ist stolz darauf, dass das Bild allein aus der Natur entstanden ist, ohne dass er etwas hinzufügen musste. Für ihn ist das der Beweis, dass Natur die wahre Kunst hervorbringt. Regeln und feste Formen hingegen zerstören das echte Gefühl. Werther vergleicht das mit der Liebe. Auch diese soll nicht berechnet, sondern frei erlebt werden.
27. Mai 1771 — Erste Begegnung mit der Mutter
Werther begegnet der Mutter der beiden Kinder, die er am Vortag beobachtet hatte. Sie erzählt ihm, dass sie in der Stadt einkaufen war und ihr Mann wegen einer Erbschaft in die Schweiz gereist ist. Werther bewundert ihre ruhige Art. Er schenkt den Kindern einen Kreuzer (Münze) und verabschiedet sich nur ungern. Seitdem besucht er die Familie regelmäßig. Die Kinder freuen sich auf ihn, erzählen viel und teilen ihr Essen mit ihm. Er ist beeindruckt davon, wie einfach und zufrieden sie leben.
30. Mai 1771 — Gespräch mit einem verliebten Bauern
In Wahlheim beobachtet Werther einen Bauernburschen, der an einem Pflug arbeitet. Der junge Mann erzählt, dass er bei einer Witwe arbeitet, die ihn gut behandelt. Aus seinen Worten wird deutlich, dass er tief in sie verliebt ist. Werther ist bewegt von dessen Ehrlichkeit.
Dabei achtet der Junge immer darauf, den Ruf der Witwe zu schützen. Werther spürt in ihm eine reine und starke Liebe, wie er sie selten erlebt hat. Er überlegt, die Frau selbst kennenzulernen, entscheidet sich aber dagegen. Seine eigene Vorstellung der Frau soll nicht durch eine Begegnung zerstört werden.
16. Junius 1771 — Die erste Begegnung mit Lotte
Werther lernt Lotte bei einem Ball auf dem Land kennen. Vorher hatte er nur beiläufig von ihr gehört. Als er sie zum ersten Mal sieht, gibt sie ihren jüngeren Geschwistern liebevoll das Abendbrot. Ihre Ausstrahlung, ihre Stimme und ihre natürliche Art fesseln ihn sofort. Auf dem Ball tanzen sie miteinander. Lotte zeigt sich lebensfroh und leicht. Beim gemeinsamen Walzer fühlt er sich, als würde alles um ihn verschwinden. Er ist völlig überwältigt von ihr.
Später zieht ein Gewitter auf und die Stimmung wird unruhig. Lotte schlägt ein Spiel vor, das die Gäste ablenkt. Werther bewundert ihren Mut und ihre Art, anderen Sicherheit zu geben. Am Fenster, nach dem Sturm, schauen sie gemeinsam hinaus. Lotte sagt nur ein Wort: „Klopstock“. Für Werther ist dieser Moment hinreißend. Er küsst ihre Hand und ist tief bewegt.
19. Junius 1771 — Nach dem Ball
Werther erinnert sich an den Heimweg vom Ball. Es ist früher Morgen und die Natur wirkt frisch und ruhig. Lottes Begleiterinnen schlafen ein und nur sie beide bleiben wach. Werther meint, er könne nicht schlafen, solange er in ihre Augen sieht. Er bittet darum, sie später wiedersehen zu dürfen. Sie stimmt zu. Seitdem dreht sich für ihn alles nur noch um Lotte.
21. Junius 1771 — Freude am Alltag
Mittlerweile fühlt sich Werther glücklich in Wahlheim. Die Nähe zu Lotte und die einfachen Freuden des Alltags geben ihm das Gefühl, angekommen zu sein. Beim Kochen, Lesen und Gärtnern erlebt er echte Zufriedenheit. Gleichzeitig denkt er über die menschliche Sehnsucht nach dem Großen und Fernen nach und erkennt, dass wahres Glück oft in den kleinen Dingen liegt.
29. Junius 1771 — Werther und die Kinder
Als ein Mediziner Werther spielend mit Lottes Geschwistern sieht, zeigt er wenig Verständnis. Er hält Werthers Verhalten für unangemessen und kritisiert ihn öffentlich. Werther aber verteidigt seine Nähe zu den Kindern. Für ihn spiegeln sie das reine Menschsein wider. In ihrer Unbefangenheit erkennt er Tugenden, die Erwachsene oft vergessen haben.
1. Julius 1771 — Besuch beim Pfarrer
Werther schildert einen Besuch beim alten Pfarrer im Gebirge. Lotte zeigt dort viel Herz für den alten Mann und seine Familie. Er ist beeindruckt von ihrer liebevollen Art. Beim gemeinsamen Gespräch über Freude und dem Leid der Welt spricht Werther sich leidenschaftlich gegen schlechte Laune und für mehr Mitgefühl aus. Als ihn die Erinnerung an eine ähnliche Situation überwältigt, verlässt er die Runde. Nur Lottes Stimme bringt ihn wieder zur Ruhe.
6. Julius 1771 — Am Brunnen mit Lotte
Werther trifft Lotte beim Spaziergang mit zwei Mädchen und begleitet sie. Am Brunnen bringt eines der Kinder ihr Wasser. Gerührt hebt Werther das Kind hoch und küsst es, doch es beginnt zu weinen. Lotte beruhigt es mit liebevollen Worten und einem kleinen Reinigungsritual an der Quelle. Für Werther wird dieser Moment fast heilig. Als er später davon erzählt, erntet er Unverständnis, doch für ihn bleibt es eine wichtige Erfahrung.
8. Julius 1771 — Sehnsucht und Unsicherheit
Werther begleitet Lotte und andere Bekannte nach Wahlheim. Als sie zurückfahren, hofft er auf einen letzten Blickkontakt mit ihr. Doch ihre Augen schweifen über alle Anwesenden. Nur ihn scheint sie nicht zu bemerken. Erst als die Kutsche fort ist, glaubt er, dass sie sich vielleicht doch nach ihm umgedreht hat. Diese vage Hoffnung tröstet ihn, auch wenn er sich seiner Gefühle kindisch bewusst ist.
10. Julius 1771 — Die Oberflächlichkeit anderer
Werther ärgert sich über die Oberflächlichkeit, mit der andere über Lotte sprechen. Besonders das Wort „gefallen“ empfindet er als unpassend. Für ihn ist Lotte nicht einfach angenehm, sie erfüllt ihn vollkommen. Ebenso unzureichend erscheint ihm die Frage, ob ihm der Dichter Ossian „gefalle“. Seine Gefühle sind intensiver und tiefgreifender.
