Substantivierte Verben
Substantivierte Verben wirken oft wie normale Verben — sind es aber nicht. Hier und im Video erfährst du, wie du sie im Text sicher erkennst!
Inhaltsübersicht
Was sind substantivierte Verben?
Normalerweise beschreiben Verben Tätigkeiten und werden kleingeschrieben. Ein substantiviertes Verb beschreibt jedoch keine Tätigkeit mehr, sondern eine Sache oder ein Ding — genau wie ein Nomen (Substantiv). Dann wird es großgeschrieben.
„Lernen“, „essen“ und „lachen“ sind eigentlich Verben. In den Beispielsätzen nutzt du sie aber als Nomen. Zum Beispiel beschreibt „sein Lachen“ ein Merkmal und keine Tätigkeit. Deshalb ist „Lachen“ ein substantiviertes Verb und du schreibst es groß.
Wie bildest du substantivierte Verben?
Substantivierte Verben benutzt du, wenn du eine Tätigkeit als Konzept beschreiben willst. Es geht also nicht darum, dass jemand etwas gerade tut, sondern um die Sache an sich.
➡️ Beispiele:
- Ich lerne gerade. → „lerne“ beschreibt eine Handlung
- Das Lernen fällt mir heute leicht. → „Lernen“ beschreibt die Tätigkeit als Sache
Um ein Verb zu substantivieren, nimmst du einfach die Grundform (Infinitiv) vom Verb und schreibst sie groß. Meist musst du davor noch einen Artikel setzen. So wird sofort klar, dass das Verb jetzt wie ein Nomen verwendet wird.
➡️ Beispiele:
- lernen → das Lernen
- lesen → das Lesen
- schreiben → das Schreiben
Wichtig: Besteht ein Verb aus mehreren Wörtern, schreibst du die substantivierte Form zusammen: Rad fahren → das Radfahren, spazieren gehen → das Spazierengehen
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Wie erkennst du substantivierte Verben?
Du erkennst substantivierte Verben meist daran, dass das Verb in seiner Grundform steht und nicht gebeugt ist.
Die Grundform allein reicht als Hinweis aber nicht immer aus. Zum Beispiel wird in dem Satz „Ich möchte Pizza essen.“ das Verb „essen“ kleingeschrieben, obwohl es in der Grundform steht.
Damit du ein substantiviertes Verb sicher erkennen kannst, stehen häufig Signalwörter davor:
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Artikel wie „das“ oder „ein“
➡️ Beispiele: Das Schwimmen macht Spaß., Ich höre ein Pfeifen.
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Bestimmte Präpositionen
wie „am“, „im“, „vom“, „zum“, „beim“, „ans“ oder „fürs“. Denn sie bestehen aus einer Präposition und einem Artikel z. B. fürs = für + das.
➡️ Beispiele: Vom Fliegen wird mir schlecht., Sie telefoniert oft beim Aufräumen.
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Possessivpronomen
wie „mein“, „dein“ oder „sein“
➡️ Beispiele: Mein Laufen wird immer besser., Er stellt sein Können unter Beweis.
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Demonstrativpronomen
wie „dieses“ oder „jenes“
➡️ Beispiele: Dieses Lachen ist ansteckend., Jenes Verhalten fällt sofort auf.
Tipp: Wenn du dir unsicher bist, ob ein Pronomen auf ein substantiviertes Verb hindeutet, kannst du es durch „das“ ersetzen. Ergibt der Satz dann immer noch Sinn, ist das darauffolgende Verb ein Nomen. Zum Beispiel: Dieses Herumsitzen ist langweilig. → Das Herumsitzen ist langweilig.
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Adjektive
vor dem Verb
➡️ Beispiele: Schnelles Laufen ist anstrengend., Langes Warten nervt mich.
Adverbien und Adjektive sehen sehr ähnlich aus. Adjektive deuten auf ein substantiviertes Verb hin. Wenn aber ein Adverb vor einem Verb steht, ist das Verb nicht substantiviert und wird weiterhin kleingeschrieben. Um die nicht zu verwechseln, schaust du auf die Endung: Adjektive erkennst du an den Endungen -es, -en oder -em.
Beispielsweise ist „lautes Schreien“ ist „Schreien“ ein substantiviertes Verb, weil „lautes“ ein Adjektiv mit der Endung -es ist. „laut schreien“ ist hingegen ein normales Verb, weil „laut“ nicht angepasst und deshalb ein Adverb ist.
Besonderheiten bei der Substantivierung von Verben
Manchmal musst du besonders genau hinschauen, ob ein Verb substantiviert ist. Denn oft werden Signalwörter wie Artikel weggelassen oder ein Pronomen deutet nur unter bestimmten Bedingungen auf ein Nomen. Diese drei Fälle können dir begegnen:
1. Signalwort steht nicht direkt vor dem Verb
Zwischen dem Signalwort, also dem Artikel oder Pronomen, und dem Verb können noch andere Wörter stehen. Manchmal gibt es auch eine Aufzählung, sodass der Artikel oder das Pronomen nicht direkt vor jedem Verb steht.
➡️ Beispiele:
- Wandern, Klettern und Schwimmen halten dich fit.
- Beim auf dem Sofa Liegen schlafe ich oft ein.
2. Indefinitpronomen
Nach Indefinitpronomen
wie etwas, nichts oder alles wird nur manchmal das Verb danach großgeschrieben. So erkennst du es:
- Wenn der Infinitiv Teil einer Frage ist, dann ist es ein Verb.
- Wenn der Infinitiv Teil der Antwort ist, dann ist es ein substantiviertes Verb.
➡️ Beispiele:
-
Etwas Lernen hilft dir weiter.
Frage: Was hilft dir weiter? → etwas Lernen → substantiviertes Verb ✔️
Frage: Was hilft dir weiter lernen? ❌ -
Sie muss alles üben.
Frage: Was muss sie üben? → alles → normales Verb ✔️
Frage: Was muss sie alles? → üben ❌
3. Veränderung des Wortstamms durch Nachsilben
Manchmal wird aus einem Verb ein Nomen, indem eine Nachsilbe (Suffix)
angehängt wird. An diesen typische Endungen erkennst du substantivierte Verben: -ung, -ling, -nis oder -erei.
➡️ Beispiele:
- entscheiden → die Entscheidung
- erleben → das Erlebnis
- lehren → der Lehrling
- malen → die Malerei
Nominalisierung
Neben substantivierten Verben gibt es noch weitere Formen der Nominalisierung, bei denen auch andere Wortarten zu Nomen werden. Wie das genau funktioniert und worauf du achten musst, erfährst du in unserem Video zur Nominalisierung.