11. Julius 1771 — Geständnis am Sterbebett
In einem Gespräch mit Lotte erfährt Werther von einem Vorfall bei der todkranken Frau M. Kurz vor ihrem Ableben gesteht sie ihrem geizigen Ehemann, dass sie ihn über Jahrzehnte bei der Haushaltsführung hintergangen hat.
Um die Versorgung sicherzustellen, nahm sie wöchentlich mehr Geld aus der Kasse, als ihr zustand, ohne dass es ihm je auffiel. Die Beichte soll verhindern, dass ihre Nachfolgerin mit denselben unrealistischen Vorgaben zurechtkommen muss. Werther ist fassungslos über die menschliche Blindheit gegenüber offensichtlichen Tatsachen.
13. Julius 1771 — Lottes Liebe
Werther schreibt, dass er von Lottes Liebe überzeugt ist. Ihre Blicke und Gesten deutet er als Zeichen echter Zuneigung. Dieses Gefühl gibt ihm ein neues Selbstwertgefühl. Dennoch spürt er einen inneren Konflikt. Immer, wenn Lotte von ihrem Bräutigam Albert spricht, gerät er ins Wanken. Ihre aufrichtigen Worte über Albert wecken in ihm Zweifel und werfen ihn aus der Bahn. Dann fühlt er sich klein und hilflos, als hätte er alles verloren.
16. Julius 1771 — Schmerzliche Nähe
Schon die kleinsten Berührungen zwischen Werther und Lotte wühlen ihn auf. Gleichzeitig zieht ihn etwas unwiderstehlich zu ihr hin. Gerade weil Lotte dabei so unschuldig und unbefangen bleibt, empfindet er diese Nähe als doppelt schmerzhaft. Gleichzeitig erklärt er, dass in ihrer Gegenwart jede Begierde verschwindet. Sie ist ihm „heilig“. Wenn sie Klavier spielt oder singt, beruhigt sich seine Seele für einen Moment und seine dunklen Gedanken treten zurück.
18. Julius 1771 — Welt ohne Liebe
Werther fragt Wilhelm, was die Welt ohne Liebe überhaupt noch sei. Ohne sie wäre alles farblos. Weil er Lotte an diesem Tag nicht besuchen kann, greift er zu einem Ersatz. Er schickt seinen Diener zu ihr, nur um später jemanden um sich zu haben, der ihr nahe gewesen ist.
Als der Bote zurückkommt, wird der Diener für Werther fast zu einem „heiligen“ Gegenstand. Alles an ihm scheint aufgeladen, weil Lottes Blick ihn berührt hat. Der Werther weiß selbst, wie übertrieben das klingt. Er verteidigt dieses Gefühl aber: Wenn es einen glücklich macht, ist es dann wirklich bloß Einbildung?
19. Julius 1771 — Ein einziger Gedanke
Schon beim Aufwachen freut sich Werther über die Möglichkeit, Lotte heute zu sehen. Alles andere verliert an Bedeutung. Sein Denken und Fühlen kreisen nur noch um diese eine Hoffnung.
20. Julius 1771 — Abneigung gegen Anpassung
Wilhelm schlägt vor, Werther solle mit einem Gesandten abreisen und als Sekretär arbeiten. Das lehnt Werther vehement ab. Er möchte sich nicht unterordnen und erst recht nicht für jemanden arbeiten, den er unsympathisch findet. Auch auf den Wunsch seiner Mutter „in Aktivität“ zu sein, reagiert er ironisch. Wer sich ohne eigene Leidenschaft für jemand anderen abarbeitet, macht sich selbst zum Narren.
21. Julius 1771 — Künstlerische Blockade
Werther zeichnet in letzter Zeit kaum noch. Das tut er jedoch nicht aus Faulheit, sondern weil er so glücklich ist. Gerade dieses Glücksgefühl macht ihn unfähig, seine Eindrücke zeichnerisch umzusetzen. Seine Vorstellungskraft scheint zu nebelhaft, um klare Formen zu fassen. Auch der Versuch, Lottes Porträt zu zeichnen, scheitert wiederholt. Nur ein einfacher Schattenumriss von ihr gelingt ihm, was er schließlich als genug akzeptiert.
25. Julius 1771 — Kleine Bitte
Werther bittet Lotte, ihm weiterhin viele Aufgaben zu geben. Er erfüllt sie nämlich gern. Nur eine Kleinigkeit stört ihn. Der Sand auf ihren Zetteln landet immer in seinem Mund, was ihm äußerst unangenehm ist.
26. Julius 1771 — Ein Magnetberg
Werther nimmt sich vor, Lotte seltener zu sehen, doch jedes Mal kann er diesem Vorsatz nicht standhalten. Meist findet er einen Grund, in ihre Nähe zu gehen. Er vergleicht dieses starke Verlangen mit einem Magnetberg. Sobald er sich ihr zu sehr nähert, zieht es ihn unwiderstehlich an und lässt ihn nicht mehr los.
30. Julius 1771 — Alberts Ankunft
Albert ist zurückgekehrt und für Werther wird die Situation unerträglich. Zwar erkennt er Alberts positive Eigenschaften an, doch gerade das macht den Schmerz nur größer. Werther leidet zunehmend unter dem Wissen, dass Lotte einem anderen gehört. In Alberts Anwesenheit versucht er, seine Gefühle zu überspielen. Dabei verliert er sich jedoch in übertriebener Fröhlichkeit, die selbst Lotte auffällt. Um sich Lotte dennoch nahe fühlen zu können, nutzt er gezielt Momente, in denen Albert abwesend ist.
8. August 1771 — Innere Zerrissenheit
Gegenüber Wilhelm verteidigt Werther seine innere Zerrissenheit. Zwar versteht er dessen Forderung nach einer klaren Entscheidung zwischen Hoffnung und Verzicht. Diese Sichtweise findet Werther aber nicht so einfach. Seine Liebe zu Lotte vergleicht er mit einer langsamen Krankheit, von der man sich nicht durch einen plötzlichen Entschluss befreien kann. Immer wieder spürt er kurz den Wunsch nach Aufbruch und Befreiung, weiß aber nicht, wohin er gehen soll.
Abends — Keine Aussicht auf Besserung
Beim Lesen seines alten Tagebuchs erkennt Werther, wie klar ihm sein emotionaler Abstieg war. Er hat die Situation durchschaut, jeden Schritt reflektiert und trotzdem nichts daran geändert. Auch jetzt fehlt ihm jede Aussicht auf Besserung.
10. August 1771 — Ein erfülltes Leben
Werther beschreibt, wie gut ein erfülltes Leben für ihn aussehen könnte: Lotte, die ihn wie einen Sohn liebt, Kinder, die ihn wie einen Vater schätzen, und Albert, der ihm trotz seiner eigenen Gefühle Freundschaft zeigt. Werther ist berührt, als Albert von Lottes Mutter erzählt, die ihrer Tochter kurz vor dem Tod Haus und Kinder anvertraute und Lottes Stärke dadurch förderte.
Beim Spazieren sammelt Werther Blumen und wirft sie in den Fluss. Sein Herz schwankt zwischen Bewunderung und innerer Leere. Außerdem erwähnt er, dass Albert ein gutes Amt übernommen hat und dort geschätzt wird.
12. August 1771 — Streit über Selbstmord
Gemeinsam mit Albert führt Werther eine Diskussion, die sich beim Thema Selbstmord entzündet. Während Albert Selbstmord als feige und töricht verurteilt, widerspricht Werther entschieden. Für ihn darf man nicht vorschnell urteilen, ohne die inneren Leiden eines Menschen zu verstehen.
Im Streit verteidigt Werther die Ansicht, dass extreme seelische Not wie eine Krankheit sei, aus der es manchmal keinen Ausweg gebe. Anhand von Beispielen erklärt er, dass Leid den Menschen an seine Grenzen bringen kann. Am Ende trennen sich beide ohne Einigung und Werther bleibt mit dem Gefühl zurück, dass Menschen einander kaum wirklich verstehen.
15. August 1771 — Kinderliebe und Erzählkunst
Zärtlich schildert Werther seinen Besuch bei Lotte und ihren Geschwistern. Er wollte ihr Klavier stimmen, doch die Kinder forderten eine Märchenstunde. Eine Bitte, der er gerne nachkam. Beim Erzählen erkennt er, wie genau sich Kinder Geschichten merken und wie sensibel sie auf Abweichungen reagieren. Diese Erfahrung führt ihn zu einer Erkenntnis: Der erste Eindruck einer Erzählung prägt sich tief ein. Jede spätere Änderung kann diesen nur beschädigen.
18. August 1771 — Quälende Natur
Werther beschreibt, wie seine einstige Freude an der Natur sich in tiefen Schmerz verwandelt hat. Das, was ihn früher mit Glück erfüllte, wird nun zum quälenden Symbol seiner Entfremdung. In eindrucksvollen Bildern schildert er seine Sinneseindrücke und reflektiert über die zerstörerische Kraft, die allem Leben innewohnt. Das Leben erscheint ihm als ein Kreislauf aus Entstehen und Vernichtung. Durch diese Erkenntnis sieht er sich selbst nur noch als Teil eines unerbittlich verschlingenden Naturprozesses.
21. August 1771 — Sehnsucht ohne Trost
Vergeblich sucht Werther Lotte in seinen Träumen und beim Erwachen. Für kurze Momente glaubt er, sie sei bei ihm, doch die Erkenntnis der Wirklichkeit trifft ihn jedes Mal umso härter. Aus dieser Enttäuschung entsteht tiefe Verzweiflung. Seine Sehnsucht bleibt unerfüllt und der Blick in die Zukunft erscheint ihm dunkel und hoffnungslos.
22. August 1771 — Innere Leere
Werther klagt über einen Zustand zermürbender Antriebslosigkeit. Weder die Natur noch Bücher können ihn aufheitern. Selbst Tätigkeiten anderer, wie Alberts Arbeit in Akten, erscheinen ihm beneidenswert. Er denkt kurzzeitig über eine diplomatische Anstellung nach, doch auch diese Vorstellung verliert schnell an Reiz. In allem erkennt er nur noch den Ausdruck seiner inneren Unruhe und Unzufriedenheit.
28. August 1771 — Geburtstagsgeschenke
An seinem Geburtstag erhält Werther von Albert ein liebevoll gepacktes Geschenk: zwei handliche Homer-Bände und eine Schleife, die Lotte einst trug. Diese kleinen Gesten berühren ihn und wecken Erinnerungen an vergangene Glücksmomente. Trotz seiner Zerrissenheit erkennt er den Wert solcher flüchtigen Augenblicke. Der Tag endet beim gemeinsamen Obstpflücken mit Lotte.
30. August — Selbstauferlegte Schmerzen
Werther merkt, dass seine Qual nicht mehr nur in seinem Kopf sitzt. Wenn seine Wehmütigkeit überhandnimmt, darf er manchmal bei Lotte weinen. Oft bleibt ihm jedoch nur die Flucht nach draußen. Dann streift er weit durch Felder, klettert auf Berge oder zwingt sich durch Wälder, bis ihn Dornen und Zweige verletzen.
Der körperliche Schmerz wird zur kurzen Erleichterung. Manchmal bleibt er erschöpft liegen oder sitzt in tiefer Nacht im Wald unter dem Mond, nur um überhaupt Ruhe zu finden. Er träumt von einer Zelle als Mönch oder freiwilligen Schmerzen. Als einziges Ende dieses Zustands sieht er den Tod.
3. September 1771 — Entschluss zur Flucht
Plötzlich fasst Werther einen festen Entschluss. Er will fortgehen. Schon seit Wochen trägt er diesen Gedanken mit sich, doch nun fühlt er sich endgültig dazu gedrängt. Lottes Abwesenheit und Alberts Nähe machen das Bleiben für ihn unmöglich. Für Werther scheint die Trennung der einzige Ausweg aus seinem inneren Konflikt zu sein.
10. September 1771 — Der Abschied
In einer schlaflosen Nacht ist Werther endgültig entschlossen, Lotte zu verlassen. Beim letzten gemeinsamen Abend mit Lotte und Albert hält er seine Absicht verborgen. Die vertrauten Orte des Gartens rufen Erinnerungen an frühere Glücksmomente hervor und machen den Abschied für ihn noch schmerzhafter.
Als Lotte von Tod und ihrer verstorbenen Mutter spricht, wird Werther innerlich überwältigt. Ihre Worte treffen ihn tief. Beim Abschied klammert er sich an die Hoffnung auf ein Wiedersehen, doch nachdem Lotte und Albert gegangen sind, bleibt er allein zurück. Im Mondlicht sieht er sie ein letztes Mal verschwinden.
Zweites Buch — Weg in die Verzweiflung
Im zweiten Buch versucht Werther, Abstand zu gewinnen und in einer neuen Stellung am Hof einen festen Platz zu finden. Statt Heilung wird er jedoch zunehmend einsam, bis er wieder nach Wahlheim zurückkehrt. Doch auch dort geht es ihm nicht besser.
20. Oktober 1771 — Selbstzweifel und Zuversicht
Werther schreibt, dass er in einer neuen Stadt angekommen ist. Der Gesandte, bei dem er arbeiten soll, zeigt sich jedoch wenig zugänglich. Obwohl Werther von Selbstzweifeln geplagt wird, schöpft er Hoffnung aus dem Umgang mit einfachen Menschen. Er erkennt, wie sehr Einsamkeit und idealisierte Vorstellungen das Selbstwertgefühl untergraben können. Dafür ist es heilsam, die Lebensrealität anderer zu erleben. Diese Einsicht lässt ihn hoffen, im Alltag wieder Halt zu finden.
26. November 1771 — Ein Lichtblick
Allmählich beginnt Werther, sich in seiner neuen Umgebung einzuleben, vor allem dank der vielen Aufgaben und neuen Gesichter. Besonders hebt er seine neue Begegnung mit dem Grafen C. hervor. In deren gegenseitigen Wertschätzung findet Werther einen seltenen Trost: das Gefühl, von einem großen Geist wirklich verstanden zu werden.
24. Dezember 1771 — Ärger am Hof
Die pedantische Art seines Dienstherren belastet Werther. Dieser kritisiert jede Formulierung und behindert Werthers Arbeitsfluss. Nur der Graf von C. schätzt seine geistigen Fähigkeiten wirklich. Dessen Anerkennung ist Werther besonders wichtig.
Auf Spaziergängen begegnet er dem steifen bürgerlichen Leben, das ihn abstößt. Besonders die alte Tante eines liebenswürdigen Fräuleins zeigt ihm, wie überheblich die Menschen sein können. Obwohl er das Fräulein gern wiedersehen möchte, stört ihn der Gedanke, auch deren Verwandtschaft wiedersehen zu müssen.
8. Januar 1772 — Gesellschaft am Hofe
Voller Abscheu blickt Werther auf die Hofgesellschaft. Die vornehmsten Personen wirken so, als hätten sie nicht außer Beförderung und Rang im Sinn. Ständig versuchen sie dem Anderen einen Schritt voraus zu sein. Er beschreibt diese Jagd nach Titeln als lächerlich. Gleichzeitig sind sie unangenehm, weil sie überall kleinliche Leidenschaften entfesseln. Selbst die mit Titeln einhergehende Macht scheint ihm hohl. Wer über anderen steht, ist dadurch nicht freier, sondern verstrickt sich viel mehr in Erwartungen und Spielregeln.
20. Januar 1772 — Brief an Lotte
Während eines Unwetters in einer abgelegenen Bauernherberge möchte Werther plötzlich Lotte schreiben. Die Erinnerung an sie erfüllt ihn, umgeben von Kälte und Fremden, mit Wärme. Mittlerweile belastet ihn der Verlust seines inneren Antriebs sehr und er fühlt sich von Welt entfremdet. Einzig allein die Begegnung mit einem Fräulein von B., die ihn an Lotte erinnert, lässt diese Gefühle abklingen. Ihm ist aber auch klar, dass er Lotte auf das Fräulein projiziert.
8. Februar 1772 — Grauenvolles Wetter und Bitterkeit
Werther berichtet von grauenhaftem Wetter, das ihm paradoxerweise wohltut. Schlechtes Wetter ist seinen Augen wenigstens ehrlich. Es passe nämlich zu seiner trostlosen Innenwelt. Schönes Wetter hingegen könne ihm nur durch andere Leute verdorben werden. Daraufhin klagt er über Menschen, die sich selbst und ihren Mitmenschen jegliche Freude rauben, indem sie unvernünftig oder missgünstig sind. So möchte er sich immer mehr von der Gesellschaft abwenden.
17. Februar 1772 — Der Brief des Ministers
Erneut beklagt Werther das schwierige Verhältnis zu seinem Vorgesetzten. Dessen pedantische Art empfindet er als unerträglich. Immer wieder kann er sich nicht zurückhalten, Dinge selbst zu regeln. Das führt letztendlich zu einem offiziellen Verweis durch den Minister. Werther war bereits entschlossen, selbst zu kündigen, aber dann erreicht ihn ein persönlicher Brief des Ministers.
Der Minister würdigt Werthers Idealismus, lenkt ihn aber gleichzeitig auf einen realistischeren Weg. Werther ist sehr dankbar und beschreibt den Brief als Ausdruck tiefen Verständnisses und echter Menschenkenntnis. Diese wohlwollende Ermahnung gibt ihm für kurze Zeit inneren Frieden. Gleichzeitig ist er sich aber bewusst, wie zerbrechlich und flüchtige diese Ruhe ist.
20. Februar 1772 — Nachricht von Lottes Hochzeit
Verbittert schreibt Werther an Lotte, nachdem er von ihrer Heirat mit Albert erfahren hat. Er bedankt sich sarkastisch bei Albert, weil dieser den Tag der Hochzeit geändert hat. Eigentlich wollte Werther nämlich den Schattenumriss, den er von Lotte gezeichnet hat, abhängen, wenn die beiden geheiratet haben. Stattdessen beschließt er, das Bild zu behalten. Trotz allem sieht er sich noch immer als Teil von Lottes Herz — wenn auch auf dem zweiten Platz.
15. März 1772 — Ausgeschlossen
Bei einer Abendgesellschaft des Grafen von C. wird Werther gebeten, zu gehen. Seine Anwesenheit wird von der feinen Gesellschaft als unpassend empfunden. Anfangs versucht er gelassen über den Vorfall zu sein. Mit der Zeit verspotten ihn jedoch andere deshalb, was ihn hart trifft. Bitter klagt er über die Heuchelei und Engstirnigkeit der Adeligen. Er bereut seine berufliche Entscheidung und fühlt sich von seinen Freunden in eine fremde Welt gedrängt.
16. März 1772 — Gespräch mit Fräulein B.
Fräulein B. verhält sich distanziert gegenüber Werther, woraufhin er sie darauf anspricht. Sie erklärt ihm unter Tränen, dass sie aus Rücksicht und gesellschaftlichem Zwang gehandelt habe und selbst stark unter der Situation gelitten habe. Gleichzeitig erzählt sie vom Spott und der Schadenfreude, gegenüber Werther. Ihre Offenheit trifft ihn mit voller Wucht. Er fühlt sich gedemütigt und von heftiger Wut und Selbstzerstörungsgedanken getrieben.
24. März 1772 — Entlassung vom Hof
Werther schreibt, dass er seine Entlassung vom Hof beantragt hat und die Anstellung endgültig verlassen will. Dabei bittet er Wilhelm, seiner Mutter diese Entscheidung behutsam mitzuteilen. Wahrscheinlich wird er jetzt keine große Karriere mehr machen. Stattdessen folgt er der Einladung eines Fürsten, mit ihm auf dessen Hof zu gehen und dort den Frühling zu verbringen. Werther hofft dort freier und selbstbestimmter leben zu können.
19. April 1772 — Offizieller Abschied
Der Abschied vom Hof ist nun offiziell. Werther hatte zwei Briefe von Wilhelm erhalten, aber seine Antwort hinausgezögert. Er wollte nicht, dass sich seine Mutter einmischen würde. Der Minister bedauert seinen Abschied und der Erbprinz sendet ihm zum Abschied 25 Dukaten sowie berührende Worte. Dadurch benötigt er das Geld seiner Mutter nicht mehr.
5. Mai 1772 — Rückkehr in die Kindheit
Am nächsten Tag wird Werther abreisen. Auf dem Weg will er seinen Geburtsort besuchen. Er möchte das Stadttor wiedersehen, durch das seine Mutter mit ihm hinausfuhr, als sie nach dem Tod seines Vaters umzog. Die Reise soll ein bewusster Rückblick auf seine Kindheitserinnerungen werden. Abschließend verspricht er Wilhelm, ihn über seine Abreise zu informieren.
9. Mai 1772 — Reise in die Vergangenheit
Die Rückkehr in seine Heimat ist wie eine Pilgerreise für Werther. Jeder Ort weckt intensive Kindheitserinnerungen. Ständig wird er mit veränderten und vertrauten Bildern konfrontiert. Das löst in ihm Wehmut aus und er reflektiert über seine gescheiterten Hoffnungen.
Aktuell lebt er auf dem Jagdschloss des Fürsten. Diesen schätzt er zwar, aber erscheint ihm auch misstrauisch. Besonders prägend ist die Erinnerung an seine frühen Träume, verkörpert durch das Flussbild. Daraufhin bedauert Werther, dass sein Herz im Gegensatz zu seinem Verstand kaum gewürdigt wird.
25. Mai 1772 — Aufbruch in den Krieg
In letzter Zeit hat Werther oft mit dem Gedanken gespielt in den Krieg zu ziehen. Das hielt er jedoch bewusst geheim. Der Fürst riet ihm jedoch eindringlich davon ab. Werther gesteht, dass seine Absicht wohl mehr aus Leidenschaft als aus Vernunft entstand. Somit wird Werther nicht in den Krieg ziehen.
11. Junius 1772 — Geplanter Abschied vom Fürsten
Werther hält es am Hofe des Fürsten nicht länger aus. Obwohl dieser ihn gut behandelt, fehlt die geistige Übereinstimmung. Der Fürst sei klug, aber nur auf gewöhnliche Art und Weise. Die Gespräche mit ihm empfindet er als wenig anregend. Beispielsweise frustriert ihn die intellektuelle Sicht des Fürsten auf Kunst, während Werther doch so gerne zeichnet. Er plant, in acht Tagen abzureisen und wieder umherzuziehen.
16. Junius 1772 — Wanderer
Werther bezeichnet sich als Wanderer und stellt die Frage, ob andere mehr als nur Wanderer seien.
18. Junius 1772 — Rückkehrwunsch zu Lotte
Die geplante Abreise vom Fürsten verzögert sich leider. Werther schreibt, dass es 14 Tage dauern wird. Dafür hat er bereits neue Pläne und möchte die Bergwerke besuchen. Im Vertrauen gibt er jedoch preis, dass sein Besuch der Bergwerke nur ein Vorwand ist. In Wahrheit will er wieder zu Lotte. Trotz innerem Spott folgt er dem Verlangen seines Herzens.
29. Julius 1772 — Sehnsucht nach Lotte
Werther durchlebt eine tiefe emotionale Krise. Er wünscht sich, er hätte Lotte geheiratet und stellt sich vor, wie ihr gemeinsames Leben aussehen hätte können. Der Gedanke, Lotte sei nun Alberts Ehefrau, erschüttert ihn. Er glaubt, sie wäre mit ihm glücklicher geworden, da Albert in seinen Augen nicht einfühlsam genug ist, um Lotte wahrhaft zu verstehen. Ihre emotionale Nähe in gemeinsamen Momenten vermisst er schmerzlich.
4. August 1772 — Leid und Enttäuschung
Werther kehrt zurück nach Wahlheim. Dort trifft er erneut auf die Frau, mit dessen Kindern er immer spielte. Der Moment ist jedoch weniger erfreulich als gedacht. Ihr jüngster Sohn Hans ist verstorben. Sie berichtet zudem von der Rückkehr ihres kranken, mittellosen Mannes aus der Schweiz. Werther bleibt sprachlos und gibt dem zweiten Kind ein Geschenk. Als Zeichen des Danks nimmt Werther außerdem ein paar Äpfel entgegen. In stiller Betroffenheit verlässt er den Ort.
21. August 1772 — Vergangene Hoffnung
Mit schwankender Stimmung beschreibt Werther seine kurzen Momente voller Lebensfreude, die dann sofort wieder vergehen. Er verliert sich in seinen Gedanken und denkt über Alberts möglichen Tod nach. Daraufhin erschrickt er vor sich selbst und den Abgründen seiner Fantasie. Schließlich geht er spazieren. Er geht denselben Weg, wie er immer zu Lotte gegangen ist, aber nun empfindet er nur Leere. Alles, was ihn früher erfüllte, ist verschwunden. Zurück bleibt nur das Gefühl einer zerstörten, ausgebrannten Vergangenheit.
3. September 1772 — Exklusive Liebe
In einem kurzen Ausbruch schildert Werther, dass er nicht verstehen kann, wie jemand anderes Lotte lieben könne. Für ihn existiert nur sie. Seine Liebe sei exklusiv.
4. September 1772 — Begegnung mit dem Bauerburschen
Gleichzeitig mit dem Herbst wird auch Werthers Innenleben finsterer. In Wahlheim erkundigt er sich nach dem Bauerburschen, den er damals kennengelernt hatte und trifft ihn schließlich wieder. Der Mann erzählt, wie seine Liebe zu seiner Herrin dazu führte, dass er entlassen wurde und ihn ins Unglück stürzte.
Der Bauernbursche verlor Arbeit, Ruf und jede Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft, nachdem er übergriffig wurde. Werther ist tief erschüttert von dieser Geschichte. Er erkennt etwas allgemein Menschliches in der leidenschaftlichen Liebe des Mannes wieder. So fühlt er sich selbst eng mit dessen Schicksal verbunden.
5. September 1772 — Zettel für Albert
Werther berichtet, wie er ein Zettelchen findet, das Lotte an ihren Ehemann Albert geschrieben hat. Die Worte darin lassen ihn kurz träumen, es sei für ihn bestimmt. Als er diese Vorstellung ausspricht, ist Lotte nicht begeistert davon. Sie bricht das Gespräch ab und Werther schweigt beschämt.
6. September 1772 — Blaues Frack
Werther schreibt, dass es ihm schwerfällt, sich von seinem alten blauen Frack zu trennen. Er trug es bei seinem ersten Tanz mit Lotte. Obwohl er sich einen identischen neuen anfertigen ließ, fehlt ihm die emotionale Wirkung des Originals. Er hofft, dass auch der neue Frack ihm mit der Zeit ans Herz wächst.
12. September 1772 — Der Kanarienvogel
Lotte ist wieder zurückgekehrt und Werther schreibt darüber voller Freude. Sie brachte einen Kanarienvogel für ihre Geschwister mit. Der Vogel sei in der Lage Küsse zu verteilen und das wollte sie dem Werther präsentieren. So stupst der Vogel Lottes Lippen mit seinem Schnabel an. Die Unschuld der Szene weckt in ihm eine bittersüße Sehnsucht. Er zerbricht einmal mehr in der Nähe von Lotte.
15. September 1772 — Gefällte Nussbäume
Die geliebten Nussbäume beim Pfarrhaus, unter denen Werther oft mit Lotte saß, wurden gefällt. Scharf verurteilt er die gefühllose Pfarrerin, die die Bäume aus reinem Eigennutz fällen ließ. Obwohl niemand im Dorf darüber erfreut war, konnte keiner die Tat verhindern. Werther ist zornig, traurig und fühlt sich ohnmächtig gegenüber solcher Herzlosigkeit.
10. Oktober 1772 — Gedanken an Lotte und Alberts Glück
Schon der Anblick von Lottes Augen erfüllt Werther mit Wohlgefühl. Gleichzeitig ist er traurig darüber, dass Albert womöglich nicht so glücklich mit ihr ist, wie er selbst es gewesen wäre. Er ist davon überzeugt, dass Albert nicht der richtige Mann für Lotte ist. Dabei ringt er mit seinen Gefühlen und Worten.
12. Oktober 1772 — Ossians Dichtung
Ossians Werke haben für Werther Homer verdrängt. Tief beeindruckt beschreibt er eine mystische Welt aus Nebel, Sturm und Geistererscheinungen, die ihn emotional überwältigt. Besonders bewegt ihn das Bild eines einsamen, alten Barden, der trauernd den Spuren seiner Ahnen folgt. Werther identifiziert sich mit dessen Verlorenheit und Todessehnsucht. So wünscht er sich heldenhaft sein Leben selbst zu beenden.
19. Oktober 1772 — Die Leere im Herzen
Eine tiefe, schmerzliche Leere durchzieht Werthers Innerstes. Er schreibt, dass ein einziger Moment inniger Nähe zu Lotte genügen könnte, um diese innere Lücke vollständig zu füllen.
26. Oktober 1772 — Gedanken über Vergänglichkeit
Während Lotte sich mit einer Freundin unterhält, hört Werther beiläufige Gespräche über Krankheit und Tod. Deren Gleichgültigkeit erschüttert ihn. Allein im Nebenzimmer wird ihm bewusst, wie unbedeutend das einzelne Menschenleben ist. Selbst ein vertrauter Mensch verschwindet schnell aus dem Gedächtnis der Lebenden. Die Vorstellung, dass auch sein eigenes Fehlen nur kurz betrauert würde, verstärkt sein Gefühl von Vergänglichkeit.
27. Oktober 1772 — Unerfüllte Nähe
Mit großer Verzweiflung beschreibt Werther das Gefühl, einem anderen Menschen nie ganz nahekommen zu können. Die Liebe und innere Fülle, die er in sich trägt, bleiben unbeantwortet. Gleichzeitig quält ihn der Gedanke, dass auch er selbst niemanden Glück schenken kann, weil zwischen ihnen eine unüberbrückbare Kälte besteht.
Abends — Alles hängt an ihr
Trotz seiner Gefühle und Möglichkeiten empfindet Werther sein Leben als leer, sobald Lotte fehlt. Was er besitzt, verliert ohne sie jeden Wert. Seine gesamte Empfindung richtet sich auf sie und alles andere wird verdrängt.
30. Oktober 1772 — Schmerzhafte Nähe
Immer wieder steht Werther kurz davor, Lotte seine Liebe offen zu zeigen und sie zu umarmen. Er beschreibt, wie schmerzhaft es für ihn ist, ihr so nahe zu sei. Dennoch muss er sich zurückhalten, obwohl dieses Verlangen für ihn etwas zutiefst Menschliches ist.
3. November 1772 — Verlust der inneren Lebenskraft
Nach dem Aufwachen wünscht Werther immer häufiger, gar nicht mehr aufzustehen. Er erkennt, dass sein Elend nur durch sich selbst kommt und nicht durch äußere Umstände. Die frühere Fähigkeit Freude und innere Fülle zu erleben, ist verschwunden. Naturbilder, die ihn einst erfüllten, lassen ihn nun kalt. Werther beschreibt sich als innerlich ausgetrocknet und klagt darüber, dass er die Kraft nicht mehr hat, die ihn früher so glücklich gemacht hat.
8. November 1772 — Flucht in den Alkohol
Werther versucht seine Gefühle im Alkohol zu ertrinken. Lotte spricht ihn behutsam auf seinen zunehmenden Alkoholkonsum an und bittet ihn, sich ihretwegen zu mäßigen. Obwohl sie das Thema rasch wechselt, wird ihm klar, wie sehr ihn allein ihre Worte und ihre Gegenwart bestimmen. Er gesteht sich ein, dass er ihr vollkommen ausgeliefert ist und keinen inneren Widerstand mehr besitzt.
15. November 1772 — Rechtfertigung des Leidens
Wilhelm ist besorgt um Werther und gibt ihm Ratschläge. Doch Werther bitte ihn ruhig zu bleiben und erklärt, dass er sein Leiden aushalten müsse und auch könne. Er hat außerdem versucht, Halt in der Religion zu finden. Doch er sieht ein, dass sie ihm keinen Trost spendet und deshalb keine Hilfe ist. Sein Zustand erscheint ihm als unausweichliches Schicksal des Menschen: Jeder müsse sein Maß an Leid ertragen und seinen Kelch austrinken. In seiner Verzweiflung rechtfertigt er sogar Gottesleugnung als natürlichen Ausdruck äußerster Not.
21. November 1772 — Lieber Werther
Werther beschreibt, wie sehr ihn Lottes freundliches Verhalten innerlich quält. Ihr mitfühlender Blick und ihre Zuwendung empfindet er als gefährlich, weil sie seine Hoffnung nährt und sein Leiden vertieft. Besonders bewegt ist er davon, dass sie ihn erstmals „lieber Werther“ nennt. Dieses einzelne Wort verfolgt ihn noch in der Nacht und macht ihm schmerzhaft bewusst, wie sehr selbst kleine Gesten seine Gefühle weiter anfachen.
22. November 1772 — Gegensätzliche Gefühle
Unfähig zu beten, schwankt Werther zwischen widersprüchlichen Gedanken. Er kann Lotte weder erbitten noch loslassen, da sie einem anderen gehört und ihm doch nahe erscheint. Statt Trost zu finden, spielt er mit seinem Schmerz. Dadurch erkennt er bitter, dass seine Lage sich nur noch in Gegensätzen ausdrücken ließe.
24. November 1772 — Verbotene Sehnsucht
Lotte erkennt Werthers Leiden und begegnet ihm mit einem Blick voll innigem Mitleid. Schweigend fühlt er sich ihr überwältigend nah und ringt verzweifelt mit dem Wunsch nach körperlicher Nähe, den er sich verbietet. Lottes Klavierspiel steigert diese Spannung, bis Werther darüber nachdenkt, ob seine Empfindung eine mögliche Sünde sei.
26. November 1772 — Einzigartiges Leiden
Werther schreibt, dass er sein Schicksal für einzigartig hält und glaubt, tiefer gequält zu sein als alle anderen. Doch beim Lesen der Dichter früherer Zeiten erkennt er sein eigenes Leiden in ihren Worten wieder. Dadurch wird ihm bewusst, dass Menschen vor ihm bereits ähnlich gelitten haben. Seine Gefühle des Elends werden dadurch zugleich bestätigt und relativiert.
30. November 1772 — Der wahnsinnige Mann
Unterwegs begegnet Werther einem geistig verwirrten Mann. Dieser sucht im Winter vergeblich Blumen für seine geliebte Frau und preist seine frühere Zeit im Irrenhaus. Das Gespräch mit ihm und dessen Mutter erschüttert Werther.
Er erkennt darin ein Bild menschlichen Elends und beneidet den Kranken um dessen Unwissenheit über die eigene Lage. Gleichzeitig klagt er darüber, dass der Mensch sein Unglück durch sein Bewusstsein erkenne. In einem leidenschaftlichen Gebet wendet er sich schließlich an Gott und fleht um Trost und Annahme.
1. Dezember 1772 — Lottes ehemaliger Schreiber
Werther erfährt, dass der geisteskranke Mann, dem er begegnete, damals ein Schreiber bei Lottes Vater war. Der Mann war damals verliebt in Lotte, aber erzählte niemanden davon. Als er es dann schließlich doch offenbarte, wurde er aus dem Dienst ausgeschlossen und wurde schließlich wahnsinnig. Diese Information trifft Werther mit voller Wucht, vor allem, weil Albert sie ihm so nüchtern berichtet.
4. Dezember 1772 — Zusammenbruch beim Klavierspiel
Beim Besuch bei Lotte überwältigt Werther die Situation vollständig. Während sie Klavier spielt und ein vertrautes Lied erklingt, brechen Erinnerungen und Schmerzen über ihn herein. Der Anblick ihres Traurings und die Nähe im häuslichen Alltag treiben ihn an den Rand der Selbstbeherrschung.
Er möchte, dass Lotte aufhört Klavier zu spielen. Schließlich bittet sie ihn eindringlich zu gehen. Werther geht gekränkt. Der Brief endet mit der Bitte an Gott, seinem Elend ein Ende zu machen.
6. Dezember 1772 — Verfolgt von Lottes Anblick
Werther schreibt davon, wie ihn die Vorstellung von Lottes Augen konstant heimsucht. Selbst mit geschlossenen Augen sieht er sie klar vor sich. Ihre intensive seelische und sinnliche Präsenz erschüttert ihn tief. Daraufhin reflektiert er über die Grenzen der menschlichen Kraft. So entsteht für ihn ein Spannungsfeld nach der Sehnsucht nach dem Unendlichen und der Ernüchterung durch das begrenzte Bewusstsein.
Herausgeber an den Leser — Mord ihn Wahlheim
Da für Werthers letzte Tage nicht genügend eigenhändige Briefe erhalten sind, unterbricht der Herausgeber die Briefsammlung und ergänzt sie durch zusammengetragene Berichte. In Wahlheim geschieht ein Mord. Ein Mann wird erschlagen aufgefunden. Werther, der ohnehin schon aufgewühlt ist, wird durch den Anblick des Tatorts erschüttert. Als er den Verdächtigen sieht, erkennt ihn Werther wieder: es ist der Bauernbursche, der die Witwe liebte. Der Junge hatte die Witwe erschlagen und kalt erklärt, dass niemand sie haben soll. Werther identifiziert sich mit dem Täter. Er möchte ihn verstehen und ihm sogar die Flucht ermöglichen. Beim Amtmann findet er jedoch keine Gnade. Dieser möchte das Gesetz und die Ordnung umsetzten. Auch Albert stellt sich auf die Seite des Amtmanns. Werther geht gedemütigt mit dem Gefühl nicht gerecht sein zu können. Darüber hinaus beauftragt Lotte ihren Mann Albert mit Werther zu reden. Er soll ihm ausrichten, dass er nicht mehr so oft zu Besuch kommen soll. Die Leute würden bereits über sie reden.
12. Dezember 1772 — Todesnähe
Innerlich zerrissen, fühlt sich Werther wie von einem bösen Geist gehetzt. Getrieben von Unruhe verlässt er nachts das Haus, als Tauwetter und Hochwasser das Tal verwüsten. Beim Anblick der entfesselten Fluten, steigt in ihm das Verlangen auf, zum Abgrund zu gehen und seinem Leiden ein Ende zu machen.
Erinnerungen an frühere, glückliche Stunden mit Lotte mischen sich in diese Szene der Zerstörung. Schließlich kehrt er erschöpft zurück. Er ist beschämt darüber, dass er noch immer lebt und erfüllt von dem Gefühl, nur noch kraftlos seine Zeit zu verlängern. Innerlich glaubt er, er hat den Mut zum Sterben.
14. Dezember 1772 — Der Entschluss
Erschrocken blickt Werther auf sich selbst und fragt, ob seine Liebe zu Lotte immer rein und brüderlich gewesen sei. Zugleich quält ihn ein Traum, in dem er sie leidenschaftlich umarmt. Die Erinnerung an diesen Traum erscheint ihm wie eine Sünde. Er findet keine Ruhe mehr. Werther glaubt, dass er keinen Ausweg mehr finden wird. Alles bewegt sich in eine Richtung, die er nicht mehr steuern kann. Sein Entschluss wächst, diese Welt zu verlassen.
20. Dezember 1772 — Abschied
Dankbar antwortet Werther auf Wilhelms Briefe. Äußerlich nimmt er seinen Vorschlag an fortzugehen. So möchte Werther seine Abreise aber noch vierzehn Tage aufschieben. Gleichzeitig nimmt er Abschied von Mutter und Freunden und bittet um Vergebung für den Schmerz, den er bereitet hat.
Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr auch Lotte mit sich ringt. Sie möchte nicht mehr so oft von Werther besucht werden. Als er sie erneut besucht, bittet Lotte ihn eindringlich, dass er erst am Weihnachtsabend zurückkommt. Der Werther ist fassungslos und muss von Lotte beruhigt werden. Sie glaubt nicht daran, dass er sie wirklich liebt, sondern, dass er sie nur besitzen möchte. Gedemütigt und aufgewühlt verlässt Werther das Haus.
In dieser Nacht fasst er seinen Entschluss endgültig. Er schreibt an Lotte und kündigt ruhig seinen Tod an. Dort erklärt er sich selbst als das Opfer, dass sie und Albert entlasten würde. Am Morgen ordnet er seine Angelegenheiten, bezahlt Schulden, verteilt Geld an Arme und nimmt Abschied von den Kindern.
Der entscheidende Schritt folgt, als Werther Albert um seine Pistolen bittet. Lotte überreicht sie ihm zögernd. Werther deutet diese Handlung als letztes Zeichen ihrer Nähe. Er schreibt erneut an sie und spricht von ihrer ewigen Verbindung. Dann rechtfertigt er seinen Entschluss als Strafe und Vollendung zugleich. Am Abend ordnet er dann seine Papiere und versiegelt seine Abschiedsbriefe.
Schließlich zieht er sich mit einer Flasche Wein zurück und schickt den Diener schlafen. In Stille erwartet Werther den Morgen, den er nicht mehr erleben würde.
Nach Eilfe — Werthers Tod
In stiller Sammlung schreibt Werther seine letzten Zeilen. Er blickt zum Himmel, erinnert sich an die Sterne und nimmt innerlich Abschied von Lotte. Persönliche Gegenstände ordnet er ihr zu, bestimmt den Ort seines Grabes und bittet um eine schlichte, abgelegene Ruhestätte. Ohne Furcht beschreibt er den nahen Tod als Vollendung und richtet letzte Worte der Liebe und des Lebewohls an Lotte.
Kurz nach Mitternacht erschießt sich Werther. Der Schuss wird gehört, bleibt jedoch zunächst unbeachtet. Am Morgen findet der Diener ihn schwer verwundet. Ärzte werden gerufen, doch es gibt keine Rettung. Lotte bricht nach der Nachricht ohnmächtig zusammen. Albert ist fassungslos. Werther liegt im Sterben, ohne Bewusstsein, während das Haus in Unruhe ist.
Gegen Mittag stirbt Werther. Seine Freunde und Familie nehmen unter Schmerzen Abschied. Lotte bleibt fern aus Sorge um ihr Leben. Noch in derselben Nacht wird er an der von ihm gewünschten Stelle beerdigt. Kein Geistlicher begleitet den Zug. Damit endet Werthers Leben.
Die Leiden des jungen Werther — Zeitgeschichtliche Einordnung
Die Politik gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als das Werk entstand, war geprägt von dem Zusammenschluss vieler kleiner Staaten zum Deutschen Reich. Ein größerer Teil des Bürgertums arbeitete in der zentralen Verwaltung. Dadurch stieg auch die Vaterlandsliebe, weil sich das Volk zusammengehörig fühlte. Vor allem musst du dir aber merken, dass es zu der Zeit eine Ständegesellschaft gab, in der das Bürgertum nach den Regeln des Adels leben musste.
„Die Leiden des jungen Werther“ ist ein typisches Werk für den Sturm und Drang. In dieser Zeit wollte sich das Volk auf das Individuum und dessen Gefühle konzentrieren. Es ist eine Gegenbewegung zur Aufklärung, in der die Bürger nach Verstand und Vernunft strebten. Im Mittelpunkt des Sturm und Drang stand das Genie, was nach seinen eigenen Regeln handelte. Oft scheiterte das Genie aber, weil es die Normen der Ständegesellschaft nicht durchbrechen konnte.
Goethe verarbeitete in dem Werk seine Beziehung zur verlobten Charlotte Buff. Die Vorlage für den Selbstmord stammt von dem Suizid seines Freundes Karl Wilhelm Jerusalem. Er war verliebt in eine verheiratete Frau. Da er nicht mit ihr zusammen sein konnte, nahm er sich das Leben.
Die Leiden des jungen Werther — Interpretation
Für den Roman gibt es viele verschiedene Interpretations- und Deutungsansätze. Einige davon stellen wir dir hier vor.
Am wichtigsten ist dabei, dass du den Roman als Sinnbild der Epoche des Sturm und Drang interpretieren kannst. Mehrere Elemente sind eine Anspielung auf die damaligen Gesellschaftsverhältnisse und daraus folgenden Wünsche der jungen Stürmer und Dränger.
Werther kannst du als einen empfindsamen Menschen und damit typischen Vertreter des Sturm und Drang verstehen. Er steigert sich vollständig in seine Gefühlswelt hinein, ohne rational zu denken. Außerdem sind ihm dabei die Regeln der Ständegesellschaft egal. Er will als freier Mensch leben und über sich selbst entscheiden. Er ist nämlich ein Genie
Er scheitert aber nicht nur an seinen Gefühlen, sondern auch an der Ständegesellschaft. Dabei interessiert ihn die Meinung der anderen nicht. Albert erzählt ihm, dass Selbstmord nicht die Lösung und auch keine Heldentat ist. Werther bleibt sich aber treu und handelt weiterhin streng nach seinen Gefühlen. Im Gegenteil dazu vertritt Albert nämlich die Epoche der Aufklärung. Er ist pflichtbewusst und handelt nach seinem Verstand
Für weitere Interpretationsansätze zu „Die Leiden des jungen Werther“ schau dir hier unser Video dazu an